JAZ und Vorlauftemperatur(en) bei NAT

Hi,

Ich habe gerade mal den JAZ Rechner bemüht und komme da für mein Haus bei gerade erreichtem 55° VL auf eine JAZ von knapp 4 (3,94). Wenn es mir gelänge auf 45° VL durch Umbauten zu kommen gibt der Rechner eine 4,3 aus. Sind solche Werte realistisch?

In Geld und kWh ausgedrückt wären das bei dem Verbrauch von uns dann 3550kWh bzw. 3250 kWh. 300 kWh sind so 100€ im Jahr. Wenns gut läuft auch deutlich drunter. Jeder Invest über 1500€ wäre dann schon fragwürdig. Über 3000€ Umbaukosten macht gar keinen Sinn mehr.

Gruß, M

Kann mir die 4 nicht erklären. Es wird aber sehr stark auf den Standort ankommen. Wenn du bei NAT von -15°C (fikitv) 55°C VL brauchst, ist der COP schlecht. Aber wenn es nur 1 Tag mit den Temperaturen gibt, und wenig Tage mit unter 0°C, und viele Tage mit eher mäßigen Temperaturen von ca. 10°C AT, dann könnte das im Durchschnitt eine JAZ von 4 ergeben. Ferner wäre dann auch die VL zu senken mehr oder minder egal, weil bei den höheren Außentemperaturen der COP schon so hoch ist, dass kaum eine Einsparung möglich ist, weil sowieso schon mehr Heizleistung vorliegt, als du benötigst.

Wenn du also dann bei 10°C AT statt 350W nur 320W verbrauchst, dieses in der Mengengewichtung viel ausmacht, kommst du auf einen besseren COP und eine bessere JAZ obwohl der Verbrauch bei NAT kaum besser wird, jedoch nur wenige Tage sind.

Es kommt also darauf an. Und ja, genau das sind dann die Überlegungen. Kaufe ich eine bessere Wärmepumpe mit größerem Außengerät und daher effizienter? Die ist aber auch extrem teurer. Oder kaufe ich lieber das kleinere Gerät, das kostet weniger, ist aber ineffizienter? Habe ich viele Tage unter 0°C? Vielleicht doch lieber das teurere, wer weiss wie kalt es werden wird? Oder nur 10 Tage an denen es so lausig kalt ist, da lohnt sich eher das Bad geringer zu heizen anstatt mehr Geld auszugeben.

Ich blick nicht wirklich wie dieser JAZ Rechner auch nur halbwegs korrekt funktionieren soll? Vor- und Rücklauftemperatur bei NAT, OK und den Durchfluss um auf die Heizleistung zu kommen holt sich das Teil aus der Glaskugel oder was? Kann er höchstens grob anhand der angegeben Wärmepumpe abschätzen, Vorraussetzung die passt genau von der Größe.

Würd nicht allzuviel auf das Ergebnis von dem Teil geben, maximal grobes Schätzeisen.

NAT ist -13°C

Da hast du nen Punkt.

In meinem Fall passt die nötige Heizleistung zur WP. (5kw). Zumindest nach allen meinen Rechnungen. Werde mir aber im Sommer noch einen Wärmemengenzähler einbauen um da mehr Daten zu haben

Die Seite ist etwas optimistisch, was die JAZ angeht.
Für meine WP (7kW) hat das Tool für NAT -11°C und VLT 35°C eine JAZ von 5,1 ausgespuckt.
Für VLT 55°C eine 4,1.
In echt fahre ich jetzt den dritten Winter mit VLT zwischen 30°C und 40°C also grob gemittelt die 35°C mit einem COP von 3,65, wobei ich Warmwasser mit einer extra BWWP mache.

Wie @andreash schon schrieb, auch aus meiner Sicht - Grobes Schätzeisen.

Herzliche Grüße
Eclipse

Musst halt nur aufpassen daß die die 5kW dann auch wirklich noch bei den -13°C abliefern kann.

Bin ja auch grad in der Planungsphase, zum Glück weiß ich die Heizlast (fast) ganz genau da ich einen Durchflussensor und VL+RL Tauchhülsenthermometer eingebaut hab. Einzige kleine Unsicherheit ist daß ich seither (3 Winter) die NAT von -16°C bei mir noch nie gesehen hab und da dann halt hochrechnen muss, gute -12°C war das Minimum das ich gesehen hab. Muss also ne 9kW T-CAP her für die berechneten 8,8kW (bei -12°C 7,8kW gemessen). Die beste aller Frauen muss ihre guten 22°C haben sonst hab ich Stress…

Halte ich für sehr unrealistisch. Würde da mindestens 0,5 vom COP abziehen. Soweit ich es beobachtet habe, schaffen lediglich diejenigen einen JAZ >4, die sehr niedrige Vorlauftemperaturen haben, also eher so im Bereich 35-40 Grad bei NAT.

Wäre denn der Unterschied von ca. 0.3 bei 55° vs. 45° plausibel?

Ist zu wenig, rechne mit Faustformel 3% Effizienzverlust pro Grad Temperaturerhöhung.

Ok. Also geht's eher in Richtung Jaz = 3 bei 55° und so 3.9 bei 45°

5° VL Reduktion sind dann so 700kwh, sprich so 230€

Rein Kostenmäßig ist Gas übrigens immer noch besser. Die Rechnung geht nur auf wenn ich den WP Strom nachts im Batterien speichere. Dann wäre Strom günstig.

Dann ist aber auch die Jaz fast egal

Vermutlich wirst du die 3,9 bei 45 Grad nicht erreichen. Aber das kommt sehr auf die Qualität der Wärmepumpe an.

In der Regel ist Wärmepumpe etwas günstiger. Wie hast du es berechnet?

Naja. Unser Verbrauch mit Gas sind so 14000kwh. WW davon ca 17%

VL ist reduziert auf 55°. Wie nutzen den Brennwerteffekt zumindest in teilen. Gas-Brennwert Therme von 2016. Heizung optimiert, sprich kein/wenig takten. Ich würde den sonst üblichen Effizienzgewinn hin zur Wärmepumpe bei uns klein ansetzen.

Zum Strom: bei Jaz: 3 wären wir bei 4600kwh.

Strompreis ist bei uns gerade 27ct/kWh. Gaspreis 8.75ct/kWh. Also der gleiche Faktor wie bei der Jahresarbeitszahl.

Der einfache Umbau bringt uns nicht unter 55° VL. Ich werde im Sommer ein paar Sachen an der Heizung umbauen. Vielleicht bringt das noch 5°. Erfolg ist aber ungewiss. Der einfache Tausch von HK geht nicht weil der Heizkreis im 1. OG uns limitiert und da noch eine Einrohr Heizung verbaut ist. Im EG ist es auch schwierig weil der HK im WZ an der Grenze ist. Der ist schon Typ33 und mit 200cm x 30cm habe ich keinen guten Ersatz gefunden. Für aufwändige Umbauten hätte ich halt gerne abgeschätzt ob das was bringt.

Daher die Aussage das sich WP und Gas gerade nicht viel nimmt.

Hier ist das aber: jetzt ist es so das wir auch in der Umstellung beim Strom, hin zu dynamischen Tarifen und variablen Netzentgelten sind. Wenn das mal läuft (und es dauert jetzt schon ein Jahr) dann wären wir im Winter nachts zwischen 0-5 bei 12ct/kWh. Dann wird die WP interessant. Betreiben würde ich sie dann aus den Akkus, die nachts geladen würden. Die Jaz ist dann zunehmend egal.

Damit würde dann auch Kostenmäßig ein Schuh draus. Gas ca. 1400€, WP: 620€ (80% Ladewikrungsgrad)

Einbauen würde ich sowas vermutlich selbst. Hätte ich mal Bock drauf

Danke fürs lesen

55°C VL ist natürlich extrem schlechte Voraussetzung für WP. Mit der Einrohrheizung im OG hast da leider auch keine guten Voraussetzungen das grundsätzlich zu verbessern… Bei dem WZ HK ginge zumindest noch was mit Lüfter.

Ich hab zum Glück Zweirohr, releativ kleine/niedrige Räume im OG und damals ziemlich überdimensionierte(für die Gasheizung) Typ22 Heizkörper eingebaut. So komm ich locker auf 45°C VL bei NAT -16.

Ja Heizung basteln und optimieren macht Spaß. Da man sich die Handwerkerkosten spart kann man dann auch bisschen mehr fürs Material ausgeben, Top Qualitäten und Sachen die das DIY Leben leichter machen (Mehrschichtverbundrohr incl. Schraubfittings, flüssige Gewindedichtung usw.).

Ich versuche noch herausfinden ob Einrohr nicht auch was gutes hat.

Immerhin stellt der Strang einen Mindest Volumenstrom sicher und kann auch Energie zum Abtauen liefern.

Ob jetzt 55° extrem schlecht ist weiß ich nicht. Für den Jaz ist das schlechter. Bei dem Preis machts dann aber nur 100€ Unterschied im Jahr (zu 50°)

Da fehlen noch die Verluste bei der Gasheizung, die oft deutlich größer sind, als man es nach Datenblatt erwartet. Diese Erfahrung haben schon viele gemacht, die umgebaut haben.

Ich würde da mit 20% rechnen, die du durch diesen Effekt nochmal rausholst.

Das ist einfach zu hoch für WP, da müsste einiges an den Heizkörpern geändert werden. Im einfachsten Fall, wenn man gerade nicht mehr investieren kann, würde ich Lüfter unter die Heizkörper bauen, wo die Engpässe sind.

Ok, hört sich nicht so einfach an, alles sauber auf wärmepumpentauglich umzubauen.

Gibt noch einen kleinen Effekt, wenn du PV hast: In der Übergangszeit laufen die Gasheizungen oft sehr ineffizient, aber genau da kannst du noch mit viel PV-Überschüssen heizen. Darüber nochmal 20-30% Stromzukauf zu sparen, wäre denkbar.

Was an noch bedenken muss: Die 55 Grad gelten ja für NAT. Die meiste Zeit im Winter hat man aber sehr viel höhere Temperaturen, wo du vielleicht mit 40-45 Grad auskommst. Wenn Parallelbetrieb möglich ist, lass die Wärmepumpe nur bis z.B. -2 Grad laufen, darunter schaltest du auf Gas um.

Und auch noch: Wenn du Gas ganz rauswirfst, sparst du nochmal Grundgebühr Gas + Schornsteinfeger.

Wenn die Kosten fürs Heizen auf von 1400 auf 600 sinken trotz schlechtem Jaz wäre es vielleicht kein Problem.

Aber der Aufwand/Kosten um dann da 100€ im Monat zu sparen? Rechnet sich nicht.

Hybridheizung möchte ich nicht. Mir gefällt die Komplexität einer solchen Lösung nicht

Die ursprüngliche Frage war warum Gas und WP gleich teuer sind. Bei meinen gegenwärtigen Strompreis sind sie das. WP Umbau macht nur perspektivisch Sinn wenn der Strompreis niedrig ist.

Den solltest bei WP-Betrieb auch mit Zweirohr sicher haben. Thermostatventile runter und alles sauber hydraulisch abgleichen. An der Heizung rumdrehn ist dann nicht mehr. Dauert ne Zeitlang bis man alles top eingestellt hat, aber da muss man durch.

Ob Du überhaupt genug Volumenstrom mit den Heizkörpern hin kriegst und das dann ohne Puffer/hydraulische Weiche funktionieren würde musst vorher testen. Ich komm ohne Strömungsgeräusche nur auf 700l/h im HK Kreis, das langt leider nicht wirklich. Spreizung wird da dann auch langsam zu hoch für Direktkreislauf.

Ich hab das alles gemacht.

Ich habe für das Haus eine komplette Heizlastberechnung aus der Bausubstanz, Rohrnetzberechnung und den hydraulischen Abgleich gemacht. Sowohl in der Theorie als auch mittles Thermostate runter geprüft. Die Einrohrheizung kann man aber nicht wirklich berechnen. Weil da die Volumenströme unklar sind. Die Heizkörper sind “reitend” montiert. Das ist wirklich gruselig.

Ich habe aber noch nicht geschaut ob der Volumenstrom ohne Speicher/Bypass für die WP reicht.

Der Einrohrstrang hat einen Volumenstromregler. Zumindest weiß ich da was an Volumenstrom rein geht.

Du wirst sehr sicher mit den Vebrauchskosten runter kommen. Aber das ist oft derzeit noch so wenig, dass es finanziell unsinnig ist, eine funktionierende Gasheizung zu ersetzen. Zumal ja Gas, allen Unkenrufen zuwider, noch sehr billig ist. Tarife mit 7,5-8,5 Cent die kWh sind oft zu bekommen.