Mängel bei PV-Installation vor Abnahme

Hallo liebe Forums-Community,

ich stehe aktuell kurz vor der Abnahme meiner neu installierten PV-Anlage (Wechselrichter Sungrow 15 kw auf Flachdach/Bitumen), habe jedoch gravierende handwerkliche Mängel festgestellt. Die Anlage ist bereits in Betrieb, aber noch nicht abgenommen.Anlage:
PV-Module: 39 × 465 w = ca. 18,1 kWp
Wechselrichter: Sungrow SH15T-v11 (3-phasiger Hybrid-Wechselrichter, 15 kVA) +Smart Meter CHINT DTSU666-20
Zählerschrank (Hager): SLS-Schalter: Hager E50 (50 A); Überspannungsschutz: Phoenix Contact Blitztrab Typ 1+2+3
Speicher: Vorbereitung für Sungrow / BYD Batteriespeicher

Ich würde gerne eure Einschätzung zu den folgenden drei Punkten hören:

1. Wanddurchführung & Kabelschäden (Keller / GAK)

  • Fehlendes Schutzrohr: Das PVC-Rohr durch die Außenwand ist nicht durchgehend, sondern hört mitten im Bohrloch auf (kein durchgehendes Futterrohr).

  • Beschädigung der Kabel: Durch das scharfkantige, unsauber abgeschnittene Rohrende wurde der Außenmantel der Solarkabel (und der Erdung) bereits durch Reibung mechanisch verletzt/abgeschabt (siehe Bild).

  • Keine Dämmung: Das Wandloch ist komplett offen/ungedämmt (Kältebrücke).

  • Zug & enge Radien: Die Kabel, die von oben in den Generatoranschlusskasten (GAK) eingeführt werden, stehen extrem unter Spannung und haben nahezu keinen Spielraum.

2. Wechselrichter-Montage (Sungrow SH15T) & Abstände / Thermik

  • Abstand nach unten: Der waagerechte Kabelkanal sitzt nur ca. 7 cm unter der Unterkante des Wechselrichters.

  • Abstand nach oben: Ca. 30 cm bis zu einer Regalplatte (könnte entfernt werden), aber direkt darüber verläuft ein HT-Abwasserrohr.

  • Seitliche Abstände: Rechts ca. 40 cm zum Zählerschrank; links frei (zwei Steckdosen in der Nähe könnten versetzt werden).

  • Zukunft: Es ist die Nachrüstung eines 10-kWh-Speichers (Sungrow/BYD) geplant.

  • Kabelverlegung: Das dicke AC-Kabel (5x6 mm²) hängt ca. 15 cm als Bogen unter dem Anschluss; die DC-Kabel hängen relativ locker. Ein nachträgliches Verschieben des AC-Kabels ist ohne Neuverlegung kaum möglich.

  • Meine Kernfrage dazu an euch:

  • Ist der geringe Abstand von 7 cm zum Kabelkanal ein K.O.-Kriterium nach Sungrow-Herstellervorgaben (Kühlung/Biegeradius)?

  • Der Keller ist von Natur aus kühl (auch im Sommer < 20 °C) – wie kritisch seht ihr das thermisch bei Volllast (15 kVA)?

3. Flachdach-Verkabelung (Bitumen)

  • Kabel auf dem Boden: DC-Stringkabel und Leitungen liegen teilweise ungeschützt und ohne ausreichende Aufständerung direkt flach auf der Bitumen-Schweißbahn auf.

  • Hitzestau & Scheuergefahr: Im Sommer heizt sich das Bitumen extrem auf; zudem droht durch Wind und Bewegung mechanischer Abrieb an der Isolierung.

  • Schutzrohre: Teilweise wurden Standard-Wellrohre verwendet, die nicht UV-stabil sind.

Vielen Dank für eure Einschätzung und Tipps!

Würde die Kabelführung als Ganzes reklamieren.

Ich setze gerade ein ähnliches Projekt selbst um und wenn ich das sehe frage ich mich wofür die „Fachfirma“ Geld genommen hat.

