Was spricht dagegen, möglichst viele Strompreisbestandteile vom Arbeitspreis in den Grundpreis zu verlagern?
Etwa zwei Drittel des Strompreises entfallen nicht auf die eigentliche Strombeschaffung. Das schwächt die netzdienliche Wirkung dynamischer Tarife: Bei niedrigen oder sogar negativen Börsenpreisen sollte der Verbrauch steigen dürfen – auch für Anwendungen, deren Betrieb sich zeitlich verschieben lässt, etwa einen Heizstab zur Warmwasserbereitung.
Ein Heizstab ist gegenüber Gas dann wirtschaftlich, wenn der Strompreis unter den vergleichbaren Gaskosten liegt. Das ist beim reinen Beschaffungspreis häufig der Fall – beim heutigen Strompreis inklusive Netzentgelten, Steuern und Umlagen aber meist nicht. Erst wenn ein großer Teil dieser Kosten in den Grundpreis verlagert wird, kann günstiger Börsenstrom diesen Anreiz tatsächlich vermitteln.
Mein Vorschlag: Möglichst viele Preisbestandteile in den Grundpreis verlagern.
Am naheliegendsten sind die Netznutzungsentgelte (NNE). Die Bereitstellung, Wartung und der Betrieb des Netzes hängen wesentlich von der benötigten Anschluss- und Netzkapazität ab, nicht allein von der übertragenen Strommenge. Wer auf das Netz angewiesen ist, sollte daher stärker für die benötigte Kapazität bezahlen und weniger für jede einzelne Kilowattstunde.
Das ist besonders relevant für die rund zwei Millionen Haushalte mit PV-Anlagen. Sie beziehen wegen ihres Eigenverbrauchs weniger Strom aus dem Netz und zahlen entsprechend weniger Netzentgelte, obwohl sie das Netz weiterhin benötigen – für sonnenarme Zeiten und nicht zuletzt für die Einspeisung ihrer Überschüsse. Über einen höheren Grundpreis ließe sich ein Teil dieser bisher entgangenen Einnahmen zurückholen. Ich schätze das Potenzial auf etwa eine Milliarde Euro, was die Kosten für andere Netznutzer senken könnte.
Auch Umlagen wie die KWKG- und Offshore-Umlage orientieren sich nicht zwangsläufig sachgerecht am Verbrauch jeder einzelnen Kilowattstunde. Solange die insgesamt benötigten Einnahmen erhalten bleiben, spricht grundsätzlich nichts dagegen, solche Bestandteile anders zu verteilen.
Die Mehrwertsteuer auf den Börsenstrompreis ist kein Hindernis: 19 % von null sind weiterhin null. Und die Stromsteuer, die derzeit bei 2,05 ct/kWh liegt, soll perspektivisch auf 0,1 ct/kWh sinken.
Der größte verbleibende variable Bestandteil wäre dann der Beschaffungsaufwand des Energieversorgers. Tibber weist dafür beispielsweise 2,15 ct/kWh als Beschaffungskosten aus. Auch hier dürfte ein Teil nicht proportional zum Verbrauch anfallen. Zumindest steht es den Versorgern frei, ihre Tarifstruktur entsprechend anzupassen; der Wettbewerb könnte für passende Angebote sorgen.
Wie könnte das praktisch aussehen?
Der Grundpreis könnte sich nach der Anschlusskapazität richten, für typische Haushalte aber weitgehend einheitlich sein. Verteilungswirkungen wären unvermeidbar: Wer deutlich weniger als der durchschnittliche Haushalt verbraucht, würde zunächst stärker belastet.
Bei einem Rechenbeispiel mit 3.000 kWh Jahresverbrauch entspräche eine Verlagerung von 20 ct/kWh in den Grundpreis 600 Euro pro Jahr. Der Arbeitspreis sänke dafür um 20 ct/kWh – bei diesem Verbrauch wäre die Gesamtbelastung also unverändert. Ein-Personen-Haushalte und Menschen mit sehr niedrigem Verbrauch könnten allerdings draufzahlen. Hier wären sozial ausgewogene Lösungen nötig.
Die Vorteile wären erheblich:
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Netzdienlicher Verbrauch: Niedrige Börsenpreise kämen stärker bei den Verbrauchern an und würden flexible Verbraucher belohnen.
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Elektrifizierung: Strom würde gegenüber Gas, Öl und Benzin attraktiver – für Wärmepumpen, Elektroautos und andere Anwendungen.
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Fairere Verteilung der Netzkosten: PV-Eigentümer würden über den Grundpreis angemessen an den Kosten des Netzes beteiligt, auf das sie für den Strombezug und die Einspeisung weiterhin angewiesen sind.
Die entscheidende Frage ist daher: Warum sollte ein großer Teil der Stromkosten weiterhin proportional zu jeder verbrauchten Kilowattstunde anfallen, wenn viele dieser Kosten eher durch die Bereitstellung und Vorhaltung der Infrastruktur entstehen?