Hallo
Ich bin auch neu hier und habe eine BKW Anlage mit 2 Panels je 395 Wp in SO & SW Ausrichtung. Dazu ein Hoymiles HM 600 WR. Seit 4 Wochen habe ich auch eine Anker Solix Solarbank E1600 am laufen, deswegen kann ich darüber einige Erfahrungen teilen.
Beim Installieren und Einrichten hatte ich keinerlei Probleme, war alles super einfach und das Einrichten in der App klappte auch auf Anhieb. Da ich meine Solarbank relativ exponiert auf dem Balkon stehen habe, werde ich diese vermutlich auch in der Wintermonaten abbauen und reinstellen. Bis jetzt hatte ich eine Nacht im 0°C Bereich und es dauerte morgens auch etwas, bis die Sonne die Solarbank genug erwärmte, bis diese dann über 0° anzeigte und anfing zu laden. Bis dahin war die Solarbank im Bypass und hatt alles ins Haus geleitet.
Ich hatte auch Bereits Anker Support Tickets aufgemacht, weil die einstellbare Mindestabgabe (=Familienladung) 150 W beträgt, was für unser Haus zuviel ist, wenn keiner zuhause ist (oder Nachts). In diesen Zeiten schwankt mein Verbauch zwichen 60-120 W, je nach dem ob der Kühlschrank läuft. Bei 150 W mindesteinspeisung wäre somit die Hälfte der Akkuladung wieder 'verschenkt'.
Da ich glücklicher Besitzer eines Hoymiles WR bin, den ich über ein OpenDTU Kit in meine Smarthome Steuerung (Home Assistant) eingebunden habe, bin ich in der Lage über die DTU die Ausgangsleistung des WR (temporäres Leistungslimit) dynamisch und in Echtzeit zu steuern. Das ermöglicht es mir, die Leistungsabgabe der Solarbank im Entladezustand dem Hausverbrauch in Echtzeit anzupassen ohne etwas zu verschenken. Solch eine Steuerung wäre über die Solarbank alleine nicht möglich. Abgesehen davon dass sie noch keinerlei API bietet um sie in eine Smarthome Steuerung einzubinden (Laut Anker Support kann eine API hoffentlich in Zukunft bereitgestellt werden), arbeitet die Laderegelung zu langsam um eine Echtzeitsteuerung über die Solarbank selbst sinnvoll zu realisieren. Ich habe gesehen, dass es bis zu 1 Minute oder länger dauert, bis die Laderegelung auf eine Änderung der Abgabeleistung reagiert.
Ich müsst dazu wissen, dass diese WR Leistungsbegrenzung wirklich nur während der Entladephase der Solarbank Sinn macht, ansonsten kann sich der mögliche Solarertrag verringern. Für die Homeassistant Nutzer: Ich habe mir hierzu einen Template Sensor gebaut, der anhand von verschiedenen Kriterien erkennen soll, in welchem Zustand sich die Solarbank befindet (Aus, Laden, Entladen, Bypass). Das ist nicht trivial wie ich festellen mußte, besonders nicht an wechselhaften Tagen, wo die Solarbank zwischen Laden und entladen mehrfach wechseln kann. Deswegen habe ich den virtuellen Entlademodus auf die Zeit begrenzt, wenn die Sonne unter einem bestimmten Winkel steht, bei dem die Leistungsabgabe nur durch eine Akkuentladung erfolgen kann. Ab diesem Punkt übernimmt eine Automation in HA die Steuerung der Abgabe über das temporäre WR Limit. Das funktioniert super und ich konnte somit meinen Eigenverbrauch von vorher 40-60% ohne Akku auf 90-100% mit Akku steigern (Best mögliche Nutzung der Akkuleistung).
Zum Verhalten der Solarbank:
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0 W Abgabe Einstellung funktioniert nur im Entlademodus (Wird auch in der App erläutert). Damit könnt ihr lediglich vorhandene Akku Ladung hinauszögern oder für später aufbewaren. Man kann damit nicht verhindern, dass im Lademodus keine Leistung ins Haus geht! Vermutlich ist das bedingt durch Limitierung der Akku Ladeleistung (siehe unten)
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150 W Abgabe ist (noch) das minimum für Hoymiles WR (Anker WR erlauben mit der neuesten FW bereits 100W min). Warum das so ist verstehe ich allerdings nicht, da mein mein HM 600 mit kleinsten Leistungen hervorragend umgehen kann. Achtung: Hier gibt es mit der Solarbank FW 1.3.5 noch einen Bug, der trotz 100 W Einstellung trotzdem 150 W ins Haus leitet. Das soll im nächsten Update behoben sein.
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Eine Akku Entladung kann über ein WR Limit gesteuert werden, die auch geringer sein kann als die eingestellte Solarbank Abgabe => wie oben beschrieben
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Während der Akku Ladung oder im Bypass sollte das WR Limit auf max. zurückgestellt gestellt sein (600 W), damit die Ertragsausbeute nicht negativ beeinflusst wird durch die MPP Tracker des WR. Eine WR Regelung tagsüber kann zwar gemacht werden, macht aber keinen Sinn weil dadurch der Ertrag und somit auch die mögliche Aufladung reduziert werden kann. Dann lieber produzierten Strom verschenken als weniger produzieren durch die Reduzierung...
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Bei 0°C findet keine Aufladung mehr statt wie in der Anleitung auch beschrieben. Es dauert bis der Akku von der Sonne erwärmt wird und eine Aufladung starten kann. => Im Winter bzw. lichtschwachen Monaten macht die Solarbank deswegen draussen wenig Sinn. Ich denke es ist besser sie abzubauen mit 30-40% Ladung und einzulagern bis zum Frühjahr. Das schont auch den Akku. Zumal die Solarbank bei lichtschwachen Tagen auch weniger Ertrag erzielt als der WR alleine (siehe unten)
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Die Vorgabe der Familienladung ist nicht verbindlich, weder im Minimum, noch im Maximum. Massgeblich für die Abgabe bei hohem Solarertrag ist die maximale Batterieladung, die wiederum abhängig von Temperatur und aktuellem Ladestand ist. Ich habe gesehen, dass bei niedrigen Temperaturen bzw. unter 30% Ladestand die Ladeleistung auf 160W limitiert sein kann. Der Rest wird immer im Bypass ins Haus geleitet. Wenn es wärmer ist, habe ich auch schon bei geringeren Ladeständen 310 W als maximale Ladeleistung beobachtet. Fällt der Solarertrag unter die eingestellte Ladeleistung, wird nur eingespeist was erzeugt wird, die Solarbank steuert hier nichts dazu. Bei sehr geringen Solarerträgen unter ca 50 W kann es sein dass 0W eingespeist werden und alles in den Akku fliesst. Ist der Solarertrag für eine Weile 0 W, schaltet die Solarbank komplett in den Entlademodus und speist die eingestellte Familienladung ein. Wird es wieder heller, schaltet sie wieder in den Lademodus und zeigt das vorher beschriebene Einspeiseverhalten. Laden und Entladen gleichzeitig kann die Solarbank nicht (steht auch in der Anleitung). Deswegen sieht man an wechselhaften Tagen ein recht willkürlich wirkendes Abgabeverhalten.
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Die Solarbank hat trotz 2 Eingängen nur einen MPP Tracker. Das ist nicht optimal bei unterschiedlicher Ausrichtung der Panels oder Teilverschattungen. Im Alltag sollte der Unterschied aber nicht allzu relevant sein. Ich konnte zumindest an sonnigen Tagen keinen Unterschied des Ertrages zu vorher feststellen.
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Relevanter als nur 1 MPP Tracker ist aber folgendes denke ich: Die Solarbank verschenkt geringe Erträge. Das haben andere Nutzer auch schon in verschiedenen Foren und Tests beschrieben. Relevant wird das in den Morgen und Abendstunden bzw an dunklen Tagen. Zum Beispiel springt die Solarbank erst an, wenn ca. 30 W morgens produziert werden. Abends beobachte ich dass sie unter ca. 20W ausgeht, bzw auf Entladung umschaltet. Ohne Solarbank war mein Hoymiles sehr gut in der Lade auch geringst Erträge zu erwirtschaften. Ein anderes Beispiel hierzu sind verregnete Tage. Einmal ging die Solarbank vor 12 Uhr Mittags garnicht an => 0 Ertrag bis dahin. Der Hoymiles alleine hätte sicherlich etwas erwirtshaften können (auch wenn es unter 30 W sind).
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Die Verlustleistung der Solarbank liegt bei ca. 15% was ich bisher festellen konnte. Das ist kein schlechter Wert, und insgesamt kann man bei vollem Akku und 10% Reserve ca. 1,35 kWh in Haus geliefert bekommen ( ca 5% WR Verlust schon abgezogen)
Das sind meine Beobachtungen bisher. Allgemein bin ich zufrieden mit dem Teil, aber auch nur weil ich die verschenkte Leistung durch meine Home Assistant und WR Steuerung weitestgehen reduzieren kann. Mit der Solarbank App alleine ist das nicht machbar und unter 100 W bzw 150 W kann nichts eingestellt werden 
Hier mal ein Screenshot der letzten Tage (war wechselhaft):
Die Abgaberegellung ist kurz nach 18 Uhr eingesprungen, ab dann sieht man quasi keine Netzeinspeisung mehr (blaue Linie bleibt über 0 W) und der Eigenverbrauch (grün) deckt sich komplett mit der Einspeisung vom BKW (orange). Den angezeigten Netzzähler der Wärmepumpe habe ich der Übersichtshalber ausgeblendet.
Ich hoffe dass Anker hier in Zukunft eine API anbieten wird, damit man die Werte direkt abgreifen kann und über eine Smart Home Steuerung ggf auch halbwegs optimieren kann. Eine mögliche Optimierung die ich sehe, ist das Abgabelimit so für den Tag fest einstellen zu können, dass der Akku bei sonnigen Tagen nicht schon morgens voll ist, sondern je nach Solarprognose erst am Nachmittag. Dann wird zwar mehr über die Abgabe permanent eingespeist (zw. 150-250W), kann aber im Laufe des Tages vermutlich besser genutzt werden als mittags schon in Bypass zu gehen und dann die vollen >= 400 W zu bekommen, wo der Überschuss dann wiederum ins Netz geht und verschenkt wird.
Eine dynamischere Anpassung der Abgabe im Tagesverlauf macht für mich nur bedingt Sinn, da die Regelung recht träge reagiert. Könnte aber bei sonnigen Tagen und längeren Phasen des hohen Verbrauchs (z.B. kochen, waschen, trockner) auch Sinn machen.
Eine weitere Optimierungsmöglichkeit sehe ich im Schwachlicht verhalten. Statt garnicht anzuspringen, sollte die Regellung besser im Standby laufen und es dem WR überlassen damit umzugehen. Die notwendige Energie kann aus der Reserve genommen werden bis der Ertrag groß genug ist, um davon die Laderegelung mit zu steuern. Firmware technisch sollte sich das umsetzen lassen, ob die Hardware der Solarbank allerdings dazu in der Lage ist, kann ich nicht sagen. Die Zeit wird es zeigen...