Balkonkraftwerk – Warum keine 3×800W auf drei Phasen zulässig

Hallo zusammen,

ich betreibe zu Hause eine Balkonkraftanlage mit 2000 Wp Modulen, einem Lumentree 800W Wechselrichter und regele die Nulleinspeisung über ein Tasmota MT175 + Trucki Stick. Einphasig angeschlossen, soweit alles standard.

Jetzt beschäftigt mich aber folgende Frage, auf die ich keine befriedigende Antwort finde:

Szenario: Ich schließe drei separate Wechselrichter à 800W an – jeden auf eine eigene Phase (L1, L2, L3). Thermisch ist das doch völlig unkritisch: Selbst wenn eine Phase mit 16A voll ausgelastet ist, kommen hinter dem FI-Schalter nochmal 800W dazu – das liegt deutlich unter der Leitungsbelastbarkeit. Von einem Brandschutz- oder thermischen Problem kann also keine Rede sein, ODER??

Meine Fragen:

  1. Warum ist eine solche Konfiguration (3×800W, je eine Phase) gesetzlich nicht als Balkonkraftwerk zulässig?

  2. Was wäre das konkrete technische oder regulatorische Argument dagegen – Netzschutz? Anmeldepflicht? VDE-Norm?

  3. Mit 2400W Gesamteinspeisung (800W × 3 Phasen) würde man in einem normalen Haushalt nahezu Autarkie erreichen können. Gibt es Bestrebungen, die 800W-Grenze phasenbezogen statt anlagenbezogen zu definieren?

Ich verstehe, dass die 800W-Grenze pro Anlage gilt – aber ich sehe nicht, warum eine physikalisch sinnvolle Dreiphasenlösung regulatorisch nicht abbildbar sein sollte.

Bin gespannt auf eure Einschätzungen!

Prinzipiell ist das Balkonkraftwerk ja als plug and play out of the box Gerät gedacht. Das heißt auch, der Laie kauft sich ein 800VA Balkonkraftwerk, packt es aus, befestigt die Module fachgerecht und steckt einfach einen Stecker in die Schuko-Steckdose. Er braucht keinerlei Fachpersonal und der Meldeprozess ist auch sehr schlank gehalten.

Vor allem vor dem Hintergrund der einfachen Anwendung durch Laien, wie soll der Laie nun herausfinden in welchen seiner Steckdosen sich die drei Phasen befinden?

Man könnte jetzt auch so argumentieren: Alles was über die 800VA WR Leistung und über eine Obergrenze an kWp hinaus geht ist schlicht kein Balkonkraftwerk mehr sondern eine PV Anlage und hat für Aufbau, Elektroinstallation sowie Anmeldung und Betrieb entsprechende Regularien zu erfüllen.

Da geht es eher nicht um die rein physikalischen Dinge wie z.B. eine symmetrische Verteilung von bis zu 800VA pro Phase auf drei Phasen. Wo allerdings dann auch sichergestellt sein muss das alle Module verschattungsfrei aufgestellt sind sonst gibt’s auch hier keine Symmetrie.

.. weil mit Sicherheit irgendein Trottel 2400W übern Dreifachstecker zambasteln würde. Ich fimd eine Zwischenstufe sinnvoll. 800W wie bisher, bis z.B. 2kW mit Endstromkreis. Nachweis Endstromkreis mit FI-LS vom Elektriker.

Es gibt eine technische Begründung, siehe Vorschreiber.
Es gibt eine regulatorische Begründung: bis 800W sieht die EU als vernachlässigbar in Bezug auf Netzbeeinflussung an.
Es gibt eine politische Begründung: weil die gesetzgebenden Bundestag und Bundesrat das so beschlossen haben.

Oder kurz und einfach:
Weil es halt so im Gesetz steht.

Oliver

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Die Argumentation verstehe ich, und finde die Regelung grundsätzlich gut. Ich persönlich würde mich auch freuen, wenn ich mehr einspeisen könnte, dann wäre ich in den hellen Monaten komplett autark. Und das wäre ja durchaus lösbar.

Man könnte da vielleicht mit einer Pflicht für einen CEE-Stecker am Wechselrichter für die Einspeisung eine Lösung finden. Oder ein entsprechend 3-phasigen Einspeisestecker (keine Ahnung, ob’s sowas schon gibt, sonst kann die Industrie es ja entwickeln, sollte ja machbar sein). Die Einspeisesteckdose müsste der Elektriker installieren. So wäre sichergestellt, dass in 3 verschiedene Phasen eingespeist würde, gleichzeitig könnte man den Charme der Balkonkraftwerke erhalten, dass man vieles selbst machen kann.

Die Lösung müssten aber Balkonkraftwerkshersteller von der Politik fordern. Und die Mühe machen die sich nur, wenn sie sich davon einen entsprechenden Gewinn versprechen. Und da hätte ich bei einem 3-phasigen Balkonkraftwerk so meine Zweifel. Die Geräte wären spürbar teurer und der Markt deutlich kleiner als bei den einfachen (aktuell erhältlichen) 1-phasigen Geräten.

Und ganz ehrlich… jetzt ist auch nicht sichergestellt, dass sich der genannte Trottel beim Netto nicht einfach 2 oder 3 Balkonkraftwerke kauft und sie in die Dreifachsteckdose steckt.

Bei all dem Aufwand “nur” um mit einem Balkonkraftwerk quasi per Nulleinspeisung keinen Bezug mehr zu haben kann man auch gleich zur richtigen PV greifen. Die genannte CEE Dose müsste ein Endstromkreis sein der wird aller Wahrscheinlichkeit nicht vorhanden sein also müsste eh eine dreiphasige Leitung quer durch die Immobilie gelegt- und entsprechende Absicherung im Zählerschrank gesetzt werden. Damit kommen, zumindest offiziell, wieder die gleichen Arbeiten und Kosten auf einen zu als wenn man eh die große PV installiert.

Da scheint es mir einfacher, einen normalen AC gekoppelten WR zu setzen und das Dach gleich ganz voll zu machen und in Kombination mit einem Akku eine Nulleinspeisung aufzubauen.

Dann wird man auch schnell feststellen wie weit der eigentliche Weg zur wirklichen Elektrizitäts-Autarkie ist - das ist nämlich auch mit einem reichlich überkandidelten BKW bei Weitem nicht erreichbar.

Uns fehlen selbst mit rund 36kWp noch über 200kWh um im Dezember den elektrischen Bedarf zu decken. Nehmen wir das BEV mit dazu fehlen schon 570kWh und vom Heizen brauchen wir erst gar nicht reden :slightly_smiling_face:

Und hier hast Du nun - nach technischer, regulatorischer und politischer - die 4. Begründung, die der Lobby:

Genau diese Autarkie ist ja gar nicht gewünscht. Du sollst bitte brav zahlen… Ich erinnere mich nicht mehr, von wem das Video war, aber es gab eins, in dem relativ sauber aufgerechnet wurde, was sie ganzen BKW die Stromversorung kosten (im Sinne von nicht erzielten Einnahmen / Gewinnen).

Sieht man ja auch an den “Ideen”, die mittlerweile aufkommen, die kleinen “Erzeuger & Einspeiser” auch mehr an den Kosten zu beteiligen…

Wobei ich diese Idee durchaus nachvollziehen kann. Als noch jeder seine Energie aus dem Netz bezogen hat, war das Netzendgeld nach Verbrauch ja ein durchaus fairer Verteilschlüssel der Kosten. Aber die Struktur hat sich verändert, und da muss man auch darüber nachdenken, ob der Verteilschlüssel noch fair ist. Denn ich möchte auch bei der nächsten Sonnenfinsternis nicht auf meinen frisch gebrühten Kaffee verzichten.

Es geht mir dabei auch weniger um das ob sondern vielmehr um das wie.
Wir haben in vielen Bereichen eine viel zu mächtige Lobby, was in meinen Augen ein großes Problem ist. Aber auch wenn ich keinen Kaffee trinke, sollte diese Diskussion nicht in diesen Thread :wink:

Damit sind wir bei der “Wielanddose” bzw vergleichbaren, z.B. BC05. Das ist eher kompatibel mit üblicher Hauselektrik als CEE, die brauchen große UP-Dosen und/oder sind einigermaßen häßlich. Und ein 2kW WR mit 4 Panels je 600W ist eh noch gut im DIY Bereich