Gibt es passend kleine Wärmepumpen für kleinen Neubau?

Hallo zusammen,

ich plane den Neubau eines kleines Haus mit 70 m². Heizung soll eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Fußbodenheizung werden. Über Luft-Luft / Split-Klima habe ich intensiv nachgedacht, mich aber nach Probewohnen dagegen entschieden.

Geschätzte Heizlast des Hauses inkl. Warmwasser ist ca. 2,8 ± 0,1 kW (davon 0,4 kW Warmwasser) laut Heizlastabschätzungstool des Grabenkollektorprojekts auf Basis eigener Berechnung des Transmissionswärmeverlustes (ca. 60 W/K). Durch Rumprobieren im Wärmepumpenrechner habe ich den Wärmeverbrauch auf 3,7 kW eingestellt, damit die dort ermittelt Heizlast des Hauses bei 2,4 kW rauskommt.

Gemäß Wärmepumpenrechner ist die kleinste dort hinterlegte Wärmepumpe mit 5 kW stark überdimensioniert. Die kleinste, die ich im Netz gefunden habe, ist die Bosch 5800i AW 4 OR-S mit, wenn ich das recht verstehe, 3,9 kW bei -7° und 1,8 bis 4,3 kW bei 2°. Auch damit sagt der Wärmepumpenrechner 99,9% Taktung voraus.

Fragen:

  1. Erscheint das plausibel oder mache ich etwas grob falsch?
  2. Kennt jemand eine Wärmepumpe mit deutlich geringerer (Minimal-)Leistung?
  3. Ideen?

Würde mich über Korrekturen und Anregungen freuen.

Ok, Klimasplit scheidet aus. Bei der geringen Heizlast würde ich auch weder Grabenkollektor noch Sole oder Wasserwärmepumpe nehmen.

Problem ist wie du schon anmerkst, eine Luft/Wasserwärmepumpe mit wenig Heizlast bzw. niedrigster Modulationsgrenze.

Es gibt die Panasonic Aquarea K 3KW. Leider finde ich kein Datenblatt dazu was die bei Minusgraden liefern kann. Das ist ein Hydro-Splitgerät. Da dran muss dann noch ein Tank für Warmwasser. Bei der ist aber in jedem Fall das Außengerät kleiner als bei den 5KW Geräten, was evtl. ein kleinerer Kompressor und daher weniger Leistung bedeuten würde.

Bei Splitgeräten geht die Leistung wohl noch etwas weiter runter, z.B. aroTHERM Split plus. Bei einem Neubau - bei der Fläche vermutlich ohne Keller - würde ich das Fundament bestmöglich dämmen und dann Betonkernaktivierung machen, sprich das ganze Fundament als Wärmespeicher. Damit sollte man dann wohl jedliches relevante Takten durch thermische Trägheit erschlagen können.

1 „Gefällt mir“

Er hat ja auch nur das Heizlasttool des Projekts benutzt. Bei Sole gibts ja wohl leider auch keine kleinen WP ...

Ich habe mal das Datenblatt gefunden:

Dort auf Seite 30 steht, dass sie bei -15°C und 35°C Vorlauftemperatur noch 3,2KW liefern kann. Die Minimalleistung steht nicht drin. Wenn ich raten müsste würde ich sagen 1000W Wärme. Weniger wird nicht gehen. Na wenn schon, dann taktet sie halt. Wie Jens schon schreibt, ganz generell bekommt man mit Fußbodenheizung genug Trägheit ins System.

1 „Gefällt mir“

Sehr witzig.

In der Übergangszeit läßt man die WP nur ein paar Stunden am Tag laufen. Da taktet überhaupt nichts. Schon garnicht mit fettem Fußbodenspeicher. Viel hängt aber von der persönlichen Einstellung der Steuerung ab. Da muß man schon eher Jahre als Monate für einplanen, dann läuft das fluffig.

Wenn keine passende 3kW zu finden ist, wäre eine 4 kW völlig in Ordnung.

Midea hat eine 4 KW variante, ist baugleich it der 6 kw und nur leistungs gedrosselt, und die kann deutlich unter die 4 kw runter regeln, ich selbst habe eine 8 kw und die hat bei 830w Stromaufnhme ca 2800-3000w heizleistung .

Vielen Dank für die Vorschläge und Anmerkungen.

Fasst das Folgende die Kernaussage angemessen zusammen?

  • Takten ist mit Fußbodenheizung kein großes Thema wegen Trägheit durch Wärmespeicher Fußboden (und Betonkernaktivierung wäre die Steigerung davon).
  • 4 kW Wärmepumpe ist daher bei knapp 3 kW Heizlast nicht problematisch überdimensioniert.

Die Lorbeeren für “99,9% Taktung” gebühren dem Wärmepumpenrechner. :wink:

2 „Gefällt mir“

Im Grunde ist es ja ganz simpel: Wenn eine Wärmepumpe bei 0 Grad auf 2kW Heizleistung runter modulieren kann und du bei 0 Grad 2kW brauchst, taktet sie gerade nicht mehr. Die kleinen Geräte kommen oft so bis 2kW runter. Und bei 0 Grad hat man oft noch viele Abtauzyklen, damit verliert man ja eh Leistung. Und wenns kälter wird, z.B. -5 Grad, wirst du deutlich mehr als 2kW brauchen bei 3kW Heizlast. Ich gehe mal von -10 Grad Normaußentemperatur aus, müsstest du vielleicht nochmal spezifizieren.

Takten ist ja auch kein grundsätzliches Problem, sie sollte nur nicht zu häufig takten. Bei einer Fußbodenheizung sehe ich da kein Problem, wenn du es geschickt regelst.

Die kleine Bosch AW 4 OR-S kommt sogar bis 1,6 kW runter bei 7 Grad und 35 Grad Vorlauf.

3 „Gefällt mir“

Wenn die Wohnung beispielsweise 0,5KW Wärme benötigen würde (und zwar zusätzlich zu den Wärmegewinnen) sind das 12kWh am Tag. Mit einer Wärmepumpe die nur bis beispielsweise 3KW runter kann wären das 4 Stunden Laufzeit. Wenn nun die Wärmepumpe 2x2 Stunden liefe,einmal morgens nach dem Aufstehen, einmal Nachmittags wenn man nach hause kommt, dann gäbe die FBH genug Trägheit das zu verteilen. Selbst bei 4 x 1 Stunde. Das sind 4 Takte am Tag. Davon 100 Tage sind 400 Takte. Dadurch dass sie nur am unteren Modulationsbereich läuft vereist sie nicht.

Ich denke auch, es wird egal sein ob 3KW, 4KW, 5KW. Ich würde danach auslegen, was man im Winter braucht, die geben sich alle nicht viel. Und wenn man sowieso baut wäre es sinnvoll eine zu nehmen die auch bei NAT, auch wenn die NAT nur an 10-15 Tagen ist, es mit der Wärmepumpe schafft und den verbauten Heizstab wirklich nur im “Notfall” nutzt.

Und da quasi 5KW Maschinen die Günstigsten sind, kann man eine von denen nehmen. Vielleicht sogar noch R290 denn dann geht man auf Nummer sicher, kann ggf. auch Förderung in Anspruch nehmen, bekommt es später nachgefüllt.

1 „Gefällt mir“

Danke für die weitere Erklärung und die Angabe zur Bosch. Hatte selbst nur Werte zu 2° und -7° gefunden, Minimalleistung nur bei 2°. Normaußentemperatur wäre rund -14°.

Interessant, dass 5 kW Maschinen die Günstigsten sind. R290 wäre in der Tat mein Favorit. Die Auswahl einen konkreten Modells steht aber erst in ein paar Monaten an.

Wärmepumpenförderung bei Neubau? Ich dachte bisher, es gäbe nur Förderung für Heizungstausch (und vergünstigen Kredit für KfW40 Neubau, wobei die zusätzlichen Bürokratiekosten einen erheblichen Teil des Zinsvorteils auffressen).

Darum hab ich meine Ohne jegliche Förderung mir aus Polen bestell und selbst eingebaut, zu einem Bruchteil was die angebote waren, und nein keine Bosch oder Viesmann oder wie die ganze China gelabelten dinger heißen.

Uns was haben Sie da in Polen bestellt und selbst eingebaut ?

Bei selber einbauen unbedingt vorher https://www.haustechnikdialog.de/Forum/30/Waermepumpen schauen ob es zu dem Modell auch eine ordentliche “Selbsthilfegruppe” im größten deutschen Wärmepumpenforum gibt.

Sonst kann es für den Laien eng werden bei Problemen und Einstellungssuche. Panasonic ist da das Paradebeispiel mit nahezu unendlicher Unterstützung durch das HTD.

1 „Gefällt mir“

Ferolli 8Kw WP

die aquarea 5kw mit R290 bringt bei 0 Grad so 1500 Watt minimum. Meine Heizlast ist ähnlich. So ab -3 bis -4 Grad läuft sich durch, davor eben nicht. da meine “fußbodenheizung” 20 cm dick ist, taktet da auch sehr wenig. bei 5 cm Estrich könnte das anders aussehen.

Ein Pufferspeicher der dann warmes Wasser bekommt, wenn die Fußbodenthermostate zudrehen würde das Probelm beheben. Also erst mit minimaler Vorlauftemperatur in den Fußboden und wenn der warm ist noch mit ein paar Grad mehr in den Pufferspeicher. Das braucht erstmal mehr Energie, aber ab einer Stunde wird die WP halt erst so richtig gut.

Für Warmwasser ist R290 gut geeignet. Bei der Heizlast dürfte auch ein großer Teil ihrer Aufgabe werden. Ich habe das Modell mit internem Tak (ca 180 Liter) Funktioniert gut, braucht aber eine Menge Energie (Stichwort Legionellen) Bei Platz würde ich da einen Hygienespeicher in den Keller setzen um da mit der Temperatur so weit runter zu können, wie es zum Duschen noch angenehm ist.

Es gibt auch Speicher die das beides erledigen, kosten halt entsprechend. Hier ein link dazu:

der Schichtungs-Wärmepumpen-Speicher puffert im unteren Bereich Wärme von der Fußbodenheizung und nutzt diesen bereits zur Trinkwasservorerwärumung. Im oberen Teil bekommt das Warmwasser die restliche Energie.

In wie weit das auch zum kühlen im Sommer funktioniert kann ich leider nicht sagen. Geschichtetes Wasser isoliert recht gut - könnte also funktionieren

1 „Gefällt mir“

Ergänzung: Wenn du deine Heizung über mqtt selber regeln möchtest, ist aquarea echt gut. Läuft bei mir problemlos über das LargeOS von Victron (node-red). Homeassistent geht auch.

Klingt spannend! Nach der nun geklärten Grundsatzfrage hat das Thema aber erst einmal einige Monate Pause - erst braucht’s mal das Haus an sich. :wink: