RMH aus den 70er mit Warmluftheizung umgerüstet

Ich mache hier mal einen Thread auf um meine Erfahrung und Verbräuche zu teilen (ein ähnlicher Post ist auch irgendwo in den Tiefen eines anderen Threads versteckt aus 2024)

Ausgangssituation:
Ein neu gekauftes Reihenmittelhaus (mit leichtem Versatz) aus den 70er, mit 3fach verglasten Fenstern und Flachdachdämmung nach aktuellem Stand, jeweils ca. 10 Jahre alt, keine Außenwanddämmung.
Ca. 13000kwh Gasverbrauch laut Energieausweis der letzten 4 Jahre
Heizung: Gaswarmluftheizung aus den 90er, die es nicht mehr gibt und auch kein Schornsteinfeger mehr in Betrieb nimmt, wenn sie kaputt geht. Deshalb war das Haus auch vergleichsweise günstig zu bekommen, da es gerade zum absoluten Höhepunkt der Heizungsgesetz-Verunsicherung war. Da ich mich aber vor Jahren schon mal mit der Möglichkeit von Splitklimas zum Heizen auseinander gesetzt habe, kein Problem :).

Umbau:
Von der Idee die alten Kanäle für ein Kanalgerät zu nutzen habe ich dann doch schnell Abstand genommen. Zum Einen, habe ich nicht wirklich Erfahrungsberichte gefunden und es hat sich auch kein Klimabauer wirklich rangetraut. Darüber hinaus will ich nicht wissen, was nach diversen Umbauten am Haus nach 50 Jahren so alles in den Kanälen schlummert. Kühlen wären damit auch nicht gegangen. Deshalb war die Entscheidung relativ schnell klar auf “Standard“ Splitklima.

Wir sind ambitioniert im Oktober gestartet und ich wollte ausprobieren wie ich das sehr offen geschnittene Haus (EG praktisch ein Raum und zum OG gibt es ein sehr offene Treppe mitten im Raum) mit einer Daikin Cold Region 4k geheizt bekomme.
Die Wärmeverteilung im EG ist wirklich sehr gleichmäßig, auch durch zwei offene Türbogen hinweg maximal 1.5 Grad Temperaturunterschied.
Jedoch war es im OG immer mindestens 2-3 Grad kälter. Da hat es auch nichts gebracht durchzuheizen oder einen Ventilator nach oben pusten lassen.
Also haben wir im Dezember dann noch eine MHI SCM41 mit 3 Innengeräten nachgerüstet, so dass im OG jedes Zimmer ein eigenes IG hat.

Hier habe ich mich aus folgenden Gründen für MHI, trotz durchwachsener Erfahrung im Forum, entschieden:

  • 1500€ günstiger

  • Daikin 3MXM Außengerät deutlich größer und hätte nicht gut auf den Balkon gepasst

  • MHI Innengeräte meiner Meinung nach besser, da leiser in der leisesten Stufe, Anschlag einstellbar für horizontalen Swing (bei Daikin erst ab Stylish), verlegbarer Temperatusensor zur Not, sowie "Zwangslüfterstufe" 4 einstellbar.

  • Die Daikin Cold Region taktet auch im 5/3 Minuten Rhythmus bei höheren Außentemperaturen, und das habe ich mit Bluetooth Raumthermostat und HomeAssistant sehr gut in den Griff bekommen. Also war ich zuversichtlich, dass das mit MHI auch klappt.

Innenliegendes Gäste-WC und Bad im OG bleiben ohne eigenes IG. Das Bad wird beim Duschen innerhalb von 2-3 Minuten mit einem Heizlüfter auf Temperatur gebracht.

Subjektive Wahrnehmung:
Uns stört es gar nicht mit Splitklimas zu heizen, wenn man den Luftstrom vertikal nach unten richten merken wir auch in nächster Umgebung nichts davon. Auch die fehlende Strahlungswärme empfinde ich nicht als störend, im Gegenteil wenn die Anlage bei 20 Grad läuft würde ich es subjektiv als deutlich wärmer einschätzen, verglichen mit 20 Grad und die Anlage läuft nicht (Ich kann so Taktpausen erkennen ohne auf das Powermeter zu schauen). Eventuell da ständig 30 Grad warme Luft umgewälzt wird?
Auch Gäste empfanden es bei uns und ca. 20 Grad Raumtemperatur immer angenehm warm, die selben Gäste die sich bei 20 Grad mit Heizkörpern in anderen Wohnungen/Häusern beschwert haben :D.
Auf mich hat das Lüftergeräusch eher eine beruhigende Wirkung und ich schalte sogar gerne das MHI Innengerät während dem Arbeiten auf maximal Lüfterstufe, früher habe ich mir teilweise weißes Rauschen angemacht ^^.
Die allgemeinen Bedenken im Vergleich zu den Splitklimas können wir nicht bestätigen. Ist wahrscheinlich was hoch subjektives.

Verbrauch & Kosten:
Als alleinige Heizung haben wir in der Heizperiode 23/24 nur 940kwh verbraucht. Gemessen mit Shelly 1PM vor den Außengeräten. Wobei die Multisplit im OG erst mitte Dezember dazu gekommen ist. Davor wurde etwas elektrisch nachgeheizt.

Gefühlt hatten wir es noch nie so warm.
Nachts sind alle Heizungen aus, außer es ist unter 0 Grad, dann läuft das EG durch um eine Grundwärme im Haus zu halten. Tagsüber wird das OG nach bedarf geheizt, ich lasse es aber nicht unter 18 Grad auskühlen. Das EG wird konstant beheizt zwischen 6 und 20 Uhr.

Alles in allem ca. 1000€-1250€ Einsparung pro Jahr im Vergleich zu den Gasverbräuchen aus dem Energieausweis und all den wegfallenden Fixkosten für den Gasanschluss.
Co2 Ersparnis selbst beim Strommix in Deutschland im Winter ca. 2t pro Jahr.

Diese enorme Einsparung ist sicherlich nicht nur auf die Splitklimas zurückzuführen, sondern auch auf ein verändertes Heizverhalten und wahrscheinlich hatte die alte Gasluftheizung mindestes 20-30% Verluste.

Für dieses Haus mit Gaswarmluftheizung meiner Meinung nach trotzdem ein absoluter No-Brainer. Die ersten Nachbarn fangen bereits an umzurüsten.
Der ganze Umbau hat mit offizieller Inbetriebnahme und Verlegung der Kältemittelleitungen ca 6000€ gekostet. Geräte besorgt und aufgehängt habe ich selbst.

Verbesserungen:
Könnte ich es nochmal machen, würde ich wahrscheinlich die Daikin Cold Region 4kw nicht mehr nehmen oder zumindest eine Stufe kleiner nehmen. Die 4kw Variante ist absolut überdimensioniert, jetzt wo das OG auch ein eigenes System bekommen hat. Darüber hinaus vereist sie relativ oft im Vergleich zu der MHI. Der Wärmetauscher außen ist deutlich kleiner, wodurch dieser in der Regel relativ kalt ist. Dementsprechend fällt auch etwa die 10fache Tauwassermenge (fange es mit einem Behälter auf) an, als im OG. Das hat man bei Daikin wohl gemerkt und hat es bei der Nachfolger Nepura wieder anders gemacht.
Wahrscheinlich würde ich sogar soweit gehen und eher eine MHI SRK20 im EG verbauen. Die wäre von der Leistung absolut ausreichend, kostet 850€ vs. 1950€ und hätte die Vorteile des einstellbaren Anschlags, bei Abwesenheit im EG und in kalten Nächten könnte man Lüfterstufe 4 erzwingen und würde bis 180W statt ~250W runter modulieren.
Wenn man kein HomeAssistant hat und eine gute App wünscht würde ich jedoch Daikin empfehlen.

Alles in allem sind wir mehr als zufrieden!

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Im der Saison 2024&2025 lag der Verbrauch bei ~1060kwh, der Winter war jedoch auch etwas kälter und es war die erste komplette Saison mit der Multisplit im EG.

Ansonsten kann ich alle Erfahrungen vom ersten Jahr nur bestätigen :slight_smile: .

Hier mal die genaue Verteilung der Monatsverbräuche mit Durchschnittstemperaturen.

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Was ich auch sehr spannend fand, ich habe mal die Tagesvebräuche gegen die Durchschnittstemperaturen aufgetragen. Man sieht sehr schön die nichtlineare Charakteristik der Wärmepumpe.

Ebenso kann man sehen, dass obwohl ab ca. 2 Grad Nachts durchgeheizt wird, es zu keinem signifikanten Sprung in den Verbräuchen kommt. In dem Bereich scheint es wohl bei unseren Haus nichts zu bringen, Bedarfsweise zu heizen aufgrund der geringeren Effizienz und häufigerem Abtauen bei schnellem aufheizen bei kalten Wetter.

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Danke für den tollen Erfahrungsbericht und die Auswertung! Den Plot hast Du basierend auf HomeAssistant gezaubert? Hab mich mit solchen Datamining Sachen da bislang noch nicht beschäftigt, fände das aber auch spannend.

Ich ziehe mir die Daten aus HomeAssistant über das Plugin: GitHub - hassio-addons/addon-sqlite-web: SQLite Web - Home Assistant Community Add-ons.
Die Plots habe ich schnell in Python erstellt, würde heute aber auch jede KI hinbekommen.

Wahrscheinlich könnte man das auch irgendwie direkt in HomeAssistant machen, dafür war ich aber bisher zu träge :smiley:

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Danke!

Sobald ich die Sachen in sqlite habe, komme ich klar. Das ist mein tägliches Brot.

Dito. HomeAssistant hat ja ständermäßig alles in SQLLite.

Ausgangssituation:
Ca. 13000kwh Gasverbrauch laut Energieausweis der letzten 4 Jahre

Alter Schwede! aus 13.000 kWh Gas macht Ihr mal grob 1000 kWh elektrisch? Das ist ja wirklich mal krass. Da sagt mein Bauchgefühl aber, dass Deine geschätzten 20-30% Verlust der alten Gasheizung mal deutlich unterschätzt sind. Ich lese ja schon länger viel mit und habe auch schon mehrfach gelesen, dass man nach einer Umstellung die Gasheizungsverluste deutlich merkt. Aber so viel??? Krass!

Wir haben nie die 13000kwh Gas verheizt, das waren die Vorbesitzer.

Ich denke das ist eine Kombination aus viel Ineffizienz der alten Warmluftheizung und veränderten Heizverhalten (OG wird bei uns wie erwähnt nach Bedarf geheizt)

Ich glaube nicht daß wir eine JAZ von über 10 haben :sweat_smile:

Wie bereitet ihr Warmwasser zu? Das wäre noch spannend...

Die kann ja eigentlich auch sehr weit runter modulieren, weshalb sie nicht überdimensioniert sein sollte. Aber man muss die wohl auch erstmal gebändigt bekommen, dass sie nicht so stark hochdreht. Die Anlage neigt wohl dazu, schnell loszupowern.

Hast du da mal mit der Bedarfssteuerung experimentiert?

Als ich mit Split-Klima angefangen habe, hab ich die MHi SRK20 und 25 gekauft. Würde ich nicht wieder machen. Nur mit viel Bastelei läuft die jetzt effizient. Die Geräte takten wie verrückt, wenn man sie nicht umbaut. Ich würde heute Daikin nehmen. Eine günstige Daikin läuft bei uns auch, die regelt sehr gut.

Tatsächlich waren schon überall elektrisch geregelte Durchlauferhitzer installiert. Ich hatte schon Pläne wie ich alles auf eine BWWP umbaue…

Aber wir sind ziemlich begeistert von den DLEs, in Verbindung mit einem wassersparende Duschkopf ist das sehr komfortabel (innerhalb von 5 Sekunden ist das Wasser warm) und extrem günstig. Damit zieht der DLE nur 6-10kw.

Wenn dann überall liest das man mit einer BWWP kaum auf eine JAZ 2 erreicht in der Realität, bei dem Investitionskosten…. Wenn man viel und gerne badet, bzw. eine PV Anlage mit viel Überschuss hat, sieht es sicherlich anders aus.

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Ja die Anlage läuft ganzährig auf ECO und moduliert auch bis ca. 230-250W runter. Das ist leider in der Übergangszeit immer noch zu viel. Die Taktpausen sind dann jedoch auch nur 3-5 Minuten. Ist aber kein Problem, mit HomeAssistant wegautomatisiert. Mehr geht auch nicht mit der Bedarfssteuerung, das habe ich getestet. Die Werte sind auch ungefähr die von Eurovent.
Ist auch eine super Anlage, ich glaube nur das für unsere Situation das MHI Innengerät noch ein bisschen besser gewesen wäre (Horizontaler Anschlag, etwas leiser und gezwunge Lüfterstufe 4 um Nachts durchzuheizen, 180W statt 250W Modulationsgrenze), ich habe ja beide zu Hause.
Und meiner MHI Multisplit habe ich mit HomeAssistant auch das takten abgewöhnt.

Ist aber bei jedem sicherlicht anders. Das Daikin das bessere Rundumsorglospaket bietet denke ich auch. Wenn man bereit ist zu basteln/automatisieren, haben die MHI für mich ein paar Vorteile, bei halben Preis.

Aber das ist “meckerrn“ auf ganz hohem Niveau, wir sind extrem zufrieden und im nachinein weiß man es immer besser ;-). Vor 2.5 Jahre als die Entscheidungen getroffen werden musste, steckte das Thema hier und im HTD Forum noch in den Kinderschuhen, heute hat man einen ganz anderen Erfahrungsschatz bei den ganzen geteilten Erfahrungen.

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Kannst du bei der Daikin nicht auch, wenn du Bedarf auf 30 oder 40% stellst, Faikin/Faikout lässt bei manchen weniger wie 40% zu, und limitiert noch mehr, dann Wunschtemperatur deutlich hoch, die er zumindest erstmal nicht erreicht dann denn Lüfter auf hohe Stufe “erzwingen”, da die Zieltemp nicht erreicht wird, läuft sie ohne takten, bzw. stoppst sie mit eigener Hysterese über HA zb.