ich stehe aktuell vor einem „Wärmepumpenprojekt“. Mich würde die Meinung der Community zu den Angeboten, inhaltlich wie preislich, interessieren.
Kurz einmal zu dem Objekt. Es handelt sich um ein vermietetes Zweifamilienhaus (EG an meine Eltern, DG an „Fremde“) mit maximal 4 Erwachsene + 1 Kleinkind. Die Wohnfläche beträgt ca. 80m2 + 70m2 zzgl. beheizter Keller 80m2, also ca. 230m2 beheizte Fläche. Das Objekt ist aus Baujahr 1975. Der Verbrauch der aktuellen Heizung, eine 22 Jahre alte Gas-Kombi-Therme liegt im Durchschnitt der letzten 4 Jahre bei ca. 30000 kWh inkl. Warmwasser. Die Therme ist auf 12kW Teillast eingestellt.
Wie sich die letzten Wochen raus stellte ist der Wärmetauscher nicht mehr dicht (vermutlich schon seit 2-3 Jahren nicht) und müsste getauscht werden. Reparaturkosten die ich mir sparen will und lieber direkt auf eine WP umstelle. Es sind noch komplett die Rippenheizkörper aus dem Baujahr verbaut. Der VL bei NAT (-8°C) beträgt 60°C. Die Heizkurve /Einstellungen wurden vor 4 Jahren so eingeregelt, dass die Heizkörper im EG komplett offen sind und so 22°C Raumtemperatur vorliegen.
Der Vaillant-Partner der die letzten 10 Jahre, seit Übernahme des Objektes, die Wartung durchgeführt hat hat mir ein Angebot unterbreitet. So wie noch 3 weitere Firmen. Angebote folgen am Ende.
Die ersten drei Angebote haben allesamt gemein, dass Warmwasser durch die Wärmepumpe erfolgt (wobei der Anbieter der Bosch-Lösung sagte, dass man ggf. eine Brauchwasserwärmepumpe in Betracht ziehen sollte, es aber nicht angeboten hat („Unterschied wären um die 1000 Euro“). Beim vierten Angebot sagte der Anbieter explizit, so ein Objekt nur mit Brauchwasserwärmepumpe zu machen so wie großem Pufferspeicher für die Wärmepumpe. Zum einen für die Gefahr das Mieter einem die Heizkörper zudrehen, Stichwort Mindestvolumenstrom sicherstellen, so wie Überbrückung von ggf. Sperrzeiten, Verbesserung der Taktungsintervalle wenn man „unterhalb“ der Modulationsmöglichkeit ist. Aus div. Forenbeiträgen ist mir bewusst, dass das Thema „Pufferspeicher“ sehr viel sagen wir Diskussionspotential bietet
Alle Angebot sehen eine Raumweise Heizlastberechnung vor so wie dem Hinweis, dass darauf basierend ggf. eine anderes (kleines/größeres) WP Modell genutzt werden muss. Der Betrieb aus Angebot 4 wies darauf hin, dass die Berechnung ebenfalls enthalten wird was notwendig ist um die VL bei NAT auf 55 bzw. 50 Grad zu bekommen, um dies vor weiteren Entscheidungen ggf. ökonomisch einmal zu betrachten.
Die Angebot:
Vaillant aroTherm plus 8.1 VWL 125/8.1 mit VIH RW300/3 BR
12 kW WP, 100L Heizungspuffer integriert, WW-Speicher 281L, keine Entsorgung enthalten.
36.000 Euro (Lohnanteil: 10.130 Euro)
NIBE S2125-12
12 kW WP, 100L Heizungspuffer integriert, WW-Speicher 300L, Entsorgung enthalten
33.000 Euro (Lohnanteil nicht ausgewiesen im Angebot)
Bosch AW 10 OR-T mit CS6800iAW 12MB und WH 370LP1B Speicher
10 kW WP, 70L Heizungspuffer integriert, WW-Speicher 370L, keine Entsorgung
31.000 Euro (Lohnanteil 5.000 Euro)
Hm. Ich sehe das wie die Handwerker. 60°C ist nicht ideal. Und vermieten ist dann ebenfalls nicht ideal. Am Schlimmsten wäre jetzt noch ne Zirkulationsleitung! Da warne ich jetzt mal vor.
Mit Gas ist das nachheizen kein Problem, schreib ich mal so salopp. Aber wenn die Wärmepumpe beispielsweise eine Zirkulationsleitung bedienen muss, dann muss die Wärmepumpe immer wieder von z.B. 55°C auf 60°C aufheizen. Das bekommt einen extrem schlechten Wirkungsgrad.
Eine Brauchwasserwärmepumpe wäre hier aber NOCH schlechter. Die hat nur einen kleinen Wärmetauscher, und wo soll die ihre Wärme herholen? Vorher mit Gas noch vom Heizraum. Aber dann?
PS: Ich würde mit einer JAZ von vielleicht 3 rechnen. Also 10 000kWh Strom. Das kommt nun darauf an, ob Zirkulation oder nicht.
Schade um die Rippenheizkörper, aber da müssen die weichen bei den Räumen mit schlechtester Wärme. VL muss mindestens 10° runter. Das letzte Angebot ist “am wenigsten schlecht”. Vermute, eine 12kW WP reicht dann für heizen + Wasser. Für Heisswasser gut: Heizungswassergefüllter Speicher plus Frischwasserstation. oder Speicher mit Frischwasserwendel, gleich gross wie Heizungsspeicher. Je 200-360l schätze ich mal
BWWP ist gut, wenn die sich Abluft ausm Haus nehmen kann. Badlüfter, Dunstabzugshauben. Oder den dann unbenutzten Kamin für Zuluft unterm Dach ansaugen lassen
Ich traue es mich ja fast nicht zu sagen, aber ja leider gibt es eine Zirkulationsleitung zum Bad im DG, so wie zum Bad EG und Küche EG. Die letzten beiden lassen sich, da sie an der Kellerdecke an Anfang und Ende zugänglich sind ohne Probleme rückbauen. Die Zirkulation ins DG Bad leider nicht, ohne die Wand an Waschtisch und in der Dusche zu öffnen. Für diese Leitung hatte ich überlegt sie im Keller abtrennen zu lassen und zeitgesteuert alle 24h in den Abfluss abzulassen. Es ist eine 12mm Leitung und ca. 12m Leitungsweg. Das dürfte pro Jahr ca. 1-1,5m3 Wasser sein. Nicht toll, aber vermutlich eine Übergangslösung bis man bei passender Gelegenheit die Zirkulation im DG Bad abbauen kann.
Der Aufstellort der BWWP wäre der Hauswirtschaftsraum (40m3), ein unbeheizter Kellerraum in dem außerdem Trockner und Waschmaschine der EG Mieter stehen. Es gibt die Möglichkeit zu und/oder Abluft über ein Fenster und/oder durch einen Kaminzug anzusaugen/abzulassen.
Der Installateur von Angebot 4 hatte dazu auch mehrere Möglichkeiten aufgezeigt:
Am wenigsten Aufwand: Zu/Abluft in den Raum, im Sommer Kellerfenster einfach auf machen
Zu/Abluft durch Kamin, Durchmesser muss geprüft werden und ggf. Rohr einziehen
Du musst dich alles trauen zu schreiben. Man hat das eben früher anders gemacht als heute, bzw. man kann und muss es tlw. immer noch so machen weil das Vorschriften sind. Ich schreibe nur direkt was das dann für Konsequenzen hat, nicht dass du dich dann wunderst, dass der Wirkungsgrad so wird, wie er wird.
Wenn du das wie beschrieben ändern kannst fällt mir noch was anderes ein. Wenn es nur darum geht, die Zirkulationsleitung im Bad im OG immer wieder auf Temperatur zu bringen könnte es möglich sein mit einem Nachheizer zu arbeiten. Da kenne ich mich wenig aus. Also nur um das zu erklären: In dem Rohr befinden sich nun bei ca. 12m und 12mm Innendurchmesser (12 außen oder innen?) 1,356l Wasser in dem Rohr. Wenn sich das nun abkühl von 60°C auf 55°C dann muss auch nur dieses Wasser wieder auf 60°C erhitzt werden. Das sind 5K und 1,4l Wasser. Bei 1,16Wh sind das 10W. Es wäre also vielleicht möglich, ein Gerät anzuschließen mit… kA, 50W stufenlos, Temperaturmessung, und nachheizen. Wichtig ist: Es darf auch nicht zu heiß werden, Verbrühungsschutz!
Wenn das aber um Mieter geht, dann kann man nicht einfach die Zirkulation abbauen. (Wobei nun eher wichtig Mieter im Sinne von gewerblich vermietet oder “vermietet” also beispielsweise innerhalb der Familie und daher vielleicht mit schriftlichem Einverständnis ein Rückbau möglich)
Für Zirkulation gibts Durchflußschalter und Nachlaufrelais. Wird Durchfluß erkannt, läuft die ZIP im Rücklauf z.B. 5 Minuten.
Waschraum möchte gern getrocknet werden, das passt. Man kann der BWWP die Luft aus dem Raum mit der vom Dach(boden) auch mischen, wenn der Kamin alleine zu klein ist.
Es ist aber gut möglich, daß ein Frischwasserspeicher der mit an der Midea hängt, kostengünstiger ist.
Das würde ich wegen der Hygiene eben genau nicht machen.
@dhw
Das wird nicht klappen. Dann würde, sofern die Temperatur im Speicher unter 60°C fällt, das Wasser quasi permanent elektrisch nachgeheizt. Das ist dann wie nen Heizstab oder Boiler.
Nicht am Zirkulationsleitungsanschluss der BWWP. Sondern Rückschlagventil damit das Wasser nicht rückwärts in die BWWP fließt. Und stattdessen einen Heizer beim Rücklauf zur Rücklaufanhebung. Damit wird halt immer nur das Wasser in der Leitung erwärmt, ist aber getrennt von der BWWP.
Wie ausgerechnet braucht so ein Vorgang für die 1,4l Wasser in dem Rohr gerade mal 10W wenn du es von 60°C auf 55°C abkühlen lässt. Und dementsprechend würde ich das auch beschalten. Was ich nicht weiss: Wie hoch sind die Verluste des Rohrs, also wie gut gedämmt.
Vorteil: Nur die Wohnung mit der Zirkulation zahlt auch den Strom für die Zirkulation. Und nicht alle.
Vorab mal ein Dankeschön an alle in die Runde für die Tipps und Hilfe sowie den Umgang hier.
Macht natürlich Sinn, dass Wasser aus der Zirkulation dann direkt aus der BWWP zu halten. Bei derart geringen Heizleistungen lässt sich eventuell eher etwas mit einer Begleitheizung an dem “freiliegenden” Teil der DG Zirkulationsleitung im Keller bauen, die liegen zwischen 10 - 35W/m. Alternativ gibt es Rohrheizungen aus der Campingbranche mit ~50W. Das nehme ich als Thema und Ideen mal mit.
Eventuell für den ein oder anderen hier Interessant. Hatte mich bzgl. Legionellen/Zirkulation gestern Abend etwas umgesehen und bin auf zwei interessante Dokumente/Seiten mit Erkenntnisse bzgl. Temperatur/Wachstum gestoßen:
die alte 60/55°C Regel scheint Untersuchungen der letzten Jahre nicht stand zuhalten. Bereits ab 50°C kommt das Wachstum komplett zum erliegen.
Wachstumsoptimum bei 40°C
Lange Stagnationszeit Hauptproblem
Spülintervall von 72h bei 25°C “Stagnationstemperatur”
Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass du verpflichtet bist, das Legionellenproblem zu lösen und das auch nachweisen musst, je nach Größe des Speichers. Also ab 400l oder die weitest entfernte Wasserzapfstelle beinhaltet 3l Wasser, DANN MUSS alle drei Jahre eine Wasserprobe gemacht werden bei Vermietung.
Bei EFH ohne Vermietung kann man mehr oder minder machen was man will, mit den nötigen Konsequenzen.