Sinnvollste Lösung bei defekter Gasheizung

Hallo Leute,

mein Vater macht sich Sorgen aufgrund des Gebäudeenergiegesetzes für den Fall, dass seine Gasheizung mal einen irreparablen Defekt haben sollte. Deshalb würde ich hier gerne mögliche Lösungen für so einen Fall diskutieren.

Zunächst würde ich kurz seine Situation schildern, soweit ich sie kenne bzw. er sie mir geschildert hat. Da ich Laie bin und einige Informationen abschätze (weil noch nicht erfragt), kann es sein, dass ich etwas mit den Begrifflichkeiten durcheinander komme oder auch Dinge etwas ungenau schildere. Wenn Informationen fehlen sollten bzw. zu ungenau sind, fragt also bitte einfach nochmal konkret nach.

Wir reden von einem Haus, dass ca 2000 (bzw. kurz danach) erbaut worden ist (in Sachsen, Höhe ca. 500m ü NHN) mit einem jährlichen Wärmebedarf (inkl. Warmwasser) von ca. 15000 kWh.
Verbaut wurde eine Gasheizung mit einem integriertem Schichtenspeicher für die Warmwasseraufbereitung und einer Heizleistung von 20 kW bei einer Jahresbedingten Raumheizung-Energieeffizienz von 94%.
Das Haus hat Heizkörper, die mit einer VLT von 50 Grad betrieben werden und eine Fussbodenheizung, welche mit 30 Grad VLT betrieben wird. Das Warmwasser wird aktuell permanent auf über 60 grad gehalten.

Mein Vater denkt (für den Fall einer defekten Gasheizung) an eine Hybridlösung aus einer neuen Gasheizung + Sole/Wasser-WP, welche im bivalent-parallelen Betrieb einen Pufferspeicher auf permanent über 60 Grad halten. Von diesem ausgehend werden dann Warmwasser-, Heizkörper- und Fussbodenheizungkreislauf anteilig über einen Heizungsmischer betrieben. Für den Bodenkollektor kämen auf dem Grundstück lediglich Tiefenbohrungen (2-3) in frage.

Ich persönlich hatte (vielleicht etwas naiv) angenommen, dass man auch eine Luft/Wasser-WP installieren könnte und mit ihr Warmwasser, Fussbodenheizung sowie Heizkörper getrennt betreiben könnte.
Das heißt, Warmwasser mit 48 grad (bei gelegentlichem hochheizen auf 60 für den Legionellenschutz), die Fussbodenheizung mit 30 grad und die Heizkörper mit 50. Dann hätte die WP auch ziemlich effizient arbeiten können. Mein Vater meint, das geht nicht, aber ich habe nicht ganz genau verstanden warum. Vielleicht könnt ihr mir ja nochmal erklären, warum das in so einem Fall nicht geht bzw. falls doch, welche Zusatzkosten zur Wärmepumpe dabei entstehen würden (für Umbauten an der bisherigen Heizinfrastruktur).

Ich hatte außerdem noch an eine Klimasplitlösung gedacht, weil einen riesigen Pufferspeicher permanent mit 60-65 grad zu betreiben für ein WP-System ja ziemlich ineffizient sein dürfte. Ich hatte da an 1-2 Multisplitanlagen für die Raumheizung gedacht, während eine neue Gasheizung weiter das Warmwasser übernimmt und in einzelnen Räumen bzw. bei besonders kalten Aussentemperaturen aushelfen kann. Wenn ich den Energiesparkommisar richtig verstanden habe sollte das für die Erfüllung des GEG ja auch reichen oder? Wir reden hier von 7 zu beheizenden Räumen, wobei 1 Raum nur selten als Gästezimmer genutzt werden dürfte. Dazu kommt noch ein Treppenhaus, welches aber sicher nicht auf über 20 grad beheizt werden muss. Die Meisten Räume dürften im Bereich 10-15 m² liegen. Es gibt aber auch auch 2 Räume die im Bereich 30-40 m² liegen sollten. Das Gästezimmer würde ich weiter der Gasheizung überlassen, weil es so selten genutzt wird. Also insgesamt hätten wir in meinen Augen 7 Innegeräte die notwendig wären (6 Räume + Treppenhaus), wobei 2 Innengeräte etwas mehr Power brauchen aufgrund der großen Räume die sie betreiben sollen. Könnt ihr hier irgendwelche konkreten Systeme empfehlen und die Installationskosten abschätzen?

Außerdem denkt mein Vater noch an eine PV-Anlage (das Haus bietet dafür ziemlich gute Voraussetzungen: zum Beispiel ein Dach mit 40 Grad Neigung und direkter Südausrichtung auf dem 40 Module Platz haben). Das aber nur als generelle Information (sollte für die erste Betrachtung ja erstmal nicht relevant sein).

Was wären eure Meinungen zu diesen 3 Möglichkeiten? Und gibt es noch andere Optionen die wir in Betracht ziehen sollten?
Vielen Dank schon mal im Voraus für eure Hilfe!

Liebe Grüße,
Robert

Zum einen darf man selbst heutzutage durchaus wieder eine Gasheizung einbauen, zum anderen ist die Chance groß, das das Gebäudeenergiegesetz auch wieder geändert wird.

„50 Grad Vorlauf für die Heizkörper“ klingt leider nach „mindestens 50 Grad, wenn’s kalt wird, auch gerne mehr“. Das ist natürlich maximal suboptimal. Da müsste geprüft werden, ob man da größere einbauen kann.

Warmwasser auf 65 Grad geht mit WP auch nicht, das wird deutlich weniger.

Ob SoleWP oder LWWP, nun ja. Wenn’s keine Rolex spielt, und eine Tiefenbohrung möglich ist, ist eine SoleWP natürlich was feines.

PV ist immer prima, hat nur mit der Heizung nicht viel zu tun. Wenn drauf ankommt, scheint eher keine Sonne.

Oliver

Krass. Also vom Dach kannst durchschnittlich 80kWh am Tag ernten, was durchschnittlich dem Wärmebedarf an den 180 kälteren Tagen entspricht. Nettonull übers Jahr schon mit dummen Heizstäben.
Das dumme ist halt dass dunkel und kalt gern zusammen auftreten. Deshalb muss energie irgendwo gespeichert werden, entweder als Heisswasser oder als Strom.
FBH: Die kann man mit konstanter Vorlauftemperatur fahren, muss aber nicht. Die übliche Methode ist aber witterungsgeführt. Klassisch macht das ein Mischerregler, das kann aber auch eine WP selber.
HK: Das gleiche gilt für die Heizkörper.
nice to have: Wärmespeicher für die Heizung, lass die WP brummen wenn Sonne scheint. Nachts ausm Speicher heizen.
Kannst aber genau so auch Strom einspeichern und WP nach Bedarf brummen lassen

Danke schon mal für die Antworten!

Das SoleWP oder LWWP keine Rolle spielt, habe ich so nicht gemeint. SoleWP sind halt schon deutlich höhere Investitionskosten. So oder so, würde mein Vater das wohl über Kredit finanzieren müssen. Förderung würde er denke ich lediglich 30% bzw. 35% bekommen.

50 Grad VLT auf den Heizkörpern fährt er aktuell und damit wird es auch an kalten tagen angenehm warm. Das Haus ist ja noch nicht so alt und damit passabel gedämmt.

@tageloehner so wie ich meinen Vater verstanden habe, muss das wohl über einen großen pufferspeicher laufen, welcher auf über 60 grad permanent geheizt werden muss. Erst danach läut die Verteilung auf die einzelnen Kreisläufe über einen Mischregler. Daher meine Frage, ob man das auch ändern/umbauen kann und wenn ja, wie hoch ungefähr die Kosten für so ein Vorhaben wären.

Zur PV: meine Frage hier wäre, ob man sowas nicht auch überdimensionieren kann? Ich habe halt so meine Zweifel, ob man in Zukunft im Sommer noch viel von der Einpeisevergütung profitieren können wird. Und im Sommer für den Winter speichern geht ja nicht wirklich.

VG,
Robert

Und genau das ist die Lösung, die du mit einer WP NICHT willst.
Da kannst du auch gleich mit einer Heizpatrone heizen.

Es nutzt nichts, das muß jemand mit Sachverstand planen.

Oliver

Mit dem dazugehörigen Verbrauchsschema. Sehe ich genauso wie OliverSo. Da muss wer mit Ahnung ran.

Auch und vor allem wegen:

Was eher dafür spricht: Mir ist JETZT zu kalt, ich dreh JETZT den Heizkörper auf. Also es gibt gar keine richtige Regelung sondern nur Bedarfsheizen. Eigentlich sollte eine Heizungsanlage einmal eingestellt die Raumtemperaturen gleich halten. Und nicht manuell eingestellt werden.

Falls es schon eine Steuerung gibt muss es auch bei der Gasheizung mit Außentermometer und Heizkurve laufen.

Vielleicht ist das genau der Fall und die Heizung selber hat die VLT auf 50° gestellt oder er hat die manuell begrenzt, um zu sehen, ob das bei den tiefen Temperaturen noch ausreichend ist.

Bei einem Haus, das Anfang der 2000er gebaut wurde und das 15.000kwh Gasverbrauch p.a. hat (und auf einem Süddach Platz für 40 Solarmodule hat und daher recht groß sein wird! Wie viele qm denn genau?), wird aller Voraussicht nach eine LWWP mehr als ausreichen und effizient betrieben werden können (bei 15.000kWh Gasverbrauch vermutlich mit einer Leistung von 8kw) .

Welcher Anteil der Wohnfläche wird denn mit HK und welcher mit fbh beheizt? Es wäre ein Versuch wert (bzw gern auch mit vorheriger Berechnung), die HK mit recht niedrigen Temperaturen, evtl sogar den selben wie die fbh, zu betreiben. Alternativ mit Rücklaufmischer die fbh ein paar Grad runter mischen. Für ww (je nach Verbrauchsschema) könnte sogar ein 3-phasiger Durchlauferhitzer sinnvoll sein, um Bereitstellungsverluste zu vermeiden, bei gleichzeitiger Unbedenklichkeit der Hygiene. Möglich ist auch, das ww einfach mit der LWWP zu erwärmen oder sogar beizeiten schon eine BWWP parallel zur Gasheizung einzubauen.

Eine Hybridlösung mit Gas und Sole/Wasser Wärmepumpe wäre sowas von overpowered und würde viel zu viel kosten! Und auch ohne Gebäude Energiegesetz würde ich in so ein Haus als nächste Heizung eine LWWP einbauen, alleine schon aus kosten- und Effizienzgründen.

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Erste Voraussetzung: Beide Heizkreise provisorisch (händisch) temperaturgeführt machen. Starttemperatur und Steilheit herausfinden, die für den gewohnten komfort notwendig sind. Bei Heizkörpern schauen, ob ein zu schwacher dabei ist und ob man den durch einen stärkeren ersetzen kann.
Es ist ein kinderspiel, die WP in einen niedertemperaturspeicher und einen hochtemperaturspeicher laden zu lassen bzw. den NT-Speicher sogar ganz wegzulassen. Estrich ist ein guter Kurzzeitspeicher.
Es gibt nie "zu viel PV" weil es auch Wolkentage hat. Jedenfalls beim EFH. Überschuss verkaufen ist nur das Zubrot, so viel wie möglich Eigenverbrauch reduzieren. Der kostet.

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Vielen Dank für die Antworten!
Ich fasse das mal wie folgt zusammen: statt in teure tiefenbohrungen zu investieren, das Geld lieber in die Heizinfrastruktur investieren um die VLT reduzieren zu können.
Und bei der PV gilt: "viel hilft viel".
Also würde ich da nicht nur die 40 Süd-module empfehlen. Es gibt außerdem noch ein Garagendach mit Ost/West-Ausrichtung auf dem 29 Module Platz hätten. Da kann man halt in Summe schon ein gewaltiges System auvbauen.

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.. und je mehr man selber zuarbeiten kann, umso eher ist das Geld wieder im Sparschwein drin

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