JK BMS (alte Version) - hoher Eigenverbrauch?

Hi!

Aufgrund des äußerst bescheidenen Wetters ist gestern zum ersten Mal seit Februar mein Eigenbauakku (JK, Victron, 16s, 48V) leer geworden. Normalerweise habe ich immer 10% als Restkapazität aber aus irgendeinem Grund war 0% eintragen.

Als ich gestern gesehen habe, dass meine Zellen schon bei 2,9V angekommen sind habe ich die Multiplus sofort auf “Nur Ladegerät” gestellt und auf baldige Solarproduktion gehofft. Natürlich gab es statt Sonne jede Menge Regen und Dunkelheit.
Und als ich heute wieder meine Zellspannungen überprüfen wollte habe ich mich erschreckt, dass die Zellen in den letzten 12 Stunden deutlich abgefallen sind Richtung 2,8V.
Normalerweise bin ich gewohnt, dass die Zellspannung nach dem Abschalten eher leicht steigt oder mindestens stabil bleibt? So tief habe ich meinen Akku allerdings noch nie entladen!
Erst nachdem ich direkt im JK BMS das Entladen deaktiviert habe hat sich die Spannung stabilisiert - bzw ist leicht gestiegen.

Ist mein JK eventuell defekt (gerade einmal 1 Jahr alt)?
Oder hat das JK wirklich so einen hohen Eigenverbrauch?
Oder hat jemand einen Tipp, woran es noch liegen könnte/was ich falsch mache?

Danke!!

Der Eigenverbrauch vom BMS ändert sich nicht grundlegend.

Dein Multiplus ggfs weitere Geräte an der DC Schiene haben aber nen Standyverbrauch.

Der kann schon im Bereich 10-20W sein, das kannst du ja auch mal mit der DC-Stromzange messen wo was reinfließt.

Hier mal um Vergleich wie sich ca. 4 W Standby bei 5kWh LiFePo4 bei niedrigem Ladezustand von 0 bis 8 Uhr verhalten:

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Ganz genau, Eigenverbrauch von gesamten System.

Was genau meinst du mit "eingetragen", im ESS?
Also wenn du keinen SmartShunt hast und nur den SOC vom BMS dann vergiss es weil der nie stimmt. Steht hier auf dem Board aber auch gefühlt 100x... und mit etwas beobachten sieht man das auch sofort. Ansonsten wäre für mich das BMS falsch konfiguriert wenn bei 2,8V/Zelle noch keine UVP auslöst, denn dann hast du im Worst Case quasi Null Reserve. Bei mir würde sich das BMS bereits ab 2,9V/Zelle komplett abschalten und UVP steht auf 3V/Zelle, ich entlade bis 20% SOC. Keinen Glaskugel SOC sondern vom Victron Shunt...

Auf der Victron VRM Bedienoberfläche!

Danke!! Sehr interessant!
Ich dachte, der Multiplus holt sich seinen Saft über den AC-IN, sobald er auf Ladegerät geschaltet wird.

Nachdem ich im JK BMS das Entladen deaktiviert habe ist tatsächlich nichts mehr aus dem Akku geflossen.

Mein JK ist auf 2,75 als Minimalspannung eingestellt. Da hätte das BMS spätestens gestoppt.

Das “Problem” ist, dass das JK BMS den SOC nicht wirklich genau misst und der gerne mal driften kann.

Die Lösung dafür ist wie schon erwähnt den Victron Shunt zu verwenden.

Aber in 90% aller Anwedungsfälle ist der genaue SOC nicht wirklich wichtig.

Deshalb würde ich hingehen und im JK-BMS den Parameter cell soc0 voltage auf ca. 3-3,05 V (je nach Spitzenlast kann es einen Spannungsabfall geben das würde ich testen) stellen. Das bewirkt dass wenn die erste Zelle unter diese Spannung fällt, der SOC direkt auf 0 gesetzt wird und dein Multiplus dann stoppt.

Damit hast du dann ungefähr deine 5-10% Rest Kapazität noch drinnen und musst dir keine Sorgen machen dass der Standy Verbrauch den Akku total leer zieht.

Das schlimmste was dann noch passieren kann ist, dass der SOC von z.B. 20% plötzlich auf 0 springt oder er bei 0% ankommt obwohl du noch etwas mehr Kapazität hast.

Der einzige Fall wo ein “genauer” SOC Wert wichtig wäre, wenn man Prognose basiert z.B. im Winter den Speicher mit dynamischen Stromtarifen aus dem Netz laden möchte. Dann würde ich den Victron Shunt verwenden.

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Ich würde eher sagen in 90% der Fälle ist ein genauer SOC wichtig, vorallem in einem ESS, ansonsten kannst du dir die Einstellung des "Mindest SOC" nahezu sparen. Aber man kann natürlich auch immer auf nahezu 0% entladen (was nicht gesund ist) oder anhand der Spannungslage auf den SOC spekulieren, welche leider nur die wenigsten verstehen weil sie selbst eben keinen genauen SOC haben um zb. anhand dessen mal beobachten zu können wie sich die Spannung beim laden/entladen verhält.

Und genau sowas kannst hier im Board gefühlt alle 2 Wochen lesen... Probleme die es nicht geben würde wenn man nur die paar Euro mehr für einen vernünftigen Shunt ausgeben würde. Die Leute geben Tausende von Euro für das System aus, aber beim Shunt für einen genauen SOC den man in einem gut laufenden Victron System nunmal braucht wird gespart. Ich komm da nicht mit, aber jeder wie er möchte, und bei manchen dauert es halt etwas länger bis sie dann doch irgentwann den SmartShunt kaufen und Ruhe haben. Hier im Board gibt es jedenfalls massig Themen über Probleme die auf einen ungenauen SOC basieren. Ich sag immer gerne, ein System ohne genauen SOC ist wie ein BMS ohne Balancer.

Ich habe da keine schlüssige Begründung rausgelesen die es zwingend notwendig / wichtig macht.

Wenn du gesagt hättest dass man z.B. aus Blackout Angst 30-40% mindest SoC sicherstellen möchte ja wäre ich mitgegangen.

Aber Spannungsgesteuert bei um die 3V das entladen einzustellen ist doch nicht “ungesund”?

Bin ich voll bei dir und macht vieles einfacher und “bequemer”.
Aber ich bin auch ein Verfechter der Fraktion LiFePo4 Spannungskurve oben und unten ist mehr als ausreichend um den Akku “gesund” zu betreiben zu können.

Insbesondere wenn das BMS noch mithelfen kann, indem es wenn die Zelle mit der geringsten Kapazität anfängt nach unten auszureißen, da Rückmeldung gibt.

Da gehe ich auch nicht mit, da der SOC ja nur im Bereich ~10-90% nicht genau ist, außerhalb davon aber sehr wohl und das sind die für die Lade und Entladeparameter wichtigen Grenzen.
Und der ungenauer SOC hat keinen Einfluss Funktionalität des Systems ein fehlender Balancer aber schon. → Im besten Fall wird “nur” Kapazität verschenkt.

Ungesund ist es nicht. Aber angesichts der o.g. Tatsache, dass nicht alle Verbraucher weggeschaltet werden, ist es zu spät angesichts der verbliebenen Kapazität. Die bei 3 V mal gerade 2 % (!!) ist.

Unter 3 V kommt (fast) nichts mehr…..

Ich denke schon, aber du hast den wichtigsten Teil aus dem Zitat geschnitten.

Meiner Meinung (und Erfahrung) und der vieler anderer schon.
Wie gesagt bei mir wären 3V/Zelle UVP und minimum 20% SOC beim entladen. Aber das muss wohl jeder selbst rausfinden und seine Erfahrung dazu machen wenn man anderen keinen Glauben schenkt. Es gab hier schon Akkus die Tiefentladen wurden wegen zu niedrig eingestellter UVP (war aber kein JK-BMS). Das wurde hier auch schon heiss diskutiert... Infos im Netz zu einem gesunden SOC Bereich gibt es reichlich und schon sehr lange, und es ist eigentlich ganz einfach, nämlich immer 20% im Akku drin zu lassen. Das kannst du für sämtliche Lithium Akkus hernehmen wenn du sie gut behandeln möchtest. Zusätzlich wenn möglich nur alle 4 Wochen einmal voll zum balancen und Synchronisieren vom Shunt, das reicht. Und Ladestrom/Entladestrom wenn möglich im Bereich 0,3C. Steht zum Teil auch in den Datenblättern mit den 80 oder 70% DOD aber nach Zyklen, nur was eben auf die Zyklen geht (die man wohl eh nie erreicht), das geht halt auch auf die Lebensdauer allgemein. Und ich möchte meinen Akku jedenfalls 20 Jahre+ betreiben können, auch weil er "etwas" teuerer war es die blauen sind.

wi_th

Das ist deine Entscheidung und Meinung, bei mir wären das wie gesagt die untersten oder aber auch obersten Grenzen. Wobei ich die unterste die du fährst nie erreichen werde, sie dient bei mir immer als Reserve bzw. gleichzeitig dem Wohlbefinden des Akkus für eine lange Lebensdauer. Und dazu brauche ich einen genauen SOC, zusätzlich auch damit das ESS korrekt arbeitet und nicht nach Glaskugel China SOC.

Für mich schon, aus den oben genannten Gründen.
Sicher funktionieren tut das auch so, nützt mir persönlich zumindest dann aber recht wenig wenn das System einmal bei 20% SOC abschaltet obwohl der Akku eigentlich schon nahezu leer ist zb. bei 3V/Zelle (keine Reserve und kein Wohlfühlbereich), oder aber bei 20% SOC abschaltet obwohl zb. noch 35-40% drin sind. Und das alles nur weil der SOC der China BMS eine Glaskugel ist, nein danke. Das war das erste was ich mit einem SmartShunt behoben habe, und ich habe es nie bereut einen SOC zu haben der auch nach über 9 Tagen ohne Synchronisation noch bei unter 1% Abweichung liegt :smiling_face_with_sunglasses:. Und sogar die angezeigte Restlaufzeit stimmt sehr genau...

Soll jeder selbst seine Erfahrungen damit machen, ich habe meine in anderen Bereichen damit schon gemacht und deshalb nutze ich sie auch so beim PV Speicher. Alle meine Geräte mit Lithium Akkus betreibe ich i.d.R. zwischen 20-70% SOC... zusätzlich immer im Bereich mit maximal 0,3C Lade/Entladerate.

Mein Handy ist jetzt 9 Jahre alt und wurde immer genauso behandelt. Hat laut AccuBattery Pro App noch 97% seiner Kapazität. Und ja das hält auch mal knapp ne Woche mit nur 50% SOC wenn man es nicht viel nutzt. In der Zeit haben andere schon 5x den Akku tauschen lassen oder besser gesagt ein neues Handy gekauft. Und das jammern darüber das der Akku schon nach 2 Jahren nicht mehr lange hält höre ich fast jeden Tag im Bekannten Kreis :joy:. Ist aber kein Wunder wird ja schließlich auch so propagiert... Schnellladung mit 1C und mehr lassen grüßen, dazu noch immer schön im Bereich 0-100% SOC betreiben, da braucht man sich am Ende nicht wundern.

Das Tablet zeigt ähnliche Werte und läuft auch ewig, ist 8 Jahre alt. Hab ich zwar nicht neu gekauft aber im Neuzustand und wenig genutzt. Wurd auch immer genauso behandelt wie oben beschrieben.

Soo schluss mit Roman... aber irgentwas scheine ich wohl richtig zu machen :thinking: :upside_down_face:.

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Ich liebe Romane insbesondere wenn diese schön detailliert ausgeschrieben sind und den Gedankengang herleiten.

Zum Abschluss möchte ich noch loswerden, dass ich verstehe woher du kommst und es für die Lebensdauer bestimmt von Vorteil sein kann.

Allerding kommt man im Solarbereich vermutlich nur sehr sehr selten auf so viel Zyklen selbst in 20 Jahren.

Und selbst wenn ich nach 10 Jahren anstatt 90% nur 80% Restkapazität haben sollte.

Dann geht das damit einher, dass man mögliche Kapazität des Akkus verschenkt hat und damit einen Verlust hat beim Zwischenspeichern der Solarenergie.

Sagen wir mal 10kWp Anlage + 10kWh Akku bei dem uns deswegen jährlich 250 kWh (~2,5% der Erzeugung) entgehen weil wir den Akku schonen wollen. Das wären dann bei 0,3€ Stromkosten + 0,08 Vergütung 0,23x250 auf 10 Jahre 550€ dafür kriegt man heute schon einen fertig 5kWh Speicher.

Da könnte man noch hingehen und simulieren und Rechnungen machen was “effizienter” ist.

(Längere Lebensdauer aber man muss mehr Kapazität kaufen um 70%DOD auszugleichen vs. Weniger Kosten Upfront aber nach 10 Jahren womöglich Tausch notwendig)

Das Problem ist Glaskugel.

Niemand wird wissen wie die Preise in 10 Jahren aussehen und ob zu dem Zeitpunkt nicht schon alle auf Sodium-Ion umgestiegen sind.

Es gibt einen sehr guten Grund für 20 %. Darunter sinkt der maximal zulässige Ladestrom dramatisch. Und wenn das bei niedrigen Temperaturen (beginnend unter 20 grad) geschieht, addiert/ multipliziert sich das mit der Absenkung durch Temperatur.

Und eine solche Uberschreitung der Ladastromgrenzen sind keine Prozente der Lebensdauer. ( Sondern mehr )

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Jeder kann machen was er für richtig hält, das ist das schöne an der ganzen Sache :grinning_face:. So kann jeder seine eigenen Erfahrungen machen, aber das sagte ich ja bereits...

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