Hallo Zusammen,
nachdem ich hier im letzten Jahr viel mitgelesen und mir diverse Beiträge auch bei der Entscheidungsfindung und Optimierung geholfen haben,
wollte ich hier einmal selbst unsere Anlage vorstellen in der Hoffnung damit auch jemanden helfen zu können.
Das es doch sehr viel Text geworden ist habe ich versucht es sinnvoll aufzuteilen, damit man schnell einen Überblick bekommt und interessante Punkte findet ohne alle lesen zu müssen.
Die Ausgangssituation:
Wir haben 2024 eine ungedämmte Doppelhaushälfte BJ 1996 bezogen, welche mit eine Gasheizung und 120L Brauchwasserspeicher ausgestattet war.
Wohnfläche knapp unter 100m²
Im Erdgeschoss war Fußbodenheizung verlegt und im Obergeschoss Heizkörper verbaut.
Die Gasheizung war so alt wie das Haus und befand sich inkl. Wasserspeicher auf dem Dachboden, da das Haus keinen Keller oder Technikraum hat.
Die Vorbesitzer hatten im Wohnzimmer einen großen gemauerten Kaminofen, mit welchem sie das Haus überwiegend beheizt haben. Deshalb war die Fußbodenheizung im EG über Jahre komplett abgeschaltet.
Den Kamin haben wir aufgrund der Größe entfernt und die Fußbodenheizung wieder in Betrieb genommen.
Leider haben wir im ersten Winter festgestellt, dass sich die Temperatur aufgrund des Alters der Anlage und der allgemein schlechten Regelungsmöglichkeiten schwierig bis gar nicht regulieren lies.
Wenn alle Heizkreise geöffnet waren war es immer zu warm, sodass wir einzelne Heizkreise abschalten mussten um eine erträgliche Raumtemperatur zu erreichen.
Die Vorlauftemperatur war laut Heizkurve auf 40 Grad eingestellt, weiter runter ließ die Heizung nicht zu.
Lange Rede kurzer Sinn: Die Heizung war kurz vor der 30 Jahre Grenze und lief eher schlecht als recht.
Nachdem auf der ersten Gasrechnung dann auch ein Verbrauch von 21.000 Kwh stand war uns dann entgültig klar, dass schnell eine Alternative her musste.
Die Überlegungen:
Mit Gas wollten wir aus diversen Gründen nicht mehr heizen, weshalb relativ schnell der Fokus auf die Wärmepumpe viel.
Zunächst war die Überlegung das Wassergeführte Heizsystem weiterzuverwenden bzw. die Heizkörper im Obergeschoss durch Fußbodenheizung zu ersetzen um mehr Heizfläche zu schaffen.
Letztlich war das Problem aber immer die Positionierung der zentralen Heiztechnik.
Der 120L Brauchwasserspeicher war vorher für 4 Personen schon zu klein und in Kombination mit Wärmepumpe, die gerne mal ein paar Stunden zum Erwärmen von Wasser benötigt noch weniger zumutbar.
Nachdem wir verschiedene Optionen geprüft und auch mit dem Heizungsbauer unseres Vertrauens gesprochen haben, haben wir die Idee mit der Lust-Wasser-Wärmepumpe wieder verworfen.
Die Lösung:
Glücklicherweise gab es im letzten Jahr speziell nach der Heizperiode Anfang 2025 viele Beiträge zum Thema heizen mit Split-Klimageräten, so dass man ein recht gutes Gefühl dafür bekommen hat was möglich ist.
Mit dem Gedanken im Hinterkopf habe ich mich dann an die Planung gemacht und bin schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Haus gut geeignet wäre für Klimageräte,
da wir einen recht großen Balkon haben, auf welchem die Außeneinheiten quasi unsichtbar aufgebaut werden können und über die Außenwand alle relevanten Räume gut erreichbar sind.
Also haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und nach einer selbst durchgeführten Heizlastberechnung via Heizreport unseren Auftrag auf MyHammer inseriert.
Die Installation sollte durch eine Fachfirma durchgeführt werden, da ich zu dem Zeitpunkt genügend andere Baustellen am Haus hatte und wir aufgrund der kompletten Erneuerung unseres Heizsystems gern die entsprechende KFW-Förderung in Anspruch nehmen wollten.
