Anmerkung von mir noch: Sollte dein BMS wegen ein Fehler nicht den Akku trennen würde dein Wechselrichter weiter Energie reinbuttern welches zur Explosion werden könnte andernfalls würde die Canbus Verbindung die Ladeleistung auf 0 regeln
Antwort von Gemini:
Deine Beobachtung ist absolut richtig: Rein technisch funktioniert das System auch ohne Datenleitung. Der Strom fließt über die Plus- und Minus-Kabel, und das BMS (Battery Management System) passt auf, dass die Zellen nicht explodieren oder tiefentladen werden.
Trotzdem ist eine Kommunikation (meist über CAN-Bus oder RS485) zwischen Wechselrichter und BMS der "Goldstandard". Hier ist der Grund, warum das so ist und warum deine aktuelle Einstellung ("Lead-Acid/AGM") auf Dauer riskant sein kann:
1. Präzision statt Schätzung (SOC)
Ohne Kommunikation schätzt der Growatt den Ladestand (SOC) nur anhand der Spannung.
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Das Problem: Bei LiFePO4-Akkus (die meistens in Selbstbau-Speichern stecken) ist die Spannungskurve extrem flach. Zwischen 20% und 90% Ladung ändert sich die Spannung kaum.
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Die Folge: Dein Growatt weiß nie genau, wie voll der Akku wirklich ist. Das BMS hingegen zählt die rein- und rausgehenden Ströme (Coulomb Counting) und weiß exakt: "Ich habe noch 42%". Mit Kommunikation "sieht" der Growatt diesen exakten Wert.
2. Ladesteuerung und Ladeschlussspannung
Da dein Growatt auf AGM (Blei) eingestellt ist, nutzt er Ladealgorithmen, die für Lithium-Zellen schädlich sein können:
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Erhaltungsladung (Float): Bleibatterien mögen es, dauerhaft auf einer gewissen Spannung gehalten zu werden. Lithium-Akkus stresst das eher.
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Ausgleichsladung (Equalization): Bleibatterien werden teils mit sehr hohen Spannungen "freigekocht", um Sulfatierung zu verhindern. Wenn dein Growatt das plötzlich versucht, muss dein JK-BMS hart abschalten, um die Zellen zu schützen.
3. Dynamische Strombegrenzung
Das ist der wichtigste Punkt für die Lebensdauer:
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Ohne Kommunikation: Der Growatt ballert stur mit dem eingestellten Strom (z.B. 80A) in den Akku, bis dieser voll ist.
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Mit Kommunikation: Wenn eine Zelle im Akku zu warm wird oder die Spannung einer einzelnen Zelle nach oben schießt, sendet das BMS einen Befehl: "Bitte Ladestrom auf 10A drosseln!" Der Growatt regelt sanft ab, anstatt dass das BMS den Akku komplett hart trennen muss.
Warum läuft es bei dir trotzdem "rund"?
Es läuft deshalb gut, weil dein JK-BMS einen super Job macht. Es fungiert als "Sicherheits-Türsteher". Wenn der Growatt (wegen der AGM-Einstellung) eine zu hohe Spannung liefert, trennt das BMS einfach die Verbindung.
Aber: Das ist so, als würdest du ein Auto immer nur über die Notbremse anhalten, anstatt sanft das Bremspedal zu benutzen.
Mein Rat für dich:
Du hast ein JK-BMS – das ist ein hervorragendes Teil! Viele Nutzer nutzen ein zusätzliches Gerät (wie einen Espressif ESP32 mit Software wie ESPHome oder speziellen RS485-Adaptern), um dem Growatt das "Pylontech-Protokoll" vorzugaukeln.
Was du sofort tun solltest: Wenn du keine Kommunikation aufbaust, stelle den Growatt im Menü zumindest von AGM auf User (User-defined) um. Dort kannst du die Spannungen (Bulk, Float, Low Cut-off) händisch so einstellen, dass sie exakt zu den Spezifikationen deiner LiFePO4-Zellen passen. Damit verhinderst du, dass das BMS ständig wegen Überspannung eingreifen muss.
Soll ich dir die optimalen Spannungswerte für ein 16S LiFePO4 System (48V) heraussuchen, damit du sie im Growatt eintragen kannst?