Auslegung Wärmepumpe - Minimalleistung

Man sollte ja eigentlich eine Wärmepumpe eher knapp auslegen damit die unterste Leistung möglichst tief ist um Taktung zu Minimieren. Leider sind da bei weitem nicht alle Hersteller sehr auskunftsfreudig. Nun hab ich aber bei Buderus eine Grafik gefunden die mich sehr erstaunt hat: Und zwar in den Planungsunterlagen für die Logatherm WLW176i/WLW186i AR. Auf Seite 14 findet sich ein Diagramm aus dem hervorgeht, dass die Modelle mit 4, 5 und 7kW zwar eben unterschiedliche Maximalleistungen haben, aber die Minimalleistung ist für alle gleich. Es scheint innerhalb einer Leistungsklasse keine Unterscheidung bei der Minimalleistng zu geben.
Da stellen sich natürlich die Fragen:

  • Wieso machen die dann unterschiedliche Leistungsgrössen?
  • Wieso kann ich nicht die, in dieser Baureihe einfach die Grösste nehmen wenn die Minimalleistung, die ja für das Takten verantwortlich bei allen 3 Leistungsgrössen gleich ist?

Wo liegt hier mein Denkfehler? Die machen die verschiedenen Grössen ja sicher nicht zum Spass.

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Ist oft nur Marketing, je mehr Leistung, um so teurer. Die Leistung wird bei den Geräten mit weniger Leistung einfach über Software begrenzt.

Kannst du doch machen und machen auch viele. Damit minimierst du auch die Laufzeiten des Heizstabes.

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Das, meiner Ansicht nach, Fatale daran ist, dass sich dadurch nicht nur die Minimalleistung ändert, sondern je nach Haus auch die Taktgefahr/Vereisungsgefahr.

Beispiel Panasonic Jeisha 5,7,9KW:

Wenn nun eine Wärmepumpe, aus welchen Gründen auch immer, softwareseitig begrenzt wird, hat sie mehr oder weniger eine konstante Leistung die erst bei extremen Minustemperaturen geringer wird. Aber im Bereich +3°C bis -3°C vereist sie bei hoher Luftfeuchtigkeit. Wer nun sehr knapp auslegt könnte das Problem haben, dass er zwar darüber nachgedacht hat, bei tieferen Temperaturen den Heizstab als Unterstützung zuzuschalten, und das sind nun nach diversen Wärmepumpenrechnern vielleicht nur 100 Stunden an dem Standort, aber nicht mit einkalkuliert, dass bei den vielen Abtauungen gar keine 5KW mehr geliefert werden können, weil der Abtauzyklus Minuten dauert. Was dann passiert ist, dass die Wärmepumpe es dann nicht mehr schafft die 5KW zu liefern, daraufhin nach dem Abtauen wieder volle Möhre fährt, der Wärmetauscher wieder mehr einfriert usw. usf. Um das nun zu verhindern, schaltet man den Heizstab ein, um die 5KW zu haben.
Aber dann hat man letztlich den Heizstab an bei Temperaturen von +3°C bis -3°C (so in etwa) und hoher Luftfeuchtigkeit UND für die 100 Stunden, die man vorher berechnet hat. Wenn aber der +3°C bis -3°C Bereich bei 500 Stunden liegt, hat man den Heizstab dann nicht nur für die 100 Stunden, sondern für 600 Stunden und das drückt die Effizienz massiv in den Keller, weil der Heizstab eben nur 1:1 kennt.

Das bedeutet, die beschnittene Wärmepumpe KÖNNTE auch wie bei der Jeisha mit 7KW anstatt 5KW die 7KW leisten, aber sie ist softwareseitig beschnitten. Die Folge: Das Vereisungsproblem, welches gar nicht vorhanden wäre wenn man die 7er genommen hätte. Man hat also in dem Raum +3°C und -3°C mehr Leistungsreserve, die braucht man eigentlich nicht, es geht ja auch nur beispielsweise 4KW Heizleistung in die Heizung rein, aber der Abtauzyklus verringert die Heizleistung nicht und es reicht aus ohne den Heizstab.

Selbiges mit der 9KW. Ich hatte es schon öfter geschrieben, die 5,7,9er Jeisha sind ungefähr eine 7,5KW Wärmepumpe. Sie liefert bis knapp -15°C ihre 7,5KW , bei -20°C sind es nur noch 6,4KW.
Und dann gibt es die Jeisha T-CAP 9,12,16KW. Die haben einen doppelt so großen Wärmetauscher, da würde ich, aber ich lehne mich da nur aus dem Fenster weil die nicht genauso oft verbaut werden wie die kleinen Geräte, annehmen, dass sie konstante 16KW liefert. Bis -7°C kann sie das, drunter weiss ich nicht.

Die Jeisha bietet minimal ca. 2-2,5KW Wärme, die T-CAP 4 - 5KW. So siehts dann auch elektrisch aus, minimal ca. 0,4-0,5KW; T-CAP ca. 0,8-1KW.

Die Jeishas kosten von 5 auf 7, von 7 auf 9 ca. 500€ mehr. Man bekommt/bekam also für geschätzte 4000€ eine 7,5KW T-CAP. Und dann je nachdem was man brauchte die 9,12,16. Und ja, im Sinne der Minimalleistung sind die dann alle gleich. Aber was eben genau den Bereich von +3°C bis -3°C (und darüber hinaus, dort sind die meisten Vereisungen, es kann auch bei +5°C vereisen oder bei -5°C etc. pp.) angeht, da würde man eine leichte Überdimensionierung benötigen um weiterhin mit dem Kompressorkreis zu arbeiten anstatt dem Heizstab. Stattdessen wird, beispielsweise im Haustechnikdialog-Forum, fast immer zur Unterdimensionierung geraten.

Standort. Wo eine NAT von -5°C ist, da mag die Unterdimensionierung sinnvoll sein, oder halt überall wo es wenige Stunden im Jahr unter 0°C sind. Und/Oder der Heizbedarf EXTREM niedrig wäre. Beispielsweise wer bei NAT-15°C nur 3KW ausgerechnet hat. Der wird mit einer 5KW Maschine locker auskommen, trotz der Abtauungen, wird eher mit der Minimalleistung zu kämpfen haben.

Das Problem bei der Jeisha war, das es eine ganze Weile gedauert hat bis 5=7=9 durch die Community (HTD) erkannt wurde. Vermutlich weil es vorher keine so krasse Gleichheit gab.

Deshalb ist es gut, das zu verbreiten … also danke Wolfgang.

Wobei ich befürchte, das die Masse der Wärmepumpenwechsler das leider erst zu spät mitbekommen.

Warum sollte die softwareseitige Begrenzung der Maximalleistung bei gleicher Hardwareausstattung, insb. WT im AG, auf die Vereisung einen Einfluss haben? Es wird eine bestimmte Leistung über den WT eingefordert. Je nach Witterungsbedingungen vereist der oder nicht. Da ist halt dessen Größe ausschlaggebend.

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Du hast recht, das hatte ich nicht beschrieben. Wenn man in den Datenblättern nachguckt haben die 7 und 9er ganz minimal bessere COP bei denselben Außentemperaturen. Wenn aber die AT gleich ist, die Wassertemperatur gleich ist geht das nur, indem mehr Wärme übertragen wird. Da es dieselbe Wärmetauschergröße ist kann das nur eins bedeuten: Der Lüfter pustet mehr. Wenn der Lüfter mehr pustet ist der Temperaturhub niedriger, der COP höher. Ist der Hub niedriger, ist auch die Vereisung weniger.

Das deckt sich auch mit den Aussagen im HTD zu der lauter laufenden 9er Jeisha. Die wird wahrscheinlich softwareseitig davon ausgehen, dass sie für mehr Bedarf ausgelegt ist als die 5er und daher das Lüfterprogramm anders haben.

Wärmepumpem werden auf Basis einer Hardwaroption mit unterschiedlichen Kennfeldern ausgelegt und das macht auch Sinn. Welche Maschien aber im Einzelfall passt ergibt sich aus der Bewertung des Kennfelds vs. Wärmebedarfs.
Für die Panasonics Maschinengruppen gilt das das klein Modell mittels Software eine nahezu konstante Leistung + kleinem Offset bereitstellt, die etwas größeren Modelle entsprechend über mehr Leistung verfügen aber bei tiefen Temperaturen ohne Heizstab einbrechen. Zusätzlich unterscheiden sich die hinterlegten Regelcharakteristiken.
Da die Maschine in ganz Europa verbaut werden macht das durchaus Sinn, aber bedeuet wenn ich wirklich 9kW benötig das das M-Modell in Deutschland oft die bessere Wahl gegenüber der L ist.

Bei andern Herstellern gilt ähnliches.

Danke für Eure Antworten. Dann ist das für mich jetzt klarer. Allerdings ist es damit um so schlimmer, dass viele Hersteller diese Kurven nicht veröffentlichen. Eigentlich wollte ich die LG Therma, aber da LG fast gar keine Daten rausgibt, suche ich nun weiter. Nun war ich bei einer Panasonic WH-WXG09ME8. Da diese aber das kleinste Modell der Serie ist (und daher vermutlich eine höhere Minimalleistung hat), muss ich vermutlich auf die WH-WDG09LE5 gehen. Da hab ich zwar deutliche COP Nachteile die auch ins Geld gehen, aber vermutlich ist weniger Taktung zu erwarten. Leider hab ich überhaupt keine Angaben zur Minimalleistung bei Panasonic gefunden :frowning:

Der Wärmebedarf bei -15°C liegt bei ca. 5.5 kW

Ich finde das Wort “einbrechen” zu harsch. Wie geschrieben, die 9er ist m.u. eine 7,5KW T-CAP. Sie kann bei -20°C auch 7,5KW ohne Heizstab liefern. Für 9KW wird die T-CAP benötigt. Das ergibt auch Sinn weil der Wärmetauscher bei sehr vielen Herstellern auf 9KW aufwärts größer ist.

Und um ein Beispiel zu nennen, eine Lambda hat deswegen gute Werte, weil der Wärmetauscher so groß ist. Deswegen ist der Hub niedriger, die Effizienz höher. Und weil der so groß ist, vereist sie auch weniger. Also ist sie auch da effizienter.

Das wäre auch was gewesen, wenn man die 5,7,9er Jeisha auch mit einem großen Wärmetauscher, aber kleinerem Kompressor ausgerüstet hätte. Dann wäre der COP extrem hoch und weniger Vereisung.



Hier mal 2 Screen Shots von meiner 8 KW Midea man kann gut Sehen was sie Nachts Leisten musste bei -3° C und wie sie aktuell runter Moduliert und nur sehr wenig leistung braucht das minimalste sind eben 835W und 2,8-3 kW Thermisch dann fängt sie das Takten an.

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Interessant, dass der Wärmemengenzähler einen höheren COP ausrechnet als der WP-Zähler. Das wird wohl daran liegen, dass er die Wärme der Abtauvorgänge dem Heizen zuaddiert?

JA und Nein der WMZ liest nur alle 45 min aus die WP alle 60 Sekunden ich hab den WMZ noch nicht gebrückt um öfters die Daten auszulesen aber ja der WMZ zeigt meist etwas mehr an, und er misst ja die Selbe Leitungnur eben kurz vor dem HK also im Haus.

Ja, beim Abtauen entsteht aber Kälte, das saldiert der nicht oder? Aber die Wärme danach schon. Wird also ungenauer.

Keine Ahnung er misst ja nur das was er bekommt also Warm Kalt und den Durchfluss eben, wenn du dir aber den gleichmässigen Verlauf ansiehst wo sie eben nicht abtaut da zählt er auch mehr, als die WP selbst. Das hab ich ja vorhin Live aufgenommen also genau letzter Stand.

Midea steht auch auf meiner Liste. Bist du damit zufrieden?

Ja sehr sie macht das was soll sehr leise und zuverlässig.

vielen Dank!

Was ich mit “einbrechen” aussagen wollte ist nur einzelne Modelle haben ein scheinbar “konstantes” Leistungsprofil, was durch die hinterlegten Reglerparametrierung künstlich erzeugt wird. Je stärker die Leistungsabgabe freigeben wird, umso mehr wird die physikalisch bedingte Leistungskarakteristik sichtbar. Und genau diese Leistungskennfeld ist mit dem Bedarf zu korrelieren um den Einsatz einer WP zu beurteilen.
Größere Wärmetauscher bedeuten leider nicht automatisch eine extreme Verbesserung der COPs, helfen genauso wie beim Thema der Vereisung.