wir wollen in unserem Einfamilienhaus (Baujahr 1978) zwei Daikin Multi-Split-Klimaanlagen nachrüsten. Konkret geht es um das Außengerät Daikin 4MXM80A (R32-Serie) und ein FTXM25 2,5 kW Set. Das Haus hat keine eigene Erdungsanlage (kein Fundamenterder, kein Tiefenerder, kein Hauptpotentialausgleich). Der Verteilerkasten wurde vor ca. 2 Jahren komplett erneuert (moderner Hager-Verteiler mit FI-Schaltern und ausreichend Platz). Es handelt sich um ein TN-C-S-System über den Netzbetreiber. Angebot des Elektrikers: Neue Zuleitung direkt vom Sicherungskasten zum Außengerät (NYM-J 3x4 mm² mit Schutzleiter) Absicherung über einen FI/LS-Schalter Typ A mit 25A (wie von Daikin für die 4MXM80A gefordert) Überspannungsschutz Typ 2 in der Unterverteilung.
Der Elektriker sagt, die Aussage „das System muss korrekt geerdet sein"in der Daikin-Installationsanleitung bezieht sich rein auf den Schutzleiter (PE) in der Zuleitung. Einen zusätzlichen Potentialausgleich oder Tiefenerder im Garten hält er für dieses Gerät nicht für erforderlich.
Heute hatten wir einen weiteren Elektriker hier, der war gegenteiligee Meinung:
Ohne eigene Hauserdung im Boden sei die Installation nicht ausreichend sicher.
Meine Fragen an euch: Reicht bei einem modernen Verteilerkasten und TN-C-S-System der Schutzleiter (PE) der neuen Zuleitung für den sicheren Betrieb der Daikin-Geräte aus?
Ist ein eigener Tiefenerder / Hauptpotentialausgleich in diesem Fall normativ zwingend erforderlich, gibt es eine Nachrüstpflicht bei Klimaanlagen-Einbau im Altbau?
Wie seht ihr das Zusammenspiel von Überspannungsschutz Typ 2 und fehlender lokaler Erde?
Funktioniert das Ableiten gegen den Neutralleiter im TN-C-S-System in der Praxis ausreichend?
Hab ich noch nie gesehen oder gehört, dass man für eine Split-Klima zusätzlich einen Tiefenerder installiert.
Aber du sagst, dass das Haus nicht vernünftig geerdet ist. Da wäre es natürlich grundsätzlich sinnvoll, mal 2-3 Tiefenerder zu setzen.
Wie ist denn die Gefahreneinschätzung für Blitzeinschlag? Und wo wird die Anlage hingebaut? Wenn die recht weit oben auf dem Dach verbaut wird, wäre das schon was anderes, als recht tief an der Fassade.
Ich würde es generell so einschätzen: Tiefenerder für das Haus machen grundsätzlich Sinn und erhöhen die Sicherheit. Ist glaube ich normativ auf gefordert, wenn die Elektrik neu gemacht wird (neuer Zählerkasten). Aber auch ohne diese Maßnahme sieht man ja, dass jede Menge Häuser auch so hinreichend sicher waren. Gibt jede Menge ältere Häuser, die nicht geerdet sind.
bei uns im Ort waren sehr viele Häuser früher über die metallischen Wasserleitungen geerdet. Die wurden dann irgendwann Kunststoff und seitdem haben halt viele gar nix mehr.
Ich hab im Zuge der DIY PV einen 3m Tiefenerder gesetzt, das war meinem Elektriker der es angemeldet hat sehr wichtig (hat gesagt wenn der Netzversorger prüft, wäre das das erste).
Hallo Janneb, ich kann mir nicht vorstellen das du keinen Tiefenerder hast.
Es muss ein Tiefenerder geben, wenn der Zählerschrank vor 2 Jahren erneuert wurde. Vom Netzbetreiber kommt ein TN-C Netz und wird ab HAK zum TN-C-S Netz. Potentialausgleich ist Pflicht.
Nimm den Installateur vom Zählerschrank, der kann den Potentialausgleich nachrüsten. Einen zusätzlichen Überspannugsschutz brauchst du nicht.
Ich habe ein Haus von 1904 und es wurde vor 5 Jahren der Zählerschrank komplett neu gemacht. Der Netzbetreiber hat wegen jeder Menge Unsinn Stress gemacht. Aber nicht wegen fehlender Erdung. Ich habe zwar eine Potentialausgleichsschiene an welcher alles zusammegeführt wird aber keinen Tiefenerder oder Banderder. Die haben die Gas bzw Wasserleitung verwendet. Das ist jetzt aber alles Kunststoff. Insofern ist zumindest bei mir die Aussage nicht richtig, dass man auf jeden Fall nen tiefenerder braucht.
Wenn wir nächstes Jahr die Einfahrt neu machen werde ich zwei oder drei Tiefenerder einbauen. Aber gefordert hat das keiner. Weder der Elektriker noch der Netzbetreiber
Vor dem Neubau des Zählerschranks. Ich war auch sehr verwundert, aber der Elektriker meinte auch das wäre nicht gefordert. Obwohl ich es für wichtig halte.
So war es bei mir auch. Elektriker hat Außen einen Tiefenerder eingeschlagen und 16mm2 zum Verteilerkasten gelegt. Anschließend Gesamtwiderstand gemessen und ein Prüfprotokoll dafür ausgestellt. Hat ca. 30min gedauert. Kann man theoretisch auch selbst machen.
Mit den Klimaanlagen hat das aber nichts zutun. Die Aussage von Daikin bezieht sich nur auf die Zuleitung 3 Adrig L,N,PE.
Oliver hat schon alles im 2ten Post zu dem Thema geschrieben. Ein kompetenter Elektriker hätte den Leitungswiderstand gemessen.
bei Erneuerung eines Zählerplatzes gilt rechtlich als wesentliche Änderung der Elektroinstallation. Daher musste der Schrank nach den damals gültigen Technischen Anschlussbedingungen (TAB) und der VDE-AR-N 4100 errichtet werden.
Man hat keinen Bestandsschutz mehr. Daher gibt es eine Nachrüstpflicht.
Unser Haus ist von 1973 und wir haben eine PES/HES mit 2 dicken Bandstahlanschlüssen, vermutlich Fundamenterder. Wie gut die noch sind ist unklar. Zusätzlich sind Wasserleitung und sonstige größere metallische Gerätschaften/Leitungen angeschlossen. Kann mir nicht vorstellen, dass das 1978 vernachlässigt wurde. Irgendeine Art von Erdung sollte eigentlich da sein?
Wenn tatsächlich gar nichts vorhanden ist, kann man auch selbst 2-3 lange Kreuzerder einschlagen, am besten in Niederungen wo es meist feucht ist, diese mit 16mm2 Leitung verbinden und eine HES am/in der Nähe des ZS setzen. Ist nachträglich natürlich deutlich mehr Aufwand.
Habt ihr Blitzschutz? Das ist natürlich auch Erde - war früher oft von der PES getrennt, heute würde man beides zusammenführen. Die Idee war früher 'man will den Blitz nicht noch ins Haus holen'. Heute sieht man es eher so: Wenn Blitzschutz und PE getrennt sind, können sich dazwischen sehr hohe Potentiale aufbauen im Falle eines nahen Blitzeinschlags und dann hätte man viel wahrscheinlicher irgendwo einen Überschlag - mit entsprechendem Schaden. Wenn beides verbunden ist, wird kurzzeitig das Potential überall etwas angehoben, gibt aber keine Überschläge.
Korrigiert mich gerne, wenn ich da falsch liege. Es gibt da evtl. mehrere Ansichten und niemand weiß genau was 'richtig' ist.
Normaler weise nutzt man inzwischen nur noch VA-Stahl als Erder.
Da die Dinger aber ein mehrfaches gegenüber einem verzinkten Kreuzstahl kosten, finde ich es immer noch besser einen billigen verzinkten als gar keinen zu haben.
Ein odentlicher Potentialausgleich/Erdung erhöht massiv die persönliche Sicherheit, da damit die Auslösung von Fi und LS schneller und sicherer erfolgen.
Beispiel ohne Poti/Erdung: ein großes Metallteil wie z.B. ein großes Treppengeländer steht durch einen Fehler (z.B. Bauarbeiten) unter Spannung. Keine Schutzmaßnahme löst aus. Du bekommst also eine geplättet.
Hätte es eine halbwegs korrekte Einbindung in Poti/Erdung gegeben hätte direkt im Fehlerfall der LS oder FI ausgelöst.
erstmal machen beide Elektriker nichts falsch. Einer weißt dich evtl. auf einen zusätzlichen Mangel bei deiner Anlage hin.
Ich gehe mal davon aus, dass du mit Verteilerkasten vor 2 Jahren neu gemacht meinst, das die Hauptverteilung inkl. Zähler neu gemacht wurde. Dabei ist mit Sicherheit auch ein Überspannungsschutz Typ1 bzw. 1+2 gesetzt worden, weil die vom Netzbetreiber gefordert werden in ihren TAB. An einen Typ1 ist einmal der PE (Potenzialerder) und einmal der PA (Potenzialausgleich) anzuschließen. Daher fordert die TAB i.d.R. auch einen Potenzialausgleich im Haus. Den bekommst du aber nur wirksam über eine Erdungsanlage (Tiefenerder, Ringerder oder Fundamenterder).
Daher hätte das damals schon der aller erste Elektriker mitmachen müssen. Was er anscheinend nicht hat und daher wurdest du von einem deiner neuen Elektriker darauf hingewiesen.
Brauchen tust du das für den sicheren Betrieb der Daikin Geräte erstmal nicht. Aber es erhöht die Sicherheit deiner gesamten Elektroanlage. Speziell was den Überspannungsschutz angeht.
Entweder fließt ein Strom durch den Körper, dann löst auch der FI aus. Oder es fließt kein Strom durch den Körper, dann ist es nicht gefährlich. Also bei dem Beispiel sehe ich die Bedrohung nicht.
Bezüglich der Pflicht einer Erdung bin ich mir nicht sicher. Es ist aber in jedem Fall anzuraten ihn nachzurüsten weil auch ein Fehler im Netz außerhalb des Gebäudes auftreten könnte bei dem der PEN-Leiter unterbrochen wird. Dann wirkt der lokale Potentialausgleich als Backup.
Verzinkter Stahl fault in absehbarer Zeit ab. Ich hatte bei mir einen neuen gesetzt und 10 Jahre später wurde der Zustand schon fragwürdig. Bei der Ausführung rate ich daher zu Edelstahlstäben. Ganz brauchbar sind 1m Stangen die ineinander gesteckt werden. Für SDS-Max gibt es für kleines Geld passende Adapter, da ist das Einschlagen meist ein Kinderspiel. Selbst bei ungewöhnlichen Limits wie niedrige Deckenhöhe.
Allerdings hat mir der felsige Untergrund einen Strick durch die Rechnung gemacht. Nach nicht mal 2m war schon Schluß. Die anschließende Messung (Spezielles Messgerät! Der Widerstand muss mit AC gemessen werden) ergab dann eine unzureichende Erdung. Ich durfte also einen weiteren Erder einschlagen. Dabei den Mindestabstand berücksichtigen!
Der ging dann zwar auch nicht viel tiefer, aber in Kombi ist das Ergebnis gut genug.
Ich hatte konkreter mit dem Thema zu tun als vor ein paar Jahren in einem Straßenzug die Dachständer abgebaut wurden und ich im Objekt mit den Zuleitungen half. Das war auch schon deutlich nachdem im Technikjargon der Potenzialausgleich zum Sicherheitspotenzialausgleich hochgelobt wurde.
Ich habe auch so einen SDS Max Adapter benutzt, und einen Hammer mit 15 Joule. Da war auch nach ca. 1,5-2m erst mal Schluss. Wahrscheinlich grosser Stein.
Habe dann mit einem grossen Hammer drauf gehauen, das hat tatsächlich geholfen. So ein sauberer Hammerschlag ist doch nochmal was anderes als ein Boschhammer.. rein vom Impact her. Der Rest ging dann wieder easy mit dem Boschhammer.
Staberder selbst unbedingt Edelstahl, und noch wichtiger eine gehärtete Spitze vorne dran.