Massive Spannungssprünge in der Absorptionsphase: Victron MPPT 100/50 & LiTime 280Ah (Home Assistant Logs)

Hallo zusammen,

ich habe ein akutes Problem mit meiner Solaranlage und den heutigen Logs aus Home Assistant, die das Verhalten perfekt dokumentieren. Ich mache mir etwas Sorgen, ob durch die extremen Sprünge Komponenten Schaden nehmen können.

Mein Setup:

  • Laderegler: Victron SmartSolar MPPT 100/50
  • Batterie: 280Ah LiFePO4 von LiTime
  • Batteriemonitor: Victron SmartShunt 300A
  • Smart Home: Das gesamte System ist in Home Assistant eingebunden.
  • System-Grundlast: Der konstante Standby-Strom (Eigenverbrauch des Gesamtsystems) liegt bei ca. 0,7A.

Die aktuellen Daten von heute (16. Okt.):
Ich habe drei Screenshots aus meinen Home Assistant Dashboards angehängt, welche den Fehlerverlauf von heute zeigen:

  1. Spannungsverlauf (SmartShunt): Punkt 9:15 Uhr schießt die Spannung hoch und fängt an, im Sekundentakt wie eine dicke "blaue Bürste" (Sägezahnmuster) zwischen ca. 12,6V und 14,7V zu pendeln. Um 11:45 Uhr beruhigt sich das System visuell, flackert aber auf niedrigem Niveau (um 13,5V) weiter.
  2. Stromverlauf (SmartShunt): Hier sieht man nachts gut unsere Grundlast von rund -0,7A bis -0,8A. Exakt zeitgleich mit dem Beginn des Flackerns um 9:15 Uhr bricht der Ladestrom komplett ein und die Batterie nimmt 0 Ampere Ladestrom mehr an. Sie verbleibt im Zustand der reinen Entladung durch den Standby-Strom (mit einer kurzen Ausnahme um 10:15 Uhr).
  3. Zustand des Ladevorgangs (MPPT): Der Regler wechselt um 9:15 Uhr von "Bulk" in die "Absorptionsphase" (lila). Genau in dieser Phase bricht der Strom weg und die Spannung flippt aus. Um 11:45 Uhr schaltet der MPPT dann in die "Erhaltungsladung" (pink).

Meine Sorge bezüglich der Hardware:
Da dieses wilde Schalten und die extremen Spannungssprünge über Stunden im Sekundentakt so weitergehen: Kann davon der MPPT-Regler oder das BMS der Batterie Schaden nehmen? Das ist doch eine enorme Belastung für die Bauteile, oder?

Meine Fragen an die Experten:

  1. Was genau ist hier die Ursache für dieses extreme Verhalten und wie kann ich das Problem lösen?

Ich danke euch für eure Einschätzungen und Tipps, wie ich mein System schonend einstellen kann!

Viele Grüße Jannik


Du schriebst du hast dein System vollständig in HA integriert.

Wo sind die Daten vom BMS?

Ich vermute sehr stark, dass dein BMS zum Schutz der Batterie die Ladung unterbricht.

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(Beitrag vom Verfasser gelöscht)

Moin Ironmaster,

danke dir für die extrem schnelle Rückmeldung!

Ich kann das BMS der LiTime leider nicht direkt auslesen, weil die Batterie kein Bluetooth hat. Ich muss mich bei der Fehlersuche also voll auf die Live-Daten und Logs der Victron-Geräte in Home Assistant verlassen.

Es leuchtet mir noch nicht ganz ein, warum das BMS die Ladung so abrupt abwürgt und komplett dichtmacht. Vor allem frage ich mich, wie ich das jetzt am besten abstellen kann.

Was genau ist deine Einschätzung zu dem Verhalten im Hintergrund und wie würdest du jetzt konkret bei der Lösung vorgehen?

Gruß
Jannik


Die Batterie hat ein BMS.
Dieses dient dem Schutz der Batterie.

Die Symptomatik dass der Laderegler unmittelbar auf die Absorptionspannung springt, deutet darauf hin, dass das BMS die Ladung sperrt.

z.B. wegen zu niedriger Temperatur, zu hohem Ladestrom oder Zelldrift.

Was du probieren kannst:
Alles von der Batterie trennen.
Spannung in der Ruhe messen.

Dann mit einem Labornetzteil auf 13,6 V und 1A eingestellt und ggfs Multimeter, prüfen ob die Batterie überhaupt noch Strom aufnimmt.

Wenn du das BMS nicht auslesen kannst, dann ist das eine Blackbox und die Batterie "defekt".

danke für deine Einschätzung!

Ich denke ziemlich sicher, dass es sich hier um eine massive Zelldrift handelt. Das andere kann aus meiner Sicht eigentlich gar nicht sein: Zu niedrige Temperaturen fallen aus und zu hoher Ladestrom auch (der MPPT liefert max. 50A, LiTime erlaubt bis zu 140A).

Dazu kommt, dass das Auto mit dem System aktuell etwa eine Stunde entfernt von mir steht. Ich kann also nicht mal eben schnell hin, um alles abzuklemmen oder physisch durchzumessen. Ich sehe über Home Assistant zwar die Daten, kann aus der Ferne aber leider keine Einstellungen am Victron MPPT anpassen. Der Support von LiTime hat mir nach Durchsicht der Daten übrigens ebenfalls schon bestätigt, dass es nicht nach einem Batteriedefekt aussieht.

Meine größte Sorge ist aktuell: Kann da auf die Entfernung irgendetwas Schlimmes passieren (z. B. eine Beschädigung der Hardware durch das ständige Schalten über Stunden), solange ich nicht vor Ort bin und nicht eingreifen kann?

Sobald ich wieder am Fahrzeug bin: Wie kann ich die Zellen am besten im eingebauten Zustand wieder ausgleichen? Macht es dann Sinn, die Absorptionsspannung im MPPT testweise mal radikal auf 13,8V oder 14,0V zu begrenzen und die Absorptionszeit hochschrauben, damit der integrierte Balancer der LiTime ohne ständige BMS-Abschaltung in Ruhe arbeiten kann?

Gruß
Jannik


Ein massiver Zelldrift ist defacto ein Batteriedefekt, auch wenn das der Hersteller aus offensichtlichen Gründen eventuell anders sieht.

Was hat denn der Hersteller gesagt?

Was mich auch noch extrem stutzig macht:
Die Batteriespannung um 09 Uhr bei ca. 12,6V steht also ca. 3,15V pro Einzelzelle und dann das BMS abschalteten scheint.
Wenn das aufgrund Zelldritt passieren sollte und wir von 3,6V Als Abschaltspannung ausgehen, dann hätten wir 3x3 V + 1x3,6 V, was eigentlich nicht sein kann.

Man würde typischerweiße so ca. 3,35V-3,4V und eine Zelle die dann auf 3,6V ausreißt erwarten.
Gesamtspannung dann ca. 13,6V

Aus den Statistiken vom SmartShunt sieht man nirgends, dass Strom in die Batterie geladen wurde.
Hast du vom Laderegler die Werte?

Und auch Langzeit Daten also seit wann das so ist, und wann die Batterie das letzte mal vollgeladen wurde?

Gut ist es bestimmt nicht, da aber keine großen Ströme fliesen wird da vermutlich nicht viel kaputt gehen, bzw. die Batterie ist es eventuell ohnehin schon.

Wenn es wirklich Zelldrift durch fehlendes Balancing wäre dann ja zusammen mit einer Ladestrombegrenzung auf 1A der richtige weg.

Aber ich konnte online nirgends was finden ob da überhaupt ein balancer eingebaut ist.

Das zusammen mit der unplausiblen Spannung lässt keine klare Diagnose zu.

Das Auto wurde das letzte Mal am Dienstag mit dem 30A Ladebooster, den ich als Backup habe bewegt. Anbei findet ihr die Screenshots zu den Langzeitdaten und von Dienstag aus Home Assistant.

Der Support von LiTime hat sich die Daten ebenfalls angeschaut und meinte dazu, dass es nach ihrer Einschätzung eher am Laderegler liegen wird und nicht nach einem Defekt der Batterie aussieht. Die Batterie ist quasi nagelneu und hat noch nicht einmal einen einzigen kompletten Ladezyklus hinter sich.

Wie man in den neuen Grafiken sieht, fließt da aber tatsächlich kein Strom in die Batterie hinein.

Das ganze Verhalten hat exakt am 27. September angefangen. Genau an dem Tag hatte ich nämlich ein paar Einstellungen direkt am Victron MPPT-Laderegler umgestellt. Es spricht also extrem viel dafür, dass das Problem durch meine damalige Änderung verursacht wurde. Vorher Ist nämlich der SOC immer weiter in den Keller gegangen, nach meiner Änderung stieg er an. Ich meine es war aber maximal nur die Absorbtions oder Float Spannung und noch was am Smart Shunt aber was damit ja nichts zutun hat.

Irgendwo ist eine Verbindung hochohmiv geworden oder das BMS unterbricht.
Nach Möglichkeit die Zellenspannung direkt messen, auch über die Anschlüssd zur nächsten Zelle ob irgendwo ein auffälliger Spannungsabfall ist.

Moin hopfen,

danke für deine Antwort!

Um die einzelnen Zellspannungen zu messen, müsste ich das Gehäuse der Batterie öffnen und sie quasi auseinandernehmen. Das werde ich auf keinen Fall tun – falls das Teil wirklich einen Defekt hat, lasse ich sie lieber direkt über die Garantie tauschen.

Was ich aber machen könnte: Ich habe in einem anderen Fahrzeug noch einen zweiten, etwas kleineren Victron MPPT-Laderegler verbaut. Den könnte ich testweise mal dranhängen, um einen Defekt des Reglers sicher auszuschließen.

Das Hauptproblem ist aktuell einfach nur, dass das Auto eine Stunde entfernt von mir steht. Ich kann also nicht mal eben kurz hinfahren und wild Teile durchtauschen. Ich werde das wohl erst beim nächsten Besuch vor Ort in Angriff nehmen können.

Gruß
Jannik


Dann auch prüfen wie es unter Last aussieht. Vermutlich bricht sie genauso ein.

@ironmaster @hopfen

Moin, Ich habe die Batterie ausgebaut und in meinem anderen Wagen geladen. Dabei habe ich sowohl den Ladebooster mit MPPT als auch Landstrom verwendet. Die Batterie nimmt die Ladung an und lädt. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, deshalb konnte ich sie nur kurz laden. Fotos anbei. Habe auch dabei Standheizung etc. eingeschaltet, hierbei ist nur der Ladestrom etwas heruntergegangen.

Ok, dann ist die doch soweit in Ordnung.

Ja, eventuell hat sich das BMS resettet als ich Verbraucher (10A) eingeschaltet habe? Nächste Woche teste ich den MPPT Laderegler mal Seperat ob der defekt ist.