Meiner Ansicht nach ist das offene Betriebssystem Venus OS, mit dem ich meine komplette PV Anlage mit allen nur denkbaren Erweiterungen kontrollieren und steuern kann, das Alleinstellungsmerkmal von Victron.
Was mir völlig unverständlich ist, ist das der Verzicht auf Netztrennung von irgend jemandem als Vorteil angesehen wird. Besonders, weil die "trafolosen" Wechselrichter regelmäßig mit hohem Stromverbrauch glänzen. Da kann man doch dran fühlen, das der angebliche tolle Wirkungsgrad in der Werbeabteilung konstruiert worden ist.
Trotz der vielen Postings in diesem Thread habe ich weiterhin Schwierigkeiten damit, eine Entscheidung pro/contra Victron zu treffen.
Aus diesem Grund formuliere ich meine Frage um:
Was macht Victron mit seiner Produktpalette besser oder anders im Vergleich zu Wettbewerbern, z.B. Fronius?
Zu dieser Produktpalette zähle ich u.a. Wechselrichter, Energiemanagement, etc.
Eine pauschale Aussage halte ich für schwierig. Zumindest hat sich hier herausgestellt, daß die Anfangsaussage der Nachteile von Victron hier so nicht geteilt wird.
Vermutlich haben die wenigsten einen direkten Vergleich - entweder, weil sie Geräte zweier Hersteller parallel laufen lassen oder wegen Unzufriedenheit gewechselt haben. Gibt mit den Jahren ja auch Neuentwicklungen und/oder das eigene Stromkonzept hat sich geändert.
Des weiteren kommt es auf die örtlichen Gegebenheiten an und wieviel Geld man bereit ist in welche Qualität zu investieren. Ich z.B. habe wenig zusammenhängende Dachfläche, zudem einige Bäume und eine sich im Winter auswirkende bewaldete Höhe in Südrichtung. Da heißt es stückeln. Mir gefällt das modulare System von Victron, auch die Herkunft aus der maritimen Welt und damit Inselfähigkeit ist mir sympatisch. Kombiniere das mit μWRn von Hoymiles, habe aber keine Erfahrung mit anderen Herstellern von String-WRs. Es gibt vermutlich nicht das Optimale und selbst wenn, kann es morgen schon ganz anders aussehen. Ist wie mit Computern oder anderer Technik - heute gekauft, morgen veraltet. Irgendwann muß man ins kalte Wasser springen, oder gar nichts machen.
Ich glaube, der entscheidende Unterschied ist die Zielguppe:
Victron ist was für Leute, die sich damit beschäftigen wollen und können.
Leute, die die gewaltigen Möglichkeiten schätzen, die so ein offenes Programm bietet.
Fronius (und ähnliche) sind eher wie Apple - Einschalten und es funzt. Erweitern ist möglich aber viel enger begrenzt als bei Victron.
Hatte Vorgestern gerade ein anschauliches Erlebnis zu genau dem Thema:
Wohlhabender Rentner mit Prepperanleihen hat sich für viel Geld ein ca. 6 kWp Victronsystem bauen lassen. Für meinen Geschmack eigenartig vom Verkäufer konfiguriert. Aber es lief an den sauteuren Victronakkus passabel.
Dann wollte er das andere Dach auch noch voll haben. Fronius soll ja gut mit Victron können, also haben sie ihm ein schön teures Froniussystem dazugebaut.
Er selber, wie gesagt fachlich keine Ahnung und auch keine Lust, er hat ja Geld.
Das Ende vom Lied die Akkus sind nach ein paar Wochen in Rauch aufgegangen. Hat die Solarfirma wohl die Regeln nicht eingehalten.
Nun ist er bedient von Victron (die im Grunde unschuldig sind) und hat alles rausreißen lassen.
Anschließend ein tolles Froniussystem bauen lassen, von dem er nicht mal wußte ob es HV oder LV ist.
Nun ist er wieder zufrieden und ich durfte ein paar schöne Victronteile günstig mitnehmen.
Ja gut, das ist dann auch ein netzparalleles ESS. Wie genau es ausgestaltet werden könnt, sei erst mal dahingestellt. Das ist in Europa sicher der häufigste Anwendungsfall des Multiplus 2. Deshalb sollte man das System nicht schlechtreden, weil es (z.B. in Afrika) auch Notstrom und andere Anwendungen mit derselben Hardware bereitstellen kann. Ich würde das ausgefeilte System als großen Pluspunkt sehen. Du siehst es wahrscheinlich wie von der menschlichen Seite. Der Mann/Frau kann zwar alles, aber nichts richtig.
Bei Victron ist sogar das Betriebsystem Venus OS open Source, also freie Software, die mit Zusatzprogrammen erweitert/verfeinert werden kann und das auch genutzt wird. Ich denke, das macht kein anderer Hersteller, das sind immer proprietäre Lösungen. Das Victron ESS ist, auch was Erweiterungen angeht, z.B. zusätzliche PV sehr offen und bietet verschiedene Möglichkeiten. Deshalb und weil es gut dokumentiert ist und es eine große Community hat, wird es hier gern genommen. Aber das sind hier Leute, die sich auch mal 100 oder mehr Stunden in eine Sache einarbeiten und das System dann auch selbst beherrschen und sich im Fehlerfall selbst helfen können. Du brauchst vermutlich einen Unternehmer, der es einbaut und wartet.
Du stellst hier in einem Selberbauerforum so allumfassende Fragen, die hier schon etwas "seltsam" wirken. Eigentlich wären das Fragen, die Du einem Unternehmer stellen müsstest, der Dir dann etwas empfiehlt. Der wird Dir aber empfehlen, was er verkaufen möchte und womit er am wenigsten Arbeit und Beratungsbedarf hat. Das muss schnell, schnell gehen. Dann stehst Du mit einer Black Box da, wo es teuer wird, das System zu erweitern. Victron ist damit normalerweise sofort raus, das ist so umfassend (und genial), da müsste er sich wahrscheinlich erst mal stundenlang einarbeiten, um Dich beraten zu können. Oder er kennt sich mit Victron aus und macht das ständig. Dann rät er Dir natürlich zu Victron und sagt, es gibt nichts Besseres.
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Was macht Victron mit seiner Produktpalette besser oder anders im Vergleich zu Wettbewerbern, z.B. Fronius?
Zu dieser Produktpalette zähle ich u.a. Wechselrichter, Energiemanagement, etc.[/quote]
Sie haben komplett andere Ansätze für die Produkte.
Victron hat den Nachteil, dass es viele Komponenten sind und der Aufwand relativ hoch ist so ein System zu realisieren. Insbesondere ein 3-phasiges-System braucht viel Platz und viele Komponenten. Solateur oder Elektriker wird man kaum finden, die einem so ein System aufbauen und anmelden. Solateure bevorzugen Systeme, die einfach aufzubauen sind und an denen der Kunde danach nichts mehr ändert. Weder an der SW- noch an der HW-Konfiguration, was für den Solateur auch einfacher zu warten ist.
Das flexible Victron-System passt das nicht für Solateure. Zudem wird Victron von PVSOL, dem überwiegend bei Solateuren eingesetzten Planungstool nicht unterstützt.
Dafür ist so ein Victron-System sehr flexibel und kann mit Komponenten unterschiedlichster Hersteller verbunden werden. Bei github finden sich zig Erweiterungen. Wenn Du das Know How (Sicherer Aufbau und Betrieb von DC-Komponenten ist kein Kinderspiel) und Spass am DIY hast und evtl. einen Elektriker kennst, der Dir das anmeldet, kann ich Victron empfehlen. Ein tolles System.
Victron hat sich auf die Zielgruppe Schiffe, Camper und gewerblicher Einsatz eingerichtet. Der Markt der Endkunden, die für Ihr Haus ein PV-System mit Speicher haben will, scheint nicht Ziel von Victron.
Naja, das kann man etwas relativieren. Das dreiphasige System braucht genau zwei Komponenten mehr als das Einphasige: Zwei weitere Wechselrichter je für eine Phase. Das kann aber auch seinen Vorteil haben wenn mal eine Phase ausfällt ist das System relativ schnell auf einphasigen Betrieb umkonfiguriert und man hat (im Inselfall wie bei uns) weiter Strom.
Wenn da z.B. an der eierlegendenwollmilchsau Deye12K was ausfällt, steht die ganze Anlage still.
Mit allen anderen Punkte die du erwähnt hast bin ich ganz deiner Meinung.
Aber gut, ich vermute diese Umstände sind für den Themenersteller von nicht allzugroßer Bedeutung.