Liebes Forum,
am 13. Mai 2025 brannte meine alte Schule komplett ab. Auslöser war die Solaranlage. Diese sind eigentlich sehr sicher. Laut Fraunhofer ISE verursachen nur 0,006 Prozent der Photovoltaik einen Brand mit größerem Schaden. Dies ist ein extrem niedriges Risiko. Warum brannte es also ausgerechnet hier? Der WDR kommt in seinem Beitrag ab Minute 25 zu dem Schluss, dass die Gefahr der schnellen Brandausbreitung vor allem (!!!) auf öffentlichen Gebäuden besteht, weil diese per Bauvorschrift mit Bitumenbahnen abgedichtet sind. Das brennt wie Zunder:
Tatsächlich besagt die Feststellung eines gerichtlichen Sachverständigen:
„Das harte Dach bleibt brennbar. Eine fachgerechte Verlegung bedarf der Trennung
durch eine Schicht nichtbrennbaren Materials, wie zum Beispiel aus Kies oder Ton.
Die elektrischen Anlagen dürfen nicht ohne weitere Zwischenschicht auf den
Kunststoff- oder Bitumenbahnen verlegt werden. Insbesondere dürfen Kabel nicht mit
direktem Kontakt zu den Dachbahnen verlegt werden. Es darf keinen unmittelbaren
Kontakt zu der brennbaren Dachhaut geben.“ Dies ist in einem Urteil des OLG Oldenburg vom 23.09.2019 mit Segen des BGH (Nichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen). Die Anlage wurde tatsächlich direkt auf dem Bitumendach aufgebracht:
Das muss jetzt nicht gegen Vorschriften verstoßen, denn die Anlage stammt aus dem Jahr 2011. Auch der Brandschutz kennt den Bestandsschutz, d.h. es genügte möglicher Weise, den Brandschutz nach dem Stand des Baujahres der PV-Anlage zu erfüllen. Inzwischen gibt es auch einen Bericht der Polizei zur Brandursache: https://erkrath.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZWVAVZUIDPZMk-duZ2rjYrL-1bff7lyge41aoQwyTGRL/Mitteilungsvorlage_161-2025.pdf
Interessant finde ich die Details zum Trennschalter. Den gab es scheinbar nur auf der Wechselstromseite (AC). Nach meiner Recherche sind Trennschalter auf der Gleichstromseite (DC) seit dem 1.1.2006 vorgeschrieben. Denn auf der DC-Seite liegen stets bis zu 1000V, auch bei durchgebrannten Wechselrichtern. Auf dieser Seite gibt es keine Sicherung. Kommen hier Plus und Minus zusammen, ggfs. auch durch einen Kurzschluss im durchgebrannten Wechselrichter, besteht eine Lichtbogengefahr, mit der man theoretisch schweißen kann. Das ist brandgefährlich. Auf dem Foto, welches die Feuerwehr bei einem kleineren Brand dieser Anlage vor zwei Jahren aufnahm, sieht man, dass Kabel teilweise ohne Leerrohre auf den Bitumenbahnen verlegt worden sind. Sind ältere PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden also besonders gefährdet?
Viele Grüße aus Erkrath
Peter
PS: Ich hätte gerne meine Nachweise eingefügt, aber mehr als 2 darf ich nach den Forumregeln nicht.