Auf das Inserat haben sich mehrere Firmen gemeldet und in den Angeboten waren alle großen Klimahersteller vertreten: Panasonic, Daikin und Samsung.
Samsung hat unserer Meinung nach das beste Design bei den Inneneinheiten, ist aber nicht förderfähig.
Die Panasonic Anlage ist tatsächlich durch die Förderung teurer geworden als ohne, da die Förderung eine Netzdienlichkeit vorsieht, die bei Panasonic mit einigen hundert Euro Aufpreis PRO INNENEINHEIT zu Buche geschlagen hätte.
Deshalb und aufgrund der vielen überwiegend positiven Erfahrungswerte die man so findet und der Fertigung in Europa viel die Entscheidung letztlich auf Daikin.
Da die alte Gasheizung auch Warmwasser bereitgestellt hat musste dementsprechend auch dafür eine Lösung her.
Da wir wie bereits erwähnt keinen separaten Technikraum haben und der neue Speicher nicht wieder auf den Dachboden sollte haben wir nach einer möglichst platzsparenden Lösung gesucht.
Auch dafür hatte die Firma, welche uns das Angebot für die Daikin unterbreitet hatte eine passende Lösung.
Eine Split-Brauchwasser-Wärmpepumpe von Sinclair mit einem 200L Speicher welcher gerade einmal die Grundmaße von 45cm im Durchmesser hat.
Den Platz für einen derart kleinen Speicher konnten wir durch verändern einer Wand im Flur schaffen.
Als Heizung im Badezimmer und Gäste-WC kommen Infratrotheizungen an der Decke zum Einsatz
Technische Daten Heizung:
Daikin 5-fach Multisplit
Außeneinheit: Daikin 5MXM90A2V1B9
Inneneinheiten: 3x 2KW Daikin Perfera (Schlaf-/Kinderzimmer), 1x 2,5KW Daikin Perfera (Dachgeschoss), 1x 4,5KW Daikin Stylish (Wohnzimmer)
Zur Unterstützung bei extremen Wetter und fürs Feeling steht zentral noch ein 6KW Kaminofen im Wohnzimmer.
Technische Daten Warmwasser:
Außeneinheit: 3,5KW Sinclair SWH 35ERA2
Speicher: 200 Liter Sinclair SWH 200de mit 1,5KW Heizstab
Die Förderung:
Zu dem Thema KFW Förderung für den Heizungstausch (Zuschuss Nr. 458) kann ich eigentlich nur sagen, dass das tatsächlich mal ein vorbildlicher und vollständig digitalisierter und automatisierter Vorgang war wie er sein sollte.
Nach Ausstellung der BzA durch die Handwerksfirma dauerte das Stellen des Antrags etwa 5 Minuten über das Onlineportal. Ca. 5 Minuten später (Abends kurz vor 23 Uhr) kam dann auch direkt die Bewilligung per Mail und es konnte losgehen.
Gleiches nach Abschluss der Arbeiten und Ausstellen der BnD. Auch hier dauerte das Abschließen des Antrags nicht länger und auch der Auszahlungsbescheid mit Zahldatum kam wenige Minuten später und das Geld wurde sogar früher als angegeben überwiesen.
Insgesamt ein sehr guter Prozess mit einer Ausnahme:
Man muss schon zum Zeitpunkt der Beantragung genau wissen was der ganze Spaß kostet, denn eine spätere Korrektur der beim Antrag angegebenen Gesamtkosten ist nicht möglich!
Hierauf sind wir leider reingefallen und konnten deshalb die Handwerksleistung des Klempners nicht mit in die Förderung nehmen sondern nur die Leistung der Klimafirma.
Auf Nachfrage bei der KFW war die Antwort, dass für solche Fälle der Gesamtbetrag der BzA etwa 10-20% höher angesetzt werden sollte um noch etwas Spielraum zu haben.
Dies wusste leider auch die Klimafirma nicht, kam uns aber als Entschädigung mit einer kostenfreien ersten Wartung entsprechend entgegen.
Die Steuerung:
Die Steuerung der Heizung erfolgt via Home Assistant. Da ich kein Freund von Cloud-Anbindungen vor allem bei so zentralen Geräten wie Heizung bin, hab habe ich alle Inneneinheiten mit Faikin-Modulen nachgerüst was eine lokale Steuerung ermöglicht.
Im Moment habe ich eine ziemlich rudimentäre Steuerung implementiert, welche die Bedarfssteuerung der Daikin anhand der Außentemperatur setzt. Ansonsten haben alle Innengeräte entsprechende Zeitfenster in denen Sie die Temperatur zwischen 21-22,5 Grad halten.
Als Temperaturfühler kommen externe BLE Sensoren zum EInsatz welche mit den Faikin-Modulen gekoppelt sind.
Die Brauchwasser-Wärmepumpe ist leider alles andere als Smart und besitzt kein WLAN, so dass ich hier mit dem Einstellen von Uhrzeiten, in denen Warmes Wasser bereitstehen soll vorlieb nehmen muss. Eine PV-Überschusssteuerung ist leider nicht möglich.
Erfahrungen Brauchwasser-Wärmepumpe:
Die BWWP heizt das Wasser schnell und zuverlässig ohne Einsatz des Heizstabes innerhalb weniger Stunden auf (zwischen 1,5 Stunden im Sommer bis ca. 3 Stunden im Winter). Das hatte ich mir Anfangs schlimmer vorgestellt.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Einstellungen (es gibt verschiedene Betriebsmodi) läuft der einfachste Modus mit festem Zeitfenster von 5 Uhr morgens bis 23 Uhr Abends am Besten.
In dem Zeitraum heizt sie bei normaler Nutzung einmal morgens und einmal Abends auf und verbraucht dabei aktuell im Winter ca. 3,5 Kwh pro Tag.
Erfahrungen Heizen mit Klimageräten:
Anfangs hatten wir wie die meisten wahrscheinlich auch Bedenken was den Komfort beim Heizen mit Klimageräten angeht. Sowohl das Thema Luftstrom als auch Lautstärke löst die Daikin Anlage aber ganz gut.
Durch die integrierten Sensoren der Inneneinheiten wird der Luftstrom immer weg von anwesenden Personen geleitet was ganz gut funktioniert. Jedenfalls empfinden wir die Luftzirkulation nicht als Störend.
Gleiches gilt für die Lautstärke der Inneneinheiten mit Ausnahme des Schlafzimmers.
Hier hängt die Inneneinheit direkt über dem Bett und ist doch selbst im leisesten Modus hörbar weshalb wir sie über Nacht aus lassen.
In den Kinderzimmern ist die Lautstärke aufgrund der besseren Positionierung nicht störend.
Ein für uns entscheindender Vorteil der Klimageräte ist die flexibilität mit welcher ich die Räume beheizen kann.
Wenn wir den Kamin anmachen schaltet sich das IG im Wohnzimmer einfach aus und der Kamin übernimmt. Wenn ausreichend Wärme durchs Haus zieht schalten sich auch die anderen IGs ab.
Mit der trägen Fußbodenheizung war das vorher undenkbar.
Was die Dimensionierung der Anlage angeht bin ich zwiegespalten. Allgemein herrscht die Meinung vor, dass mehrere Außeneinheit die Effizienz steigern und im Nachhinein teile ich diese Meinung.
Die große 9KW Außeneinheit taktet in der Übergangszeit sehr häufig, da sie nicht weit genug heruntermodulieren kann.
Dafür war ich an den richtig kalten Tagen im Januar froh genug reserve zu haben, dass es auch ohne Heizstab warm wurde.
Mit zwei separaten Außeneinheiten könnte man wahrscheinlich besser regeln aber ich bin zuversichtlich das Takten mit etwas Feintuning an der Steuerung in den Griff zu bekommen.
Was den Verbrauch angeht lagen wir im Dezember bei ca. 550Kwh (Arbeitszahl 4,1) und im Januar bei ca. 700Kwh (Arbeitszahl 3,7) für die Daikin.
Erfahrungen mit Handwerkern / MyHammer:
Als ich unser Vorhanden auf MyHammer inseriert habe war ich selbst skeptisch, da das vollständige Heizen eines EFH mit Klimageräten ja doch eher unüblich ist und es auch mein erster Versuch mit der Plattform war.
Ich hatte aber keine Lust sämtliche Handwerksfirmen durchzuklingeln und mir immer und immer wieder die gleiche Leier von wegen "keine Zeit" und "machen wir nicht" anzuhören.
Deshalb schien mir ein solches Inserat, auf welches sich Firmen die Interesse haben selbst melden können sehr sinnvoll.
Als sich innerhalb weniger Tage nach Veröffentlichung mehrere Handwerksfirmen meldeten und mich keine für verrückt gehalten hat war ich positiv überrascht ![]()
Alle Firmen die sich meldeten hatten, mal mehr mal weniger, Erfahrungen in dem Gebiet vorzuweisen, waren freundlich und sind größtenteils auf unsere Wünsche/Vorstellungen eingegangen.
Jede Firma hatte ihren favorisierten Hersteller aber Daikin hatten letztlich fast alle als Highend-Lösung im Angebot.
Das Thema Förderung hatten alle Firmen auf dem Schirm und konnten entsprechend Fragen beantworten.
Zum Schluss gab es drei Angebote, von denen nur eines sehr weit weg von den anderen beiden war.
Wir haben uns letztlich für eine Firma aus Gera entschieden (Wohnen selbst in Mittelthüringen) weil uns die Beratung überzeugt hat und die Firma auch eine Lösung für unser Warmwasser-Problem hatte.
Im Juni den Zuschlag erteilt wurde direkt ein fixer Termin für mitte August ausgemacht. Anfang August wurde der Termin noch einmal bestätigt und pünktlich am 13. August ging es los.
Die Firma kam mit 5 Leuten und innerhalb von 2 Tagen waren alle Arbeiten sauber und ordentlich erledigt.
Auch im Nachgang war der Ansprechpartner immer verfügbar und hat hilfsbereit auf E-Mails reagiert.
Alles in Allem waren wir sehr zufrieden mit dem Abblauf und würden es beim nächsten größeren Projekt auch wieder über MyHammer versuchen.
Die Kosten:
Die Gesamte Heizungs- und Warmwasseranlage hat inkl. aller Geräte und Einbau ca. 15.500€ gekostet.
Die Kosten der einzelnen Positionen schienen plausibel und nicht künstlich höher angesetzt. Die Geräte an sich hätte ich auch Online in DE nicht viel günstiger bekommen.
Abzüglich 50% Förderung (Basisförderung + Geschwindigkeitsbonus) waren es noch knapp unter 8000€.
Hinzu kamen noch diverses Material für den Anschluss des Wasserspeichers an das vorhandene Rohrsystem sowie ein Klempnereinsatz für insgesamt etwa 1200€, da die Klimafirma die BWWP nicht selbst anschließen durfte.
In Summe hat uns das neue System also unter 10k€ gekostet.
Fazit:
Wir sind zufrieden mit unserer Lösung und nach wie vor überzeugt, dass es die beste Option für unser Haus ist.
Alle Heizsysteme haben Vor- und Nachteile und jeder muss für sich abwägen was wichtig ist aber man sollte offen für Neues und Unkonventionelles sein.
Gerade für kleine Häuser die keinen Platz für große Pufferspeicher haben können Luft-Luft-Wärmepumpen eine sehr gute Lösung sein, da sie flexibel positioniert werden können und innen kaum Platz einnehmen.
Da ich unbedingt einen Kaminofen haben wollte kam ein träges System nicht in Frage und auch hier punkten die Split-Klimas.
Wer plant LLWPs zu verbauen und keinen Kaminofen hat sollte zumindest darüber nachdenken in den Badezimmern elektrische Handtuchheizkörper zu verbauen, denn es gibt immer mal Sachen die schnell auf der Heizung getrocknet werden müssen.
In Sachen effizienz stehen Luft-Luft-Wärmepumpen den großen Luft-Wasser-Wärmpeumpen in nichts nach, sind aber wesentlich Wartungsärmer, da es keine Ventile und Pumpen gibt.
Und noch ein abschließender Satz zum Thema Handwerker und Mondpreise für Wärmepumpen:
Wenn ihr an einer Luft-Luft-Wärmepumpe interessiert seid fragt den Klimatechniker und nicht den Heizungsbauer.
Für Klimatechniker ist das ein neues Geschäftsfeld welches viele sicher gern erschließen möchten.
Heizungsbauer dagegen haben oft nicht die nötige Expertise in Sachen Klimatechnik oder wollen aus Prinzip nicht von ihrem Standardvorgehen abweichen da sie auch so volle Auftragsbücher haben.
Damit ist erst einmal genug gesagt ![]()
Wer noch etwas wissen möchte kann gern fragen.