Das ist handwerklich wirklich nicht sauber umgesetzt. Ich könnte noch einen Kritikpunkt hinzufügen: Die blaue, "fliegende" Klemme im Generatoranschlusskasten (GAK), die dort als PE-Verteilerklemme dient, gefällt mir so nicht. Vermutlich ist das eine HLAK (Hauptleitungsabzweigklemme), wie man sie sonst im AAR von Zählerschränken verbaut. Dass diese fliegend im GAK herumvagabundiert, ist keine saubere Lösung. Einbauten in einem GAK setzt man auf eine Hutschiene. Und wenn auf der Hutschiene kein Platz mehr war, dann war der GAK zu klein ausgewählt.

Das mit dem Kabelkanal unterm Wechselrichter - da frage ich mich auch immer, was da die optimale Lösung ist. Naturgemäß gehen unten Kabel aus dem WR heraus, die man irgendwo hinführen muss. Diese 30 cm (oder was auch immer der WR-Hersteller als Abstand nach unten vorschreibt) durch die Luft zu führen, sieht irgendwie unsauber aus. In Deinem Fall scheint es ein 40mm x 40 mm Kabelkanal zu sein. Der ist jetzt nicht so groß. Aber 7 cm ist schon sehr nah am WR.

Hallo Boris, danke für deine ehrliche Einschätzung! Genau das ist auch mein Gefühl – man fragt sich bei solchen Anblicken wirklich, wofür man eine teure Fachfirma beauftragt hat. Da du ja aktuell selbst ein ähnliches Projekt umsetzt: Hättest du zufällig Lust und Zeit, mir ein paar Bilder von deiner Kabeleinführung ins Haus und rund um deinen Wechselrichter zu zeigen (gerne auch direkt per PN, wenn dir das lieber ist)? Es würde mich sehr interessieren, wie eine saubere, professionelle Umsetzung aussieht, damit ich einen echten Vergleich für die Nachbesserung durch meinen Installateur habe. Danke dir!

Die Isolierung mancher Kabel ist auch schon ganz schön beschädigt. Nicht schön. Auch die scharfen Kanten des Rohres, was aus der Wand kommt und wo die Kabel dann nach unten drüber hängen. So sollte das nicht sein.

Wie kommst du drauf, dass Wellrohre keinen UV-Schutz haben? Was man auf dem Bild sieht, ist ja zumindest schwarzes Material, was typisch UV-Schutz hat.

Meine Meinung:

Handwerklich nicht wirklich perfekt gemacht, meiner Erfahrung nach ein typisches Bild wenn man´s nicht selber macht...

-das Wellrohr wird schon UV stabil sein wenn es schwarz ist

-schau mal in das Handbuch zum Sungrow Wechselrichter, da werden die einzuhaltenden Abstände zu Wänden usw. vermerkt sein

-Die leichte Beschädigung der Kabel am Rohr, wird beim verlegen und ziehen entstanden sein. Das sich da jemals wieder was bewegt, sehe ich ehrlich gesagt nicht. Und so tief und dramtisch sind die Beschädigungen nicht. Ein Gummi Kantenschutz am Rohrende und eine ordentliche Bündelung mit Kabelbindern würde das Gesamtbild aber deulich verbessern.

-Klar ist jede umfangreichere Kabeldurchführung irgendwo eine Kältebrücke. Man kann die Bohrung mit entsprechenden Dichtmittel ausfüllen um Zugluft und Feuchtigkeit zu verhindern.

-Die Kabel auf dem Dach sollten idealerweise schon am Gestell angebunden sein. Die Solarkabel sind aber extrem widerstandsfähig und doppelt isoliert. Wenn diese auf der Bitumenbahn aufliegen, passiert da nicht viel. Oft ist es auch garnicht zu verhindern, du brauchst ja ein wenig Kabelreserve um die Module überhaupt angewinkelt anstecken und dann ablegen zu können. Und schon liegen die Kabel auf der Dachbahn. Wichtig ist nur das die MC4 Stecker nicht auf dem Dach liegen. Die sind schon empflicher gegen stehende Nässe.

-Mich persönlich stört die fliegende Anschlussklemme im GAK und die generelle Anschlussarbeit im GAK ebenfalls am meisten.

Grüße,

Martin

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Falls man kann würde ich lieber checken ob die 2. isolierung schon zu sehen ist oder sogar auch beschädigt ist.Nachts wenn keine Spannung drauf ist.

Wenn die noch ok ist, ist es vielleicht halb so schlimm?

Graue Rohre statt schwarze Rohre wie auf dem Bild?
Das wäre nicht gut!

Ist das dann ohne "Tropfnase" und nicht dicht?
Könnte da dann Wasser leicht eindringen???

Hallo Alphi,

mal wieder ein Beispiel wie viele Solarteure am Markt sind die einfach nur Material zusammenwerfen und dann nach der Rechnung weg sind und man evtl. nicht beurteilt bzw. sich schlau macht ob das alles so sein soll/darf.

zu 1.

Das Schutzrohr durch die Wand hätte ich persönlich ganz weggelassen, aber was solls. Es sollte auf jeden Fall anständig entgratet oder eine Endtülle (siehe außen am Metallrohr) haben, damit die scharfe Kante weg ist. Die Beschädigungen am Kabel kann ich nicht genau beurteilen, aber es sieht nach mehr als nur oberflächlich angeschabt aus. Das Loch sollte man mit Thermoschaum oder ähnlichem verschließen, damit die Wärmebrücke etwas entschärft ist. Wichtig, der Schaum ist nicht UV beständig und muss außen entsprechend noch mit passenden Mittel überdeckt werden. Habe ich bei mir mit Strukturacryl gemacht und dann gestrichen mit der Wandfarbe.

zu 2.

da würde ich mir im Keller keine großen Gedanken machen. Die Abstände sind sicher nicht wie in der Montageanleitung, aber da wird sicher genug Zirkulation sein und die Temperaturen sind ja auch niedriger als "normal".

zu 3.

Die Schutzrohre sind schwarz und damit zu 99% auch UV-stabil. Die Kabel sollten nicht auf der Dachhaut liegen sondern irgendwo befestigt sein. Die Leerrohre sollten auch nicht so liegen, da sie so direkt im Wasser liegen und es darin schlechter abtrocknen kann. Das Stück über die Dachhaut dient im schlimmsten Fall sogar als direkter Ablauf an der Dachrinne vorbei. Die grün-gelbe Erdungsleitung ist allerdings von Haus aus nicht UV-stabil und nicht für den Außenbereich zugelassen.

Das größte Manko ist für mich der Generatorkasten. Bei dem wurde so viel falsch gemacht. Die Erdungsleitung der Konstruktion auf dem Dach gehört direkt zur Potenzialausgleichschiene (PAS) geführt und nicht erst im GAK zwischengeklemmt um sich Leitungen zu sparen. Dann gäbe es die blaue Anschlussklemme auch nicht, da im GAK nur eine PA-Leitung von der PAS benötigt wird und dafür gibt es eine vorgesehene Klemmstelle. Laut Montagenanleitung des Herstellers des GAK gehören die Verschraubungen in die Unterseite des Kasten (ist in deinem Bild die linke Seite des Kastens). D.h. der Kasten ist falsch montiert, da er um 90° nach links gedreht werden müsste, damit die Unterseite richtig ist. Dann müssten die Verschraubungen dort eingesetzt werden (aktuell sind sie auf der Oberseite) und dann schließt man die Leitungen auf den Klemmen direkt an. Dann müsste man auch nicht den ÜSS kreuzen, wie in der derzeitigen Ausführung.

Das sehe ich derzeit auf deinen Bildern beim kurzen drüberfliegen.

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Zur technischen Bewertung kann ich wenig ergänzen, das ist hier im Thread schon sehr kompetent durchgegangen worden. Aus Berater-/Verbraucherschutz-Sicht aber ein paar Punkte zum Prozess, die mindestens genauso wichtig sind wie die Technik selbst:

Nicht abnehmen, solange die Mängel nicht behoben sind. Die Abnahme ist euer stärkstes Druckmittel – danach kehrt sich die Beweislast um und die Resteinbehalte/Zahlungsfälligkeit greifen meist zu eurem Nachteil. Dass die Anlage schon läuft, ändert daran nichts; Inbetriebnahme und Abnahme sind zwei verschiedene Dinge.

Alles schriftlich und mit Zeitstempel dokumentieren: Die Fotos, die ihr hier gepostet habt, plus ein kurzes Mängelprotokoll (Datum, Beschreibung, am besten mit Verweis auf die Montageanleitung des Herstellers wo vorhanden) per E-Mail an den Installateur, mit angemessener Frist zur Nachbesserung. Mündliche Zusagen sind im Streitfall nichts wert.

Bei strittigen technischen Punkten (wie dem Abstand zum Kabelkanal) lohnt sich im Zweifel ein unabhängiger Gutachter/Sachverständiger, besonders wenn der Installateur die Mängel bestreitet – die paar hundert Euro sind gut investiert, wenn es um eine 18-kWp-Anlage mit Speichererweiterung geht.

Und ganz praktisch: Da noch ein Speicher nachgerüstet werden soll, würde ich die GAK-Mängel (Erdung/Potenzialausgleich) in jedem Fall vor der Speichernachrüstung beheben lassen, nicht erst danach – sonst baut der nächste Gewerke-Termin auf einer fehlerhaften Basis auf.

Viel Erfolg bei der Durchsetzung!

Kurzer Nachtrag: Falls es mit dem aktuellen Installateur nicht zu einer vernünftigen Nachbesserung kommt und ihr für die Mängelbehebung oder eine spätere Speichernachrüstung eine zweite, unabhängige Firma braucht – ich kann euch bei Bedarf auch direkt mit einem passenden, geprüften Installateur aus eurer Region verbinden. Einfach kurz melden.

Hallo zusammen,

ich wollte mich erst mal bei allen für die vielen hilfreichen Anmerkungen, Tipps und Infos bedanken!

Habe das freiliegende Kabel auf dem Dach jetzt zumindest mal provisorisch versorgt: Mit Butyl-Dichtband verklebt, da drüber selbstklebendes Alutband und eine EPDM-Matte als Unterlage druntergelegt – sollte fürs Erste halten.

Weil ich noch vier zusätzliche Paneele haben wollte, habe ich mir selbst vier Stück bestellt. Bei der Lieferung gab's jetzt aber direkt den Frust: Bei drei von den vieren sind an den Ecken so winzige, ca. 1 bis 2 mm große Risse im Rahmen. Außerdem klebt an den Rahmen überall übelst viel Klebstoff – das kenne ich von meinen anderen 33 Panelen absolut gar nicht.

Jetzt meine Frage an euch:Meint ihr, ich kann die Paneele mit den Rissen trotzdem einfach einbauen oder soll ich die direkt umtauschen? Was würdet ihr tun?

Ich würde die nicht akzeptieren, ggf haben sie auch funktionelle Mängel, wenn die so schrottig aussehen.

Hi

Die Module zurück gehen lassen.Da deine Anlage ja noch nicht abgenommen wurde und ja auch Mängel hat würde ich da nix verändern oder dazubauen .Weil wenn es dumm läuft kommen diese Bastelfirmen auf die Idee du hast das beschädigt usw.

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Ist das silikon?

Meinst du mit riss, den Abstand der Aluecken des rahmens?

Hab ich mich auch gefragt. Falls ja, das ist kein Riss, da wurde das Aluprofil einfach nicht sauber in den Ecken gefügt und verklebt.

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Danke für die Anmerkungen. Es sind zwar auch Reste von Klebstoffen darauf, aber bei mehreren Modulen gibt es mindestens an einer Ecke einen Riss im Rahmen, und ich bin mir nicht sicher, ob diese Risse nicht später zu Problemen (z. B. RISO-Fehlern) führen. Inzwischen habe ich die Rückgabe beauftragt, weil auch ein Panel einen Kratzer hat. Da war mir das Risiko zu hoch

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Der Rahmen ist doch aus Alu. Einen Riss im Alu kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Auch die Bilder oben, die du mit "Rissen" bezeichnet hast, sind keine Risse.

Was passieren kann, wenn jemand so ein Modul auf die Ecke gestellt hat, dass dann das Alu verschrammt oder etwas verbogen ist.