Heizungsauslegung Luft-Luft-Wärmepumpe für 53qm Wohnung

Hallo Zusammen,

ich starte gerade die Sanierung einer Erdgeschoss Wohnung im meinem Haus. Das Objekt ist ca. 150 Jahre alt und steht in der Innenstadt von Nürnberg. Wir haben einen Hinterhof, in dem können Außengeräte problemlos aufgestellt werden. Das Haus hat insgesamt 6 Wohnungen, die aktuell mit Gasthermen beheizt werden. Die jetzt zu sanierende Wohnung ist für mich auch eine Art Technologie-Erprobung für die Wärmewende im Altbau. Durch die zunehmenden Temperaturen in der Innenstadtlage wird meiner Meinung nach eine Klimatisierung im Sommer immer wichtiger, deshalb möchte ich auch gleich die Heizung über Luft-Luft Wärmepumpe machen. Zwei getrennte Systeme für Heizung im Winter und eine Klimatisierung im Sommer scheint mir definitiv nicht optimal.

Die Wohnung hat, wenn sie dann mal fertig ist, zwei Funktionen. Der große Raum zur Straße wird meine Werkstatt (Selbstständiger Uhrmacher) der hintere Bereich wird Gästezimmer und Gästebad. Wohnen tun wir in einer anderen Wohnung im selben Haus.
Der Werkstattbereich ist mit Raumteilern in zwei Teile geteilt, der kleinere Bereich ist die "Schmutzwerkstatt", der größere Bereich der "saubere" für Montage und Büroarbeiten. Durch die Raumteiler wird sich Wärme nur schlecht zwischen den Bereichen verteilen.

Daten zum Gebäude:

  • ordentlich isolierter Fussboden U=0,34
  • Aussenwände 50cm Ziegel U=0,78
  • ordentliche Fenster U=1,2
  • Wand zum (kalten) Treppenhaus mit Vorsatzschale U=0,43
  • Zwischendecke zum OG als Akustikdecke U=0,33

Für die Spitzenlast und Gemütlichkeit kommt in die Werkstatt ein zusätzlicher Holzofen.

Da die Wohnung nicht 24/7 voll beheizt wird komme ich die letzten Jahre auf ca. 4000 bis 5000 kWh Gas, also auf 80 bis 100 kWh/qm.
Bei einem SCOP von ungefähr 5 hoffe ich auf Heizkosten in der Größenordnung von 250 €/ Jahr. Das kostet aktuell schon alleine der Schornsteinfeger und die Zählergrundgebühr für den Gasanschluss.

Meine Erfahrung mit LLWP ist, dass Innengeräte zwar sehr viel Leistung bringen können, jedoch bei über 1,5 kW durch die höhere Lüfterdrehzahl lauter werden. Deshalb hätte ich gerne eine Auslegung, bei der je Innengerät stationär nicht deutlich über 1,5 kW benötigt werden. Die vorhandene Mehrleistung ist dann auch sehr gewünscht um die Räume zügig aufzuheizen, wenn sie zum Beispiel über das Wochenende nicht benutzt wurden.

Meine Aktuelle Planung:

3-Fach Split von Daikin (Aussengerät 3MXM52A2, Innengeräte FTXM20A bzw. FTXM25A), Kondensatableitung jeweils in eigenes Abwasserrohr

Werkstatt: Maximal notwendige Heizleistung (mit Ubakus gerechnet): 2,9 kW, hier würde ich zwei Innengeräte (je 2 kW) vorsehen, eines in den "Schmutzbereich" und eines in den sauberen Bereich.

Gästezimmer: Maximal notwendige Heizleistung (mit Ubakus gerechnet): 1,7 kW, hier würde ich ein Innengerät mit 2,5 kW vorsehen

Badezimmer: Maximal notwendige Heizleistung (mit Ubakus gerechnet): 0,44 kW, hier würde ich eine elektrische Fussbodentemperierung und eine elektrische Infrarot-Platte vorsehen.

Warmwasser macht ein Durchlauferhitzer. Für eine Warmwasser-Wärmepumpe fehlt der Platz und als Gästebereich ist vermutlich der Warmwasserbedarf über das Jahr recht gering.

Nebenthemen, die ich noch habe:

  • bei 3 Meter Deckenhöhe ist die Temperatur am Innengerät ganz anders als in der Raummitte, ich denke kabelgebundene, extra Temperatursensoren wäre eine sinnvolle Geschichte
  • Appsteuerung ist für Gäste blöd, da wäre eine "unverlierbare" kabelgebundene Fernbedienung (mit Temperaturmessung?) gut

Soo, jetzt habe ich euch massiv vollgetextet. Wie ist eure Meinung zu dem Projekt? Was sollte ich anders machen oder noch bedenken?

Was meinst du damit genau? Gehts um Heizleistung oder Aufnahmeleistung? Warum genau 1,5kW? Wo kommt die Erfahrung her?

Nachteile der Multisplit sind dir bekannt?

1 „Gefällt mir“

Bitte nicht mit Gasheizung vergleichen. Die kann auch gerne mal mit 15kW++ losballern. Eine Klima braucht erstmal deutlich mehr Zeit um hochzulaufen. Anschließend mag sie zwar die Luft relativ schnell warm bekommen, die 50er Ziegelwände werden aber viele viele Stunden brauchen um Behaglichkeit herzustellen.

Ist sicher kein Beinbruch, sollte einem aber bewußt sein um nachher nicht enttäuscht zu sein.

1 „Gefällt mir“

Ich meine die Thermische Heizleistung je Innengerät. Bei viel Leistung wird ja die Lüfterdrehzahl hochgedreht und es wird lauter. Das sieht man ja auch recht gut in den Datenblättern. Wir haben eine Singlesplit in einer anderen Wohnung im Einsatz und da ist das so meine ganz persönliche Empfindung. Unter 1,5 kW - leise und angenehm, wesentlich mehr als 1,5 kW - laut und “zugig”

Welche Nachteile der Multisplit meinst du? Ich kenne: schlechteren SCOP, mehr Takten, vor allem wenn die Innengeräte nicht gleichmäßig belastet werden. Ich bin aber mit dem recht kleinen Wärmebedarf auch nicht auf der Suche nach dem letzten bisschen Wirkungsgrad.
Meine Vorstellung ist, dass langfristig (10-15 Jahre) alle Wohnungen des Gebäudes LLWP bekommen. Da sind dann 6 Aussengeräte schon recht viele. Deshalb würde ich gerne bei einem Aussengerät pro Wohnung bleiben.

Hier findest du die zentrale Klimaanlagenseite, da gibts auch Infos zu Multisplit mit ihren Vor- und Nachteilen.

1500 W Heizleistung Dimensionierung ist schon gan sinnig, da hast du recht. Wobei das auch nicht bei NAT sein muss, sondern eher dort, wo die Anlage weitgehend im Winter läuft, also bei vielen eher im Bereich -2 bis +2 Grad.

Klar sollte sein: Geringe Lüfterdrehzahl sorgt für eher schlechten COP. Eine JAZ von 5 unter diesen Bedingungen mit einer Multisplit wirst du da niemals erreichen, eher so eine 3,5-4.

Und auch daran denken: Wenn du Bereiche nur ab und zu heizt, brauchst du eine Menge mehr Leistung, um gegen die kalten Wände anzukommen.

1 „Gefällt mir“

Hallo ,

ich habe da Mal eine Gegenfrage zum " Schmutzbereich " der Werkstatt . In diesem werden Polierarbeiten ausgeführt ? . Es geht mir darum wenn Metallstäube anfallen, auch in kleinen Mengen , dann werden sie durch ein Klimageräte verteilt .

Zum Thema Deckenhöhe , es ergibt sich da die Möglichkeit die Decke abzuhängen und dabei ggf den Wärmeschutz und Lärmschutz zu verbessern .
Das würde ggf den Leistungsbedarf etwas reduzieren .

Bei einer hohen Decke gibt es noch die Möglichkeit eines Deckengeräte . Wäre das in der Werkstatt ( saubere Bereich ) eine Variante .

Das kalte Treppenhaus führt zu Abkühlung des Nachbaraums . Von Knauf gibt es Gipsplatten mit einer Isolierung dran , diese ist Feuchtraum geeignet . Vielleicht Mal darüber nachdenken .

Wie sieht das mit den Längen der Leitungen aus ?
Reicht das was der Hersteller , in diesem Fall Daikin , als maximale Länge vorgibt .

Gruß Eckard

@maronenbauer Danke für deine Ideen. Decke abhängen mit Akustik- und Wärmedämmung ist fest eingeplant, Isolierung zum Treppenhaus auch (als Vorsatzschale).
Metallstäube habe ich zum Glück keine in der Werkstatt.
Die Leitungslängen passen, da die Wohnung doch recht kompakt ist und der Aufstellort gut gelegen ist.

@uschi, Danke für die Einschätzung. Bei ausgekühltem Gebäude wird es sicherlich ne Weile brauchen, bis das warm ist. Zur Not habe ich dann aber natürlich noch ein paar kW von dem Holzofen zur Verfügung.

Wie schätzt ihr denn die Temperatur-Messgenauigkeit ein? Meine eine Daikin-Singlesplit Sensira RXC/FTXC35D (eine ganz simple aus Italien) macht das ziemlich schlecht. Die ausgeworfene, warme Luft erwärmt auch den Temperatursensor und unter der Decke ist es sowieso wärmer. Das führt an kalten Wintertagen dazu, dass man 24°C einstellen muss um 20°C im Raum zu bekommen. Ist natürlich nicht schlimm, stört aber mein “Ordnungsgefühl” :slight_smile: Kann das die Perfera besser? Oder kann man da etwas dazurüsten?

Hallo ,

die Messgenauigkeit ist bei keiner LLWP 100 % genau .
Das ist einfach den Preis geschuldet . Auch die Position des Gerätes spielen eine Rolle wegen den Luftstrom .
Manchmal kann es helfen den Sensor weiter im Raum zu verlegen .

Ich bin auch nur Anfänger in der Materie LLWP . Aber dank diesen Forums und ihren Admins kann man sich gut einlesen .

Gruß Eckard

1 „Gefällt mir“

Die Messgenauigkeiten sind nie 100%. Es gibt jedoch LLWP die ein anderes Konzept als Temperatursensoren im Gerät verwenden.

Emura und Stylish haben eine Infarotkamera mit 64 Pixel und messen die Oberflächentemperatur im Raum. Wenn ich im Winter 21,5° einstelle, zeigt mir die Daikin über den innenliegenden Temperatursensor 24° an, und heizt den Raum aber dennoch auf 21,5° weil der nicht über den innenliegenden Sensor sondern über die Kamera gemessen wird. Dies führt zu einer sehr angenehmen Temperaturregelung. Mitsubishi hat ein ähnliches Konzept mit den Diamond Wandgeräten. Leider kenne ich keine Erfahrungsberichte. Mit der Daikin Stylish (Rev B) bin ich unglaublich zufrieden.

1 „Gefällt mir“

@sebstian , danke für die Info. Ich hatte bei der Stylish die Beschreibung des Infrarot-Sensors schon gesehen, war mir aber nicht sicher, wie das in der Regelung umgesetzt ist. So wie du das beschreibst ist das ein wirklich sinnvolles System. Das alleine wäre mir den Aufpreis zwischen Perfera und Stylish wert. Und schicker aussehen tut sie auch noch :slight_smile: