EcoFlow Stream Ultra: Seltsames Verhalten Nachts, verbraucht dauerhaft 120 W

Hallo zusammen!

Ich habe seit einiger Zeit ein EcoFlow Stream Ultra Balkonkraftwerk mit 4x 500 W Modulen. Über einen Shelly 3EM Pro 3CT63 regele ich die Einspeisung der Anlage ins Hausnetz per Bluetooth über eine Home Assistant Automation, da der 3CT63 von der Stream Ultra nicht als EM unterstützt wird. Soviel erstmal grob zu dem Setup.

Mir ist nun vor einigen Tagen ein seltsames Verhalten der Stream Ultra in der Nacht aufgefallen, das ich mir nicht richtig erklären kann.

Das Gerät hängt bei mir an einer Netzsteckdose im Heizungsraum an Phase 2 und ohne das Gerät liegt auf der Phase immer eine Leistung von um die 80 W an.

Tagsüber wenn die Stream Ultra arbeitet sieht man auch schön, wie auf der Phase 2 eingespeist wird, weil der Shelly dort dann negative Werte misst und alles funktioniert prima.

Irgendwann ist die Sonne dann weg und die Batterie ist bis an die “Backup Reserve” entladen. Über die Automation stelle ich dann den Wert der Einspeisung ins Hausnetz auf 0 W.

Dann wird es wild: Jetzt zieht die Stream Ultra plötzlich 120 W dauerhaft Strom und das die ganz Nacht. Trenne ich den Netzstecker werden auf der Phase wieder nur die üblichen rund 80 W angezeigt. Stecke ich den Netzstecker wieder ein kommen 120 W Last dazu.Es ist also definitiv die EcoFlow Stream Ultra, die diese Last erzeugt.

Ich habe dann viel ausprobiert (andere Einstellungen, 10 W statt 0 W als Einspeiseziel gesetzt, “Feed Grid” an/aus usw.), das hat aber das Verhalten nicht geändert.

Also habe ich die Batterie mal 5% geladen indem ich die “Backup Reserve” auf 18% gesetzt habe und danach habe ich die “Backup Reserve” wieder auf 13% gesetzt und als Einspeiseziel 10 W gesetzt. Dann verschwindet die 120 W Dauerlast. Es hat also definitiv irgendwas damit zu tun, wenn der SoC der Batterie den Wert der “Backup Reserve” erreicht.

Gelöst habe ich das im Moment erstmal, in dem ich eine Schaltbare Steckdose zwischen StreamUltra Netzanschluss und Steckdose gesetzt habe. Diese Steckdose schalte ich abends ab, wenn der SoC gemittelt über 10 Minuten < 20% wird und die PV Leistung gemittelt über 10 Minuten < 1 W. Morgens wird die Steckdose wieder eingeschaltet, wenn die über 10 Minuten gemittelte PV Leistung > 120 W erreicht. Wenn keine Verbindung zum Hausnetz besteht versorgt sich die Anlage selbst aus der Batterie, ich kann also weiterhin per Bluetooth mit der Anlage kommunizieren.

Das ist nun erstmal eine Lösung für dieses Problem, aber ich würde gerne verstehen warum das so ist, oder ob ich generell die Anlage einfach falsch verstehe oder betreibe. Ich meine das Ding zieht nachts dauerhaft so viel wie ein Fernseher und verbraucht in der Zeit um die 1 kWh für’s nichts tun. Das kann doch irgendwie nicht sein und auch nicht so gedacht sein. Gibt es vielleicht andere Lösungansätze, als die Anlage nachts vom Hausnetz zu trennen? Kennt jemand dieses Problem und kann mir das erklären?

LG und eine sonnige Woche!

Check doch mal die These, ob das Teil wirklich die 120W schluckt. Das müsstest du durch deutliche Erwärmung erkennen können. Optimal, wenn man dafür eine Wärmebildkamera hat.

Ich habe leider kein Wärmebildgerät. Was ich gemacht hatte um auszuschließen, dass der Shelly falsch misst ist, mit einer Messsteckdose zu überprüfen, was der Shelly bei einem normalen Verbraucher (Akku vom Dyson laden - war schon Nacht und wollte meiner Frau nicht mit einem Fön wecken) auf der Phase anzeigt und das kam soweit hin.

Ich habe gerade noch mal in die Historie in Home Assistant geschaut. Es ist heute Nacht auch wieder passiert, nachdem der SoC an die Grenze der eingestellten Reserve angekommen war (13%). Ich hatte die Anlage am Netz gelassen um sehen zu können, wie viel der SoC absinkt auch wenn die Anlage eigentlich “nichts” macht und das geht tatsächlich leider ziemlich fix.

Ich gehe erstmal davon aus, dass die Messung des Shelly korrekt ist. In der History sieht man, erreicht der SoC den Backup Reserve Wert, dann kommen zu den run 80 W auf der Phase auf einmal ~ 120 W dazu. Ich kann es ja auch reproduzieren wenn ich der Anlage in diesem Zustand den Netzstecker ziehe und wieder einstecke.

Meinst du der Shelly misst nicht richtig?

Ging mir erstmal darum, die These zu sichern, nicht dass man sich von Anfang an auf die falsche Fährte macht. Hast du ein Energiekostenmessgerät, was du direkt mal vor den Speicher hängen kannst?

Bei einem Speicher ist ja auch die Frage: Werden die 120 W verheizt oder werden sie eingespeichert?

Aber wie auch immer, wenn das tatsächlich bei dem Speicher so ist, dass der 120 W Bezug hat, wäre das schon ein Hammer und ziemlich unverständlich. Wir sind ja auch nicht im Winter, wo man auf eine Akkuheizung tippen könnte.

Ein Energiekostenmessgerät habe ich leider nicht, nur so Messsteckdosen (Tuya), falls du das meinst.

Eingespeichert werden die 120 W definitiv nicht, der SoC steigt nicht mehr. Und die Zellentemperatur der Batterie war laut Datenpunkt von der Stream Ultra bei 34°C und ist dann über die Nacht um wenige °C gefallen. Laut Datenblatt heizt die Stream Ultra erst ab 5°C oder weniger. Das kann es also auch nicht sein. Das Gerät steht im Heizungsraum und da ist es eh nie kalt.

Ich verstehe nicht, was die Anlage da macht. Es ist total seltsam.

Mein shelly misst kräftig daneben im Bereich <1000W, vor allem bei nicht-Widerstand-Lasten. Prüf erstmal das. Besorg dir einen 1ph Ferrariszähler und steck den dazwischen. (Wennst des mit nochm shelly oder so gegenprüfst hast wieder andere Messfehler und dann gehts ganz durchnander)

Danke für den Tipp. Würde so einer dafür gehen?

Ja, soas kannst du nehmen. Bau dir aus Holz ein kleines Gestell, damit der wirklich genau senkrecht betrieben wird.

Sowas brauchst du aber nur, wenn du recht genau messen willst. In aller Regel reicht ein viel praktischeres Energiekostenmessgerät. Oder auch deine Tuya Messsteckdosen. Damit mal prüfen, ob der Speicher wirklich die 120W zieht. Da kommts ja auch nicht auf +- 10% an.

Energiekostenmessgerät sowas hier:

Vielleicht versucht das Ding damit die Tiefentladung des Akkus zu verhindern.

Je nachdem, wie gross der Akku ist, und was alles aus dem Akku gezogen wird, solange er nicht leer ist, kann es sein, dass man das weder an der Temperatur noch am Ladestand sieht. Wenn die 120W nur die Verluste sind, die sonst aus dem Akku kommen, dann würde der sonst tiefentladen.

Bei meiner Solar - Notstromversorgung habe ich auch so etwas vorgesehen. Wenn zu wenig Solarstrom zur Verfügung steht und der Akku leer werden will, wird ein 600W Netzteil eingeschaltet, das bei Bedarf die Last von ca. 300 bis 400W liefern kann und sonst die Grundlast von ca. 50W liefert und den Akku wieder auf ca. 20% hebt, solange es Netzstrom gibt. Dann steht wieder ein wenig Reserve für kurze Netzstromausfälle zur Verfügung. Wenn der Akku tagsüber aus Überschuss ausreichend geladen wurde, reicht es mit 1,8 kWh über Nacht ohne das.

Ich habe den mechanischen Zähler jetzt bestellt, ist auf jeden Fall nützlich sowas zu haben und werde damit mal messen.

Interessant ist, wenn ich das mit der Tuya Messsteckdose messe:
Stream Ultra speist laut Shelly mit z.B. 750 W ins Hausnetz ein → Messsteckdose zeigt korrekt 750 W an.
Stream Ultra im Nachtmodus bezieht laut Shelly 120 W → Messsteckdose zeigt 5 W an.

Weird. Ich denke ich messe das noch mal mit dem mechanischen Stromzähler. Vielleicht ist es doch ein Messfehler vom Shelly. Aber bei echtem Leistungsbezug also ordentlich in den Akku reinladen z.B. oder eben Einspeisung ins Hausnetz misst der Shelly auf der Phase definitiv korrekt, es passt mit dem was die Messsteckdose misst genau überein. Nur eben Nachts nichts.

Ich werde berichten.

1 „Gefällt mir“

Es gibt dafür bei der Stream Ultra zwei Stellschrauben: Man kann die Minimale Entladungsgrenze setzen (bei mir 10%) und die Backup Reserve. Das System erzwingt dabei, dass die Backup Reserve immer etwas höher ist als die Entladungsgrenze (irgendwie absurd).

Es wird aber halt nichts in den Akku geladen, denn 120 W wären ja 0,12 kWh und der Akkustand wird eben nicht mehr.

Ich denke inzwischen eher, dass es sich doch um einen Messfehler handeln könnte s.o.

Bist du sicher, dass du vom Shelly die Wirkleistung und nicht die Scheinleistung abliest?

Ja. Sind zwei gesonderte Datenpunkte. Siehe aktueller Screenshot aus Home Assistant:

1 „Gefällt mir“

Ich würde auch einen Phasendreher mal in den Bereich des Möglichen schieben :wink:

Weil da eine negative Zahl steht? Das ist ja korrekt so, es wird gerade eingespeist. Und wie gesagt: Ansonsten stimmt die Messung vom Shelly mit einer Messsteckdose an der Phase überein, oder was meinst du mit Phasendreher?

Ich würde da auch jede Phase mal prüfen, ob korrekt verkabelt. Dafür z.B. Wasserkocher mal an unterschiedliche Steckdosen anschließen und schauen, ob die 2000 W oder was der braucht, sichtbar wird. Und an so vielen Steckdosen testen, bis du wirklich alle 3 Phasen einmal geprüft hast.

Ach, ob die Messfühler am Shelly richtig auf die entsprechenden Phasen gesteckt sind war gemeint. Okay das teste ich noch mal durch. Bisher erschienen mir die Werte halt stimmig. Wenn ich den Fernseher im Wohnzimmer anschalte kommen auf Phase A 120 W dazu usw. Aber ich teste es noch mal gezielt durch.

Genau - das war bei mir zu Beginn auch der Fall mit dem exakt gleichen Fehlerbild.
War vom Elektriker gemessen und angeschlossen… und trotzdem falsch ^^
Nach der Korrektur (richtiger Fühler auf passender Phase) war alles sauber.

Super, danke. Ich teste es und hoffe es liegt tatsächlich nur daran. :slight_smile:

Problem gelöst, die Messfühler vom Shelly waren tatsächlich vertauscht. Bin mit dem Wasserkocher durch die einzelnen Stromkreise gegangen und habe überall einen zu niedrigen Leistungsfaktor bekommen und nur die Hälfte der erwarteten Leistung (1,1 kW statt 2,2 kW) wurde vom Shelly gemessen. Mit einer Messsteckdose habe ich geprüft wie viel der Wasserkocher tatsächlich verbraucht, um auszuschließen, dass er wirklich das zieht, was auf dem Gerät angegeben ist.

Kurzum: Messfühler noch mal umgesteckt, mit dem Wasserkocher noch mal durchgegangen und nun bekomme ich an allen Phasen einen korrekten Leistungsmesswert mit einem Leistungsfaktor von 1. Das Phänomen, dass die Stream Ultra an der Backup Reserve Grenze diesen komischen Messwert erzeugt ist auch verschwunden.

Vielen Dank für eure Hilfe! Ich bin super froh, dass jetzt alles stimmt. :slight_smile:

3 „Gefällt mir“