Dimensionierung / zentralen Warmlufterzeuger ersetzen

Gude zusammen aus Hessen,

ich lese schon eine Weile zu verschiedenen Themen mit und bin sehr dankbar für all die prima Infos hier im Forum. Meine Situation ist aber schon etwas speziell, daher hier mein erster Post.

Hintergrund: ich möchte unsere Heizung umrüsten auf Splitklima-Anlagen. Da wir derzeit schon mit einem Gas-Zentral-Warmlufterzeuger heizen und dementsprechend keinen Wasserkreislauf im Haus haben drängt es sich quasi auf.

Ist-Zustand: Haus von 1971 in Holzständer-Bauweise, Keller allerdings Beton, Stein, Betondecke, Gesamtfläche beträgt 133 m². Bei der Renovierung im Keller wurden im Boden Styroplatten verbaut, die Wände mit Dämmputz verputzt und die abgehängten Decken sind mit Glaswolle gefüllt. Zu den Dicken von Styro und Putz kann ich leider nichts sagen. Inzwischen haben wir komplett neue Fenster und Türen, im Keller nur 2-fach verglast, der ganze Rest 3-fach. EG und OG haben zumindest Steinwolle in den Hohlräumen. Bisher haben wir umgerechnet zwischen 19.000 und 21.000 kWh Gas in einem Jahr verbraucht (1900 - 2000m³). NAT ist bei -10,7 Grad.

Ich frage mich allerdings, wie aussagekräftig diese ~20.000 kWh sind. Die Werte sind noch mit den alten Fenstern, und die waren ziemlich durch! Und die Heizung funktioniert so, dass sie 50/50 Frischluft/Raumluft ansaugt und per Überdruck in die Räume bläst. Bedeutet, dass über Lüftungsöffnungen ein gewisser Teil direkt wieder der lieben Umwelt zugeführt wird. Besonders effizient ist das alles sicher nicht.

Erste und wichtigste Frage ist also die Dimensionierung. Ich möchte noch dieses Jahr im Keller mit einer Anlage starten und Erfahrungen sammeln. Da der Temperaturfühler für die derzeitige Heizung in der Stube hängt ist bei gewissen Voraussetzungen der Keller nach 2-3 Tagen nur noch bei 17-18 Grad. Nämlich wenn es Minusgrade hat, aber die Sonne die Stube gut aufwärmt.

Ich habe noch mehr Fragen, mache aber hier erstmal einen Punkt.

Mich würden Meinungen interessieren, wie man den bisherigen Verbrauch interpretieren kann. Oder muss ich es vielleicht doch noch anders angehen?

Rein "gefühlt" würde ich mit einer 3,5kW-Anlage im Keller starten. Zu beheizen sind dort 2 kleine Räume, IG soll allerdings im Flur hängen. Kleines Bad soll indirekt mitversorgt werden.

Bin gespannt auf die Meinungen und sage schonmal vorab Danke!

VG
Patrick

Hast du U-Werte der Wände? Und das Dach ist gedämmt?

20.000 kWh sind schon recht viel für 133m². Das hört sich nicht nach gutem Dämmstandard an, aber du schreibst ja, das war mit alten Fenstern. Und du hast eine Menge Verluste über dein altes Heizsystem.

Wenn ich es richtig verstehe, willst du ganz normale Split-Klimageräte verbauen. Dann müsstest du mal die Raumgrößen schreiben, die du beheizen willst.

Das funktioniert nur, wenn recht gut gedämmt. Wirst du vermutlich nicht haben. Wird wohl so eher nicht funktionieren, du bekommst zu wenig Wärme durch die Türen.

Wovon es auch noch abhängt, welche Ziel-Temperaturen du wo erreichen willst.


Hi win,

hier mal ein Plan vom Keller. Hauptaugenmerk sind “Arbeitsraum” und “Hobbyraum”, da würde ich den Luftstrom hinschicken wollen. Also entweder einfach irgendwo zwischen gerade nach unten bis 45 Grad nach vorn. Die Position des IG habe ich rot eingezeichnet.

Die beiden Räume haben nur ca. 9 bzw. 12 m². Daher das Gefühl, dass die nächsthöhere Kategorie 5 kW überdimensioniert wäre. Keller und Abstellraum sind nicht beheizt und die Türen dauerhaft geschlossen.

Derzeit leben wir gut mit 20,5 Grad tagsüber, nachts 16.

Das Dach ist nicht gedämmt, aber die oberste Geschossdecke.

Für U-Werte müsste ich mal in den Unterlagen stöbern.

Achja, wir kochen auch mit Gas und haben eine Gastherme für eins der Bäder, aber das ist vermutlich vernachlässigbar. Andererseits, Kleinvieh macht auch Mist.

Wenn du im Keller nur bedarfsweise heizen willst, musst du gegen einen ausgekühlten Raum heizen. Da ist es sehr fraglich, ob du genügend Wärme über den Flur in die Räume bekommst. Die Anlage müsste dann auch oft in einem recht ineffizienten Bereich arbeiten.

Das würde ich also eher als experimentellen Aufbau machen und wenn es nicht funktioniert, dann umbauen. Oder aber erstmal mit Heizlüfter testen, ob das was werden kann.

3,5kW für beide Räume dürfte passen.

Wo du auch aufpassen musst: Das dir die Wärme nicht nach oben hin abhaut ins Erdgeschoss. Ist da eine Tür dazwischen?

Moin,
heute werden Anlagen zur Belüftung der Räume mit einem Wärmetauscher versehen. Die verbrauchte Luft wird abgesaugt und nach draußen geblasen. Die frische Luft von außen wird rein geblasen. Beide Luftströme werden über einen Plattentausche gelenkt, so dass der verbrauchten Luft die Wärme entzogen und die Frischluft aufgeheizt wird. So ein Wärmetauscher kann um 90% der Wärme zurück gewinnen. Das wäre mein erster Gedanke, um den Wärmeverbrauch zu senken. Ebenso würde ich in Erwägung ziehen, das Heizregister im Zuluftstrom von der Gasheizung zu trennen und mit einer WP zu verbinden. Da die Luft zwangsgeführt wird, sollten geringe Vorlauftemperaturen möglich sein. Dann würde die vorhandene Wärmeverteilung durch die Luftverteilung effektiver genutzt.

L.G.

Hi,

U-Werte habe ich leider für die Kellerwände nicht gefunden. Ich habe ein Foto von während der Renovierung eines Kellerraums gefunden, siehe Anhang. Eine der Außenwände (die mit den großen grauen Porenbetonsteinen) ist "unter Erde", der Rest mit den roten Ziegeln ist über der Erde. Wände insgesamt haben etwa 33 cm, wie gesagt innen mit Dämmputz. Außen ist es verkleidet mit–ich glaube–Quarzit.

Die beiden Räume sollen schon durchgehend beheizt werden. Eine Tür kommt allerdings erst oben im EG zum Treppenabgang. Falls es sonst tatsächlich nicht reichen würde könnte ich allerdings bis hin zu einer Trockenbauwand mit Tür unten im Flur aufrüsten.

Von Daikin gibt es ja auch eine Cold Region mit 4kW, die geht laut Daten bis 0,8kW Heizleistung runter, das klingt als würde sie ähnlich modulieren können wie die etwas kleineren. Da habe ich evtl. etwas mehr Sicherheit?

@deff: Ja, es ist definitiv geplant, die vorhandenen Luftauslässe umzunutzen und kleine Anlagen mit Wärmetauscher einzubauen. Erstens weil sie dann keinen Nutzen mehr haben und weil die Frischluftzufuhr durch die alte Heizung ja irgendwann wegfällt.

Die alte Luftverteilung weiter zu nutzen klingt an sich gut. Ich bin mir nicht sicher, ob es den Aufwand lohnt. Da müsste man ein Kanalgerät irgendwie an das Rohrsystem anflanschen. Zumindest datenmäßig stehen die Kanalsysteme ja etwas schlechter da. Habe dazu noch keinerlei Erfahrungsberichte gesehen. Handwerklich bin ich auch eher auf der Soft- als auf der Hardware-Seite. :wink:

Gruß

Das ist leider alles sehr schwammig, damit kann man keine Aussagen treffen. Dämmputze gibt es in stark unterschiedlicher Dämmwirkung und dann ist ja auch die Dicke entscheidend.

Wenn es jetzt bald außen 0 Grad hat, teste doch einfach mal, wie du die Kellerräume mit einem 2kW Heizlüfter warm halten kannst. Oder jeden Raum mit Heizlüfter genau vermessen. Infos dazu hier, Alternative 6:

So, wie du geplant hast wo das IG hängen soll: Du bekommst die Wärme dort nicht los. Die Türen sind Engpässe, da geht nicht viel durch. Also überhitzt der Flur ganz schnell und die Anlage ist viel am Takten.

Eine Nepura kann ich mir da nicht so recht vorstellen.

Was sind das eigentlich für weiße Platten an der Ziegelwand?

Die Vorgänger hatten die Wände mit Styropor gedämmt mit einer Holzverkleidung darüber, das sind die weißen Platten.

Den Tip mit dem Heizlüfter werde ich mal ausprobieren, so ein Teil kostet ja nicht viel. Ich hatte über den Thread auch sicher schon 2 Mal drübergelesen, aber das kam mir jetzt nicht in den Sinn.

Habe auch nochmal nach Kanalgeräten geschaut und da durchaus jetzt eine bessere Vorstellung von einer evtl. Installation. Die schaffen halt nicht ganz die Effizienz von Single Split-Anlagen, aber in meinem Fall hätte es wohl auch viele Vorteile, werde ich genauer anschauen.

Datenlage ist bei mir leider miserabel, von daher sicher gut, das experimentell zu testen.

Ein weiterer Punkt, wo es bei mir mit der derzeitigen Anlage Effizienz kostet ist sicher auch die angesaugte Außenluft. Die muss ja temperaturmäßig stärker angehoben werden.

Hallo @pgu

leider komme ich nicht vom Fach. Das Errichtungsjahr deines Gebäudes und deine Beschreibung der Heiztechnik lassen mich vermuten, dass es effizienter gehen sollte. Der ständige Luftaustausch - offenbar ohne Wärmerückgewinnung - könnte die Wirkung von dauernd geöffneten Fenstern haben.

Als Laie hab ich mir vorgestellt, dass ein Heizregister, ähnlich einem Kfz Kühler im Ansaugschacht angebracht ist. Die Gasheizung erhitzt dann erst Wasser, dass dann durch das Heizregister gepumpt wird. Wenn es so wäre, dann könnte die Gasheizung gegen eine LWWP ausgetauscht werden. Ggfls muss ein anderes NT Heizregister verbaut werden. Zudem ist im Bereich des Ansaugens/Ausblasens eine Wärmetauscher gewiss hilfreich.

Mein Erfahrungen beschränken sich auf eine reine Raumluftanlage mit Wärmetauscher. Die hatte ich in einer 120 qm Wohnung (über 2 Etagen). Damals waren Kreuztauscher üblich mit 70% Wirkungsgrad. Im Wohnzimmer stand ein Kaminopfen (7 kW). Wenn der Wärme produzierte, wurde sie über den Wärmetauscher allen Räumen zugeführt. Auch unbeheizte Räume wurden damit erwärmt. Der Einbau meine Anlage in das 30ger Jahre Haus hat mich damals recht viel gekostet (vermutlich 5-6 TDM). Ich habe die gute Luft sehr genossen. Daher wäre es m.A. gut, wenn die Anlage ümgerüstet werden kann.

Vielleicht machst du bei Gelegenheit mal Foto´s von deiner Heizung und stellst sie hier ein. Dann melden sich eventuell einige Fachleute.

L.G.