ESS Projekt mit "zwei Energieversorgern"

Hallo zusammen,

ich lese hier schon eine Weile mit und nach der letzten Auswertung meiner PV-Anlage "muss" ich nun ein ESS-System aufbauen.

Wie im Vorstellungsthread erwähnt habe ich seit 2020 eine 8.64kWp Anlage installiert (27x 320W, Delta M10A, Solarlog), die sich dieses Jahr amortisieren wird.

Aufgrund unseres Verbrauchsverhaltens (Serverraum, Mieter, Wärmepumpen, >35.000kWh/a), der Entwicklung des Energiemarkts und dem Vorhandensein eines Nerd-Gens möchte ich nun einen Speicher aufbauen.
Stand heute wird der Delta M10A von einem Solar-Log auf 70% abgeregelt (was Dank des Eigenverbrauchs sowieso nie überschritten wird). Der Vorteil von diesem genialen Gerät ist aber die Auswertbarkeit, die mir die Entscheidung zu einem Speicher extrem leicht gemacht hat.

Ich möchte nun, inspiriert durch dieses Forum, 3 Victron Multiplus II 5000 mit einem ~40kWh Speicher aufbauen und alle möglichen Flächen rund ums Haus mit PV erweitern. Im April kommt dann noch ein kleines Elektroauto für meine Frau, so dass der WAF auch geklärt ist :slight_smile:

Die große Herausforderung ist nun für mich, dass ich letztes Jahr noch einen 2 Jahresvertrag bei meinem langjährigen Energieversorger (der auch der Verteilnetzbetreiber ist) für 60ct/kWh unterschrieben.
Ich habe bekomme nun einen zweiten Zähler, den ich bei einem Börsenstromanbieter "anmelden" werde.
Somit würde ich (nach meinem Plan) den günstigen Strom (je nach Kurs) über den zweiten Zähler beziehen, im "Notfall" über den Bestandszähler beziehen. Einspeisen muss ich aber dann immer über den Bestandszähler.

Ich möchte nun per Schütz (gesteuert durch das Victron-System?!) vor dem MPII zwischen den beiden Zählern umschalten, wenn es nicht über Victron geht, dann eben über den ioBroker, der MPII sollte die Umschaltung ja unterbrechungsfrei überbrücken.
Damit der MPII hier nicht "unnötig überbrücken" muss, wäre mit der Schützsteuerung ja auch die Möglichkeit, die beiden "Stromquellen" einen kurzen Moment "parallel" laufen zu lassen (Phasengleicheit ist natürlich Voraussetzung).
Somit würde dann im Bezugsfall der "Börsenstromzähler" greifen, im Einspeisefall der "Bestandszähler".

Die Frage nun: Wie verhalten sich die beiden SIKRA-Zähler, wenn sie quasi für einen kurzen Moment (<1s) parallel geschaltet werden?

Dass es hierfür kein fertiges Anschalte-Schema vom EVU gibt ist mir klar :wink: Mein Schema wollte ich gerade mit anhängen, was vom Forum aktuell nicht erlaubt wird(?).
Ich hoffe, ich habe mein Vorhaben einigermaßen klar geschildert.

Du bist auf dem richtigen Weg. Dein Vorhaben gefällt mir.

Der Multiplus hat drei Anschlüsse. Für dein Vorhaben kann ich mir vorstellen, dass das Einspeisenetz auf AC-In angeschlossen wird und des Hausinterne Netz mit dem günstigen Anbieter an AC-Out1. Dann ist der Multiplus der Schütz. Regeln kann man mit Victron fast alles.

@solarfreund Danke für die Blumen.

Der Multiplus II hat aber meines Wissens nach nur einen AC in, somit muss ich die Umschaltung "extern" lösen.
Deswegen auch die Frage bezügliche der kurzzeitigen "Parallelschaltung" der Zähler.

Ein Quattro wäre meinen Recherchen nach dann wahrscheinlich direkt dafür geeignet, wenn ich auf die externe Umschaltung verzichten möchte. Allerdings weiß ich nicht, was ich mir dadurch an anderer Stelle an Nachteilen einfangen könnte.

So, der zweite Zähler wurde nun gesetzt. Warten wir mal noch auf den Code..

Nach langem überlegen werde ich wohl keine unterbrechungsfreie Umschaltung machen, sondern ein paar Sekunden Pause zwischen der Ab- und Anschaltung einrichten, das sollten die Batterien mit den max. 20ms Umschaltzeit auf "USV-Betrieb" ja zuverlässig packen.

Dann werde ich jetzt mal an die Bestellung der Komponenten gehen, wenn ich so auf die aktuellen Daten der Bestandsanlage schaue müsste ich eigentlich schon fertig mit dem Bau sein :smiley:

Bezüglich der Sicherheit habe ich mir überlegt, die drei MPII5k samt Batterien in den Schuppen im Garten zu verlagern. Dieser ist unterkellert und somit stören keinerlei Geräusche und wenn die Batterien wirklich mal ein Eigenleben entwickeln sollten, dann kann ich zumindest vom Wohnzimmer aus der Feuerwehr beim Löschen zuschauen und bekomme keine warmen Füße.
Außerdem kann ich die neuen "Garten-PV-Anlagen" gleich per DC in den Akku laden lassen, da ich hier kurze Wege zum ESS habe.

Für mich stellt sich nun die generell Frage, ob ich über den ACin einfach nur parallel ans Netz gehe oder das Haus über den ACout hänge.

Stand heute geht bereits eine Leiitung mit 5x6² (30m, gebaut noch lange, bevor ich an Energiewende usw. gedacht habe) von der Hauptverteilung/Zählerplatz zum Schuppen auf eine Unterverteilung, von dort aus geht es mit 5x10² (50m) zur Garage mit der Wallbox.

Option 1 wäre der parallele Betrieb, aus meiner Sicht, ich bräcuhte keine zweites Kabel zurück vom Schuppen an die Hauptverteilung/Zählerplatz, die Garage mit der Wallbox könnte am ACout angeschlossen werden (das Auto wäre somit notstromfähig :D).

Option 2 (aus meiner Sicht die professionelle, nachhaltige): Ich tausche die 5x6² gegen 5x16² aus (oder lege parallel dazu noch einmal 5x10², also in Summe 5x16²???) und lege zusätzlich noch die Leitung vom Schuppen zurück zum Zählerplatz mit 5x16². Dann müsste ich am Zählerplatz quasi nur das ESS "seriell einschleifen".
Die PV mit dem AC-Wechselrichter würde ich dann auch an den ACout anschließen, zwecks der Notstromfähigkeit.
Die Garage wird dann auch direkt am ACout abgegriffen.

Die ganze Umschaltung zwischen den beiden Energieversorgern/Zählern würde ich dann direkt im Zählerplatz/Hauptverteilung machen.
Durchlauferhitzer (als "Nachbrenner" zur solar betriebenen Frischwasserstaion) und LW-Wärmepumpe können wegen mir erst einmal parallel am ACin bleiben, dann muss ich diese Lasten nicht kreuz und quer übers Grundstück jagen, sind ja auch in Summe 60m "Verluste".

Die Kommunikation müsste komplett über IP laufen, es existiert ein Glasfaser-Netz zwischen Haus, Schuppen und Garage. Sofern RS485/CAN zum Einsatz kommen muss, müsste ich noch ein passendes Kabel (CAT6a?) mitverlegen.

Mein Delta AC-WR wird aktuell per Solarlog über RS485 geregelt (70%). Bekomme ich das so irgendwie mit an das Venus OS (virtualisiert) angebunden um die Abregelung zu realisieren? Oder: Wenn der Delta am ACout hängt, dann sollten die MPII doch per Frequenzanhebung den Delta abregeln können, oder habe ich da einen Denkfehler?

Achja, und die MPII und das Venus OS könnten nur per IP kommunizieren, da die Virtualisierung im Serverraum und nicht im Schuppenkeller, also räumlich getrennt läuft. Geht das, oder ist zwingend VE/RS485/whatever zwischen den Komponenten nötig?

So, viele Ideen und viele Fragen. Ich bin gespannt, wer meinen Gedankengängen folgen konnte und freue mich über Feedback und konstruktive Kritik :slight_smile